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Comet Lake S: Wenn aus einer 65- eine 224-Watt-CPU wird

Intels aktuelle Desktop- Prozessoren dürfen sehr viel mehr Leistung aufnehmen, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.
/ Marc Sauter
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Boxed-Packungen von Intels 10th Gen (Bild: Intel)
Boxed-Packungen von Intels 10th Gen Bild: Intel

Einige Wochen nach der Veröffentlichung der Comet Lake S wie dem Core i9-10900K/i5-10600K (Test) hat Intel die technischen Dokumente der CPUs veröffentlicht. Diese zeigen, dass die Prozessoren kurzfristig sehr viel mehr Energie nutzen können als die TDP von 125 Watt, 65 Watt und 35 Watt vermuten lässt. Selbst bei günstigeren Platinen mit B460- oder H470-Chip verhält sich eine CPU daher je nach Platine völlig anders, als es den Spezifikationen ( PDF #1(öffnet im neuen Fenster) , PDF #2(öffnet im neuen Fenster) ) nach zu erwarten wäre.

Hintergrund ist, dass die TDP (Thermal Design Power) - also die thermische Verlustleistung - bei Intel nur einen von vielen Werten darstellt. Konkret entspricht die TDP der dauerhaften Leistungsaufnahme (PL1), aufgrund der thermischen Trägheit von CPU und Kühler erlaubt Intel aber auch kurzfristig deutlich mehr Energie zuzuführen (PL2). Die Dauer dieses Boosts wird durch den Turbo Time Parameter (TAU) festgelegt, in welchen überdies noch Faktoren wie ein exponentiell gewichteter gleitender Mittelwert (EWMA) einfließen, der den TAU reduzieren kann.

Ein Core i9-10900K etwa läuft dauerhaft mit 125 Watt, darf aber für bis zu 56 Sekunden auch 250 Watt aufnehmen. Ein Core i5-10400 hingegen ist beispielsweise für 65 Watt ausgelegt, Intel gestattet aber 134 Watt für bis zu 28 Sekunden. Bei den T-Modellen mit 35 Watt sieht der Hersteller allerdings Spitzen von teils 92 Watt bis zu 123 Watt vor, was bei kleineren CPU-Kühlern dazu führen kann, dass deren Lüfter ungewollt hochdrehen und laut(er) werden. Im schlimmsten Fall reicht die Leistung des Netzteils für die Lastspitzen nicht aus.

Comet Lake S - PL1, PL2, TAU laut Intel
Kerne /Threads Takt PL1 PL2 TAU
Core i9-10900K(F) 10C/20T 3,7 bis 5,3 GHz 125 Watt 250 Watt 56 sec
Core i9-10900(F) 10C/20T 2,8 bis 5,2 GHz 65 Watt 224 Watt 28 sec
Core i9-10900T 10C/20T 1,9 bis 4,6 GHz 35 Watt 123 Watt 28 sec
Core i7-10700K(F) 8C/16T 3,8 bis 5,1 GHz 125 Watt 229 Watt 56 sec
Core i7-10700(F) 8C/16T 2,9 bis 4,8 GHz 65 Watt 224 Watt 28 sec
Core i7-10700T 8C/16T 2,0 bis 4,5 GHz 35 Watt 123 Watt 28 sec
Core i5-10600K(F) 6C/12T 4,1 bis 4,8 GHz 125 Watt 182 Watt 56 sec
Core i5-10600 6C/12T 3,3 bis 4,8 GHz 65 Watt 134 Watt 28 sec
Core i5-10600T 6C/12T 2,4 bis 4,0 GHz 35 Watt 92 Watt 28 sec
Core i5-10500 6C/12T 3,1 bis 4,5 GHz 65 Watt 134 Watt 28 sec
Core i5-10500T 6C/12T 2,3 bis 3,8 GHz 35 Watt 92 Watt 28 sec
Core i5-10400(F) 6C/12T 2,9 bis 4,3 GHz 65 Watt 134 Watt 28 sec
Core i5-10400T 6C/12T 2,0 bis 3,6 GHz 35 Watt 92 Watt 28 sec
Core i3-10320 4C/8T 3,8 bis 4,6 GHz 65 Watt 90 Watt 28 sec
Core i3-10300 4C/8T 3,7 bis 4,4 GHz 65 Watt 90 Watt 28 sec
Core i3-10300T 4C/8T 3,0 bis 3,9 GHz 35 Watt 55 Watt 28 sec
Core i3-10100 4C/8T 3,6 bis 4,3 GHz 65 Watt 90 Watt 28 sec
Core i3-10100T 4C/8T 3,0 bis 3,8 GHz 35 Watt 55 Watt 28 sec

Die Werte für PL1, PL2 und TAU sind laut Intel nur Empfehlungen. Den Mainboard-Partnern steht es frei, ihre Platinen anders einzustellen und etwa das PL1 nach oben hin zu öffnen. So wird aus einem 65-Watt-Chip ein Modell mit 125 Watt oder gar mit 255 Watt, was beim Core i7-10700 ohne K die Taktraten des Prozessors nahe an die eines Core i7-10700K heranführt. Auch bei Modellen wie dem Core i5-10400F fällt die Leistungsaufnahme ohne entsprechend gesetztes PL1 deutlich höher aus als 65 Watt, denn sie steigt unter Render-Last auf weit über 100 Watt(öffnet im neuen Fenster) . Bei den T-Modellen scheinen sich Hersteller zwar an die Vorschläge von Intel zu halten, prüfen konnten wir das bisher aber nicht.

Einige Platinen erklären bei automatischen Settings nicht, was sich dahinter verbirgt - andere schon. Mit Tools wie Aida64(öffnet im neuen Fenster) oder HW-Info(öffnet im neuen Fenster) lässt sich jedoch aufzeigen, welche Werte für PL1, PL2 und TAU das jeweilige Mainboard voreingestellt hat.


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