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Command & Conquer Remastered im Test: Willkommen im Jahr 2020, Commander

"Verstärkungen sind eingetroffen!": C&C Remastered schaut auf Warcraft 3: Reforged und zeigt, wie es geht. So muss eine Neuauflage aussehen.
/ Oliver Nickel
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Die Optik des Originals wird beibehalten. (Bild: Petroglyph/Montage: Golem.de)
Die Optik des Originals wird beibehalten. Bild: Petroglyph/Montage: Golem.de

Wie haben wir es vermisst: "Wird gebaut, Einheit bereit, unzureichende Finanzmittel." Nach 25 Jahren bringen EA und das von ehemaligen Westwood-Mitarbeitern gegründete Studio Petroglyph Games den Echtzeitstrategieklassiker Command & Conquer und dessen Ableger Command & Conquer: Alarmstufe Rot wieder zurück. In der Remastered Edition wird das doch schon recht angestaubte Spiel optisch generalüberholt. Nicht nur bekommen wir es zum ersten Mal in 16:9-Fomat-Auflösungen zu sehen, auch wurden die niedrigauflösenden Zwischensequenzen mit echten Menschen digital aufgehübscht.

Petroglyph schafft das, was Blizzard mit Warcraft 3 Reforged komplett in den Graben gefahren hat und bringt ein wirklich gut spielbares Remake, das weder abstürzt noch den Charme des Originals verfälscht – eine echte Überraschung für Fans der Serie Command & Conquer.

Alteingesessene Serienfans werden das Szenario bereits kennen: In C&C kämpfen die Truppen der Globalen-Defensiv-Initiative gegen die Schergen der Bruderschaft von Nod, angeführt vom charismatischen Glatzkopf Kane. Mit Hilfe von Tiberium bauen wir unsere Armeen aus Fahrzeugen, Flugzeugen und Cyborgs auf und stampfen grinsend durch die gegnerische Basis. Alarmstufe Rot ist nahezu identisch, ersetzt die Parteien durch realitätsnähere Alliierte und Sowjets des Kalten Krieges und lässt beide Allianzen gegeneinander antreten. Statt Tiberium gibt es das spieltechnisch identische Erz und die Einheitenvielfalt ist etwas größer.

Die beiden Ur-Vorbilder weisen allerdings aus heutiger Sicht einige Schwächen auf: Wer kommandiert seine Truppen noch mit Linksklicks durch das Terrain? Wer verzichtet freiwillig auf Ausbildungsschlangen und klickt auf jede Einheit einzeln? Hier setzt die Remastered Edition an und bietet ein alternatives Steuerungsschema, das passenderweise als moderner Stil bezeichnet wird. Nicht nur können wir unsere Einheiten mit Rechtsklicks befehligen, wir können auch ihre Lebensbalken permanent anzeigen.

Was Spielprofis oder solche, die es werden wollen, freuen dürfte: Aktionen lassen sich auf beliebige Schnelltasten legen. So können wir Gebäude, Einheiten und Fahrzeuge wesentlich schneller erstellen. Wer E-Sport-Klassiker wie Starcraft 2 mag, den dürften auch diverse Kamera-Hotkeys freuen, mit denen wir ohne viele Mausbewegungen von einer Seite des Schlachtfeldes auf eine andere Seite wechseln können.

Komm Blechbubi, tanz mal!

Für die Remastered-Edition hat sich das Entwicklerteam hingesetzt und bekannte Musikstücke und Sounds der beiden C&C-Teile in besserer Audioqualität neu abgemischt. Raketenwerfer klingen satter, Jagdflugzeuge dröhnen knalliger und Panzerkanonen scheppern mit sattem Bass. Die Stimmen der Einheiten wurden hingegen beibehalten, was uns direkt in die Vergangenheit versetzt, als wir Tanjas Spruch "Komm Blechbubi, tanz mal!" immer und immer wieder gehört haben.

Es erzeugt aber an anderen Stellen lustige Momente – denn in der deutschen, herrlich trashigen Sprachausgabe werden durch die damals wie heute skurrile Zensur noch immer Menschen durch Cyborgs und Androiden ersetzt, Blut wird in Öl verwandelt. Im eigentlichen Spiel wird allerdings die unzensierte Version gezeigt, in der Einheiten blutend zu Boden fallen und deren Menüsymbole nicht durch Roboterversionen ausgetauscht wurden. Das finden wir nicht schlimm, vor allem wenn wir zum exzellenten Soundtrack den Kopf vor unseren Bildschirmen im Takt wippen.

