Code-Hoster: Gitlab will nicht über Politik und Moral diskutieren

Die Diskussion um Geschäfte mit moralisch fragwürdigen Kunden will Code-Hoster Gitlab nicht führen und einfach alle Kunden akzeptieren. Den Angestellten werden zudem politische Diskussionen verboten.

Artikel veröffentlicht am ,
Gitlab nutzt eine sehr abstrakte Darstellung eines Marderhundes als Logo.
Gitlab nutzt eine sehr abstrakte Darstellung eines Marderhundes als Logo. (Bild: rumpleteaser/CC-BY 2.0)

Die Betreiber der Code-Hosting- und Entwicklungsplattform Gitlab wollen künftig explizit keine ihrer Kunden aus "moralischen Gründen" ausschließen. Das hat der Mitbegründer und aktuelle CEO Sid Sijbrandij im Unternehmensleitfaden verbindlich festgelegt. Zuerst berichtete das britische Magazin The Register darüber. Dort wird die Richtlinie in gewohnt überspitzter Art so zusammengefasst: "Blutgeld ist für uns in Ordnung."

Stellenmarkt
  1. Wissenschaftlicher Mitarbeiter / Wissenschaftliche Mitarbeiterin (d/m/w) am European Campus
    THD - Technische Hochschule Deggendorf, Pfarrkirchen
  2. Experte / Inhouse Consultant Cyber Security Product Governance (m/w/d)
    DRÄXLMAIER Group, Vilsbiburg bei Landshut
Detailsuche

Völlig abwegig ist die Bewertung des Magazins nicht. So sollen von der Richtlinie explizit nur jene Kunden ausgenommen werden, die von Import- und Exportsanktionen der US-Regierung betroffen sind. Darüber hinaus legen die von dem Gitlab-Chef getätigten Änderungen explizit fest, dass das Unternehmen auch Geschäfte mit Kunden abschließen werde, deren Werte "unvereinbar mit den eigenen Unternehmenswerten" seien.

In der Diskussion zu der Änderung stellte der Gitlab-Angestellte Drew Blessing die Frage: "Gibt es kein Szenario, in dem wir uns vorstellen können, keine Geschäfte zu tätigen?". Nachdem Sijbrandij der Frage zunächst auswich, gab er letztlich die Antwort: "[Diese Änderung] bedeutet, dass wir mit jedem Unternehmen Geschäfte machen würden, mit dem wir Geschäfte machen dürfen."

Diskussion über Arbeit für US-Behörden

Wie der Gitlab-CEO darüber hinaus ausführte, sei die Änderung des Leitfadens zwar keine Reaktion auf das, was bei dem Devops-Spezialisten Chef geschehen sei, diese Situation habe Sijbrandij aber dazu angeregt, über die eigenen Geschäfte nachzudenken und die Gründe für die eigene Geschäftstätigkeit besser zu erklären.

Golem Akademie
  1. Apache Kafka Grundlagen: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    21.–22. März 2022, Virtuell
  2. Unity Basiswissen: virtueller Drei-Tage-Workshop
    7.–9. Februar 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Nach teils turbulenten Diskussionen um die Zusammenarbeit mit dem US-Grenzschutz CBP und der Einwanderungspolizei ICE hatte das Unternehmen Chef angekündigt, seine laufenden Verträge mit den beiden Behörden nicht zu verlängern. Diesen werden massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Auch der Gitlab-Konkurrent Github reagierte auf die Debatte zu seinen Geschäftsbeziehungen mit den Behörden und will weiter mit diesen zusammenarbeiten. Die Stellungnahme von Gitlab schließt eine Zusammenarbeit mit diesen Behörden ebenfalls nicht aus.

Gitlab will keine politischen Diskussionen

Als Begründung für die Akzeptanz aller potenziellen Kunden führte der Gitlab-CEO aus, dass jeder zu der Software beitragen können solle. Laut dem Unternehmensleitfaden sind die Gitlab-Angestellten darüber hinaus dazu angehalten, nicht öffentlich über Politik zu diskutieren. Und "Entscheidungen darüber, welcher Kunde betreut werden soll, könnten politisch werden", erklärte Sijbrandij.

Derartige politische Diskussionen will er offensichtlich vermeiden. Darüber hinaus sei "das Überprüfen von Kunden zeitaufwendig und lenkt möglicherweise ab". Das wiederum schade der Effizienz des Unternehmens. Letztlich bilde dieses Verhalten auch die gewählte Open-Source-Lizenz des Unternehmens ab, die die Verwendung für bestimmte Zwecke nicht verbiete.

In den USA fordern Aktivisten und IT-Angestellte schon länger Technikkonzerne wie Microsoft, Amazon oder auch das besonders kritisierte Palantir dazu auf, ihre Zusammenarbeit mit der ICE und anderen Behörden zu beenden. Die aktuelle Zusammenarbeit wird dabei oft mit der Kooperation von IBM mit dem Nazi-Regime verglichen.

Im vergangenen Jahr hatten zudem Aktionäre und Angestellte von Amazon das Unternehmen dazu aufgefordert, seine Gesichtserkennung nicht mehr an Polizeibehörden zu verkaufen. Die Unternehmensführung von Amazon ignorierte dies aber.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


motzerator 18. Okt 2019

Nun ja, wenn man ein Service zum Abspeichern von Programmcodes betreibt und in irgend...

frnz 18. Okt 2019

nanana, nicht aufregen. Ersteres: Gesetze sind ja doch mitunter künstlich komplexe, wenn...

twil 17. Okt 2019

Auf dem Meer der Selbstgerechtigkeit

HeroFeat 17. Okