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Zocken - viel besser als auf dem Atari 2600!

Der erste C16-Titel, den Ernst mir präsentierte, war das Abenteuerspiel Ghost Town. Darin galt es, den sagenumwobenen Schatz von Ghost Town zu finden, diversen Gefahren zu trotzen und den bösen Zauberer Belegro zu töten. Im Vergleich zu den mir bekannten Atari-2600-Spielen wirkte Ghost Town ungleich komplexer, denn die 19 Räume des Spiels steckten voller Rätsel und Gefahren. Man musste sich den richtigen Weg durch die Geisterstadt bahnen, dabei Gegenstände wie Schlüssel oder eine Schaufel einsammeln und an anderer Stelle benutzen, von der Decke herunterhängenden Riesenspinnen ausweichen oder magische Barrieren deaktivieren. Man konnte jederzeit sterben - etwa, wenn man versehentlich eine Dornenhecke anfasste.

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Wir kamen an diesem Tag zwar nicht sonderlich weit, aber meine Faszination für das Spiel war gigantisch; vor allem die Gruselatmosphäre und das morbide Setting nebst einem Friedhof mit Särgen zogen mich in ihren Bann. (Tipp: Hier gibt es ein Remake von Ghost Town in Javascript).

Ghost Town stammte von dem Deutschen Udo Gertz, der später als einer der fleißigsten und kompetentesten C16-Entwickler in die Spielehistorie eingegangen ist. Er programmierte für den Publisher Kingsoft - neben Mastertronic einer der zuverlässigsten C16-Spielelieferanten - noch weitere Highlights wie die Action-Plattformer Tom Thumb und Bongo sowie Sommer Olympiade, das gelungene C16-Pendant zu Summer Games. Dabei erzielte Gertz trotz der Limitationen der C16-Hardware (u. a. nur 16 KByte Hauptspeicher im Vergleich zu den 64 KByte des C64; keine Hardware-Sprites) teils erstaunliche Resultate. Auch Winter Olympiade hatte er programmiert, das Ernst ebenfalls besaß.

Nachdem Ernst mir noch dieses Spiel gezeigt hatte, das sich am C64-Hit Winter Games von Epyx Games orientierte und fünf gut spielbare Disziplinen wie unter anderem Biathlon, Bobfahren und Skispringen bot, war es um mich geschehen: Ich hatte mich in den C16 verliebt und wollte auch unbedingt so einen Computer haben. Ich war unglaublich neidisch auf Ernst. Dieser Glückspilz!

Für 50 Mark wird der C16 mein

Meine erste Begegnung mit dem C16 hatte Spuren hinterlassen; der Atari 2600 meines Kumpels war plötzlich weitaus weniger spannend als vorher. Und dann geschah das Unglaubliche: Ernst bot mir eines Tages in der Pause seinen C16 zum Verkauf an - für lächerliche 50 D-Mark! Komplett mit Datasette, Joystick, Basic-Programmierkurs auf Kassette und in Buchform sowie allen Spielen, die er besaß. Ab diesem Moment hatte ich nur noch eine Mission: Ich musste meine Eltern von der unbedingten Notwendigkeit überzeugen, mir den C16 zu kaufen.