Noch nie klangen die von Frank Klepacki und seiner Band Tiberian Sons komponierten ikonischen Songs Industrial One oder der gänsehauterzeugende Hell March so gut. Dazu wurden weitere komplett neue Lieder erstellt, die zum Thema passen und nicht fehl am Platz wirken. Wem das nicht gefällt, der kann all das auch abschalten und stattdessen die Originallieder aus den 90er Jahren hören.

Was uns am meisten beeindruckt: Die grafische Überarbeitung, die auf Tastendruck und in Echtzeit umschaltbar ist.

Neue Optik, alter Charme

Pixel, die gegen Pixel mit Pixeln kämpfen und Panzergeschütztürme, die durch eine pixelbreite schwarze Linie angedeutet werden, mögen 1995 noch gut ausgesehen haben. Heutzutage ist der Look selbst durch die Nostalgiebrille gesehen nicht mehr so ganz zeitgemäß. Deshalb ersetzt C&C Remastered die niedrigauflösenden Sprites von Figuren und Gebäuden durch wesentlich detailliertere 2D-Modelle.

Diese skalieren mit einer Auflösung von im Jahr 1995 verbreiteten 640 x 480 Pixeln im 4:3-Format bis hin zu 4K in 16:9. Dabei gelingt es dem Entwicklerteam, den Stil der Ur-Versionen beizubehalten. So sind Gebäude wie der Bauhof, die Erzraffinerie und das Kraftwerk noch immer klar als diese zu erkennen – nur eben in wesentlich höherer Auflösung. Das hat auch spielerische Vorteile, denn wir können einen wesentlich größeren Spielbereich einsehen und mehr von unserer Basis und Armee auf einen Schlag kontrollieren.

Die Detailverliebtheit geht sogar so weit, dass einzelne Animationsschritte eins zu eins kopiert und für hochauflösende Modelle umgesetzt wurden. Das können wir auch direkt nachverfolgen, indem wir in Echtzeit mit Druck auf die Leertaste einfach zwischen dem Original-Look und der aktualisierten Grafik umschalten. Hier könnten sich andere künftige Remakes inspirieren lassen. Wir schauen auf dich, eventuell neu aufgelegtes Diablo 2!

Zu wenigen Zeitpunkten haben wir ein paar Frameeinbrüche beobachtet. Das macht sich durch Verlangsamung des gesamten Spiels bemerkbar, kommt allerdings selten vor. Auch hatten wir selbst auf einem System mit drei angeschlossenen Bildschirmen und vielen anderen parallel laufenden Programmen keine Abstürze oder andere Bugs zu beklagen.

Petroglyph hat sich dazu entschieden, die Originalzwischensequenzen beizubehalten und diese für neue Auflösungen nur digital zu überarbeiten. Dadurch sehen Charaktere wie Kane und auch animierte Zwischensequenzen schärfer aus als zuvor. Trotzdem: An einigen Stellen, vor allem an Objektkanten, sind Schlieren und Artefakte durch eben diese Skalierung erkennbar.

Sammler blockiert Armee

Computergesteuerte Gegner sind hingegen noch immer eine Schwäche von Command & Conquer. Dabei ist die generelle Strategie der KI nicht unbedingt schlecht: Bauen wir nur schwere Panzer, kontern Computer mit Lufteinheiten oder Raketeninfanterie. Sind wir in der Luft unterwegs, bauen die Gegner Abwehrstellungen in ihre Basis. Neu ist auch, dass uns Gegner wie in Age of Empires mit absichtlich schlechten Sprüchen wie "Meine KI ist besser als deine" beleidigen.

Es passiert aber des Öfteren, dass gegnerische Einheiten durch unsere Armee durchlaufen, während sie einen einzelnen rauchenden Buggy verfolgen. Derweil rösten unsere Flammen der Läuterung die gegnerischen Grenadiere ohne Widerstand. Es ist uns auch passiert, dass Tiberiumsammler in Reihe in unsere Obelisken des Lichts fahren, nur um ein paar Kristalle einzusammeln. Das Ergebnis: geschmolzener Sammler, kein Geld. Auch dass sich Einheiten an engen Punkten so blockieren, dass sie sich nicht mehr bewegen können, ist uns mehrfach aufgefallen.

Mehrspielermodus und Karten-Editor

Gut also, dass Petroglyph wieder Mehrspielermodi gegen echte Menschen eingeführt hat. In Command & Conquer sind Matches mit bis zu vier Kontrahenten möglich, in Alarmstufe Red kämpfen maximal acht Parteien gegeneinander. Petroglyph fügt zudem ein schnelles Matchmaking ein, mit dem wir rasch Gegner finden können.

