Codex Mortis: Komplett mit KI produziertes Steam-Spiel entfacht Kritik

Mit Codex Mortis ist auf Steam ein Spiel erschienen, das weniger durch sein Gameplay als durch seine Entstehungsgeschichte Aufmerksamkeit erregt. Der Titel orientiert sich am Erfolgsprinzip von Vampire Survivors, wird vom Entwickler aber als etwas grundsätzlich Neues positioniert.
Seinen Angaben zufolge ist Codex Mortis(öffnet im neuen Fenster) ( spielbare Demo auf Steam(öffnet im neuen Fenster) ) vollständig mit generativer KI entstanden – ohne klassische Entwicklungsarbeit durch Menschen an Code, Grafiken, Animationen oder Musik.
Verantwortlich ist ein Einzelentwickler, der unter dem Pseudonym Grolaf auftritt. In einem Beitrag auf Reddit(öffnet im neuen Fenster) berichtet er, dass das Projekt in seiner Freizeit innerhalb weniger Monate entstanden sei.
Ziel sei es gewesen, auszuloten, wie weit man mit sogenanntem Vibe-Coding komme. Dabei werden Funktionen und Änderungen nicht in klassischem Programmierstil geschrieben, sondern in natürlicher Sprache beschrieben, die ein KI-Modell anschließend in lauffähigen Code übersetzt.
Für Codex Mortis kam laut dem Entwickler Claude Code zum Einsatz, ergänzt durch weitere KI-Werkzeuge für Grafiken, Effekte, Musik und Sounddesign.
Statt einer etablierten Engine nutzt Codex Mortis einen Web-Technologie-Stack aus Typescript, Pixi.js und einem Entity-Component-System, verpackt als Desktop-Anwendung über Electron.
Automatisch generierte Shader
Animationen wurden nicht klassisch erstellt, sondern über automatisch generierte Shader-Effekte realisiert. Der Entwickler betont, dass kein Asset manuell nachbearbeitet worden sei. Auch Debugging und Balancing seien größtenteils über KI-Prompts erfolgt.
Bei vielen Spielern stößt Codex Mortis auf Ablehnung. In den Steam-Diskussionen überwiegt scharfe Kritik, die sich sowohl gegen die Qualität des Spiels als auch gegen das dahinterstehende Konzept richtet.
Häufig ist von austauschbaren Grafiken, wenig präzisem Spielgefühl und fehlender gestalterischer Handschrift die Rede.
Hinzu kommt der Vorwurf, Codex Mortis sei weniger kreatives Experiment als vielmehr eine provokante Demonstration, die gezielt auf Aufmerksamkeit und Polarisierung setze. Ein Trailer, der Kritiker von KI-Inhalten karikierend darstellt, verstärkt diesen Eindruck.
Parallel entfacht der Titel eine grundsätzliche Debatte über Urheberrecht und Plattformverantwortung. In den Community-Foren wird diskutiert, ob ein vollständig KI-generiertes Spiel überhaupt urheberrechtlich schützbar ist und welche Rolle Plattformen wie Steam künftig bei der Kennzeichnung oder Kuratierung solcher Inhalte einnehmen sollten.
Valve erlaubt KI-generierte Inhalte, verlangt aber Transparenz darüber, wie sie entstanden sind – eine Vorgabe, der Codex Mortis formal entspricht.