  • Commodore veröffentlichte den C16 im Jahr 1984 als Low-Budget-Alternative zum populären C64. Optisch erinnerte er an den großen Bruder, war aber nicht zu diesem kompatibel und hatte nur 16 KByte Arbeitsspeicher (C64: 64 KByte). (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Auch Grafik- und Soundleistung waren deutlich schwächer als beim C64, wenngleich der C16 bis zu 121 Farben darstellen konnte (C64: 16 Farben). (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der TED-Chip des C16, der für Grafik, Sound und Speichermanagement zuständig war, beherrschte keine Hardware-Sprites. Stattdessen führte Commodore die deutlich langsameren Shapes ein. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der C16 gehörte wie C116 und Plus/4 (Bild) zur Commodore-264-Serie, die ursprünglich als Nachfolger für den C64 geplant war. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Während der Plus/4 64 KByte Arbeitsspeicher und ein integriertes Softwarepaket spendiert bekam, war der C116 technisch identisch zum C16. Einzige Unterschiede: das kleinere Gehäuse und die Gummitastatur. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Es gab zwar auch recht teure Floppylaufwerke für die 264-Reihe, das gängigste Speichermedium waren aber Kassetten, die auf der Commodore-1531-Datasette abgespielt wurden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Aldi bot den C16 Mitte der 80er im Komplettpaket mit Datasette und Basic-Lernkurs für 149-D-Mark an und verhalf dem Gerät in Deutschland kurzfristig zu ein wenig Ruhm. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Unvergessen: Das Abenteuerspiel Ghost Town war der erste C16-Titel, mit dem unser Autor in Berührung kam. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Famose C16-Interpretation des C64-Hits Winter Games: Winter Olympiade vom deutschen Entwickler Udo Gertz (im englischsprachigen Raum als Winter Events veröffentlicht) (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Shoot'em-up Galaxy orientierte sich spielerisch am Automatenklassiker Galaga. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Rennspiel Speed King stammte vom Publisher Mastertronic; neben Kingsoft einer der wenigen zuverlässigen C16-Spielelieferanten. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • C16-Fußballmanager aus der Spielefrühzeit: das textlastige Soccer Boss (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Titelheld Tom hüpfte und rätselte sich im Action-Adventure Tom Thumb durch die Pyramide des Pharao Manilo. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Für den Plus/4 gibt es moderne Homebrew-Titel, die die Hardware des Geräts auf beeindruckende Weise ausnutzen. Im Bild: das 2018 veröffentlichte Jump-and-Run Pets Rescue. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Aldi bot den C16 Mitte der 80er im Komplettpaket mit Datasette und Basic-Lernkurs für 149-D-Mark an und verhalf dem Gerät in Deutschland kurzfristig zu ein wenig Ruhm. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Zu meinem Glück waren sie treue "Spiegel"-Leser. Das Nachrichtenmagazin hatte den Heimcomputern schon 1984 eine Ausgabe nebst Titelbild gewidmet und im Heft den Siegeszug der Computer an Schulen skizziert. Daran erinnerten sie sich offenbar, als ich ihnen den Vorschlag machte, mir den C16 zu finanzieren und sie mir schließlich zustimmten. "Den kaufen wir dir als Lerncomputer!" konstatierte meine Mutter hoffnungsvoll, während ich mir meinen Teil dachte.

Der große Tag kam: Ich fuhr mit meinem Vater zu Ernst, drückte ihm einen 50-Mark-Schein in die Hand - und war stolzer Besitzer eines C16, den ich am kleinen Röhrenfarbfernseher im Gästezimmer anschließen durfte. Außer Ghost Town und Winter Olympiade waren im Ernst-Paket noch das Rennspiel Speed King, das Shoot'em-Up Galaxy sowie das Schachspiel Grand Master enthalten.

Die kommenden Monate waren von glückseligen Spielsessions mit meinen Freunden geprägt. Wir spielten vor allem Winter Olympiade rauf und runter, das mit seinem Mehrspielermodus - jeder Teilnehmer kam der Reihe nach dran - jede Menge Spaß lieferte. Dem Geheimnis von Ghost Town kam ich ebenso auf die Spur; ich spielte das Abenteuerspiel gleich mehrfach durch. Galaxy und Speed King sind mir vor allem als prima Titel für zwischendurch in Erinnerung geblieben. Das Schachspiel habe ich leider nie ausprobiert, da ich die Regeln des Brettspiels erst ein paar Jahre später lernen sollte.

Ich fing sogar an, mit der in den 1970er bis 1990er Jahren beliebten Programmiersprache Basic (kurz für Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code) herumzuexperimentieren.

 Commodore 16: Meine erste ComputerliebeExperimente mit Basic 
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TED_Friend 15. Mai 2019

Vor zwei Jahren ist ja vom Commodore 16 ein früher Prototyp aufgetaucht. an dem konnte...

dreamtide11 10. Mai 2019

Sehe ich mir definitiv heute Abend an! Danke für den Tip :)

derdiedas 07. Mai 2019

https://www.youtube.com/user/adric22 Bei mir steht noch Retrobright für meinen vollkommen...

cpt.dirk 06. Mai 2019

Ja, in dem Alter war das ALLES riesig spannend, sogar ein C16 mit einer Handvoll Games...

heikom36 05. Mai 2019

Meine Mom hatte das alles entsorgt als ich mal ein paar Jahre außer Haus war ^^ Bin...


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