Das generell recht einfache Prinzip, die übersichtliche Einheitenwahl und die neue, wesentlich bessere Steuerung machen Command & Conquer zu einem Strategiespiel, das auch im Jahr 2020 noch als schnelles, actiongeladenes und kompetitives Erlebnis funktioniert. Wir könnten uns sogar vorstellen, dass sich um das Spiel eine passionierte Community bildet, die als Gdi, Nod, Alliierte oder Sowjets in die virtuelle Schlacht zieht.

Zur Langlebigkeit des Spiels trägt zudem bei, dass Petroglyph einen Szenario-Editor beigefügt hat, mit dem wir unsere eigenen Spielkarten erstellen können – inklusive Terrain, Einheiten, Ressourcen und Triggern.

Dass wir im Laufe des Spiels diverse bisher nicht gezeigte Making-of-Videos und Hintergrundmaterial des Originals freischalten, ist Fanservice pur und lässt das Nostalgikerherz höher schlagen.

Command & Conquer Remastered: Verfügbarkeit und Fazit

Command & Conquer wird von Electronic Arts vertrieben. Das Spiel enthält Command & Conquer: Alarmstufe Rot und die jeweiligen Addons Geheimoperationen und Gegenschlag sowie die komplette deutsche Sprachausgabe des Originals. Die ursprüngliche Zensur wurde gestrichen, statt Androiden und Cyborgs gibt es Soldaten. Trotzdem ist das Spiel ab 16 Jahren freigegeben. EA verkauft die Kollektion für 20 Euro auf Origin und Steam. Der Download ist etwa 25 GByte groß, ein merklicher Unterschied zur Ur-Version.

Minimale Systemanforderungen
• Betriebssystem: Windows 8.1/10 (64-bit Version)
• Prozessor: Intel Core 2 Duo E4600 @ 2.4 GHz oder AMD Athlon 64 X2 6400 @ 2.4 GHz
• Arbeitsspeicher: 4 GByte RAM
• Grafik: NVIDIA GeForce GT 420 oder ATI Radeon HD 5570
• Speicherplatz: 32 GByte verfügbarer Speicherplatz

Empfohlene Systemanforderungen
• Betriebssystem: Windows 8.1/10 (64-bit Version)
• Prozessor: Intel Core i5 4690K oder AMD Ryzen 7 1700
• Arbeitsspeicher: 4 GByte RAM
• Grafik: NVIDIA GeForce GTX 660 oder ATI Radeon HD 7850
• Speicherplatz: 32 GByte verfügbarer Speicherplatz

Fazit

Petroglyph hat es geschafft, Command & Conquer auch im Jahr 2020 wieder spielbar zu machen. Die Remastered Edition für das Original von 1995 und dessen Ableger Alarmstufe Rot verbessert Grafik, Sound und Zwischensequenzen.

Der neue Grafikstil ist wesentlich detaillierter als zuvor und wurde auch für aktuelle 16:9-Auflösungen wie 1080p und 4K angepasst. Dabei behält das Spiel die Optik des Originals bei. Kraftwerke, Infanteriegewusel und Erzsammler sehen noch immer wie damals aus. Zudem lässt sich der Grafikstil im Spiel auf Knopfdruck auf den Retro-Look des Originals umschalten.

Das Entwicklerteam hat diverse ikonische Lieder wie Frank Klepackis Hell March überarbeitet und neue passende Stücke hinzugefügt. Zudem wurden Spielgeräusche neu abgemischt, während die Synchronsprecher beibehalten wurden.

Das gilt auch für die herrlich trashigen Zwischensequenzen mit echten Menschen vor Greenscreens. Diese Szenen hat Petroglyph für das Remaster allerdings digital überarbeitet, so dass sie für hohe Auflösungen schärfer wirken. Einige Artefakte ließen sich dadurch aber nicht vermeiden.

Command and Conquer Remaster – Test
Command and Conquer Remaster – Test (03:11)

Zum ersten Mal seit Jahren erhält C&C wieder einen Mehrspielermodus, in dem wir gegen KI-Gegner oder echte Spieler antreten können – inklusive Ranglistensystem und Quick-Play-Funktion. Im Spiel lassen sich auch diverse Tastenkürzel für Einheitenbefehle und das Baumenü konfigurieren. Außerdem gibt es einen Karteneditor, mit dem neue Spielwelten von der Community erstellt werden können.

Das simple und rasante Schere-Stein-Papier-Gameplay könnte C&C Remastered erneut zu einem tollen kompetitiven Echtzeitstrategie werden lassen. Und wer weiß, vielleicht wird es neben Starcraft 2 als Geheimtipp für E-Sport-Turniere etabliert. Das Zeug dazu hat das gelungene Remake allemal.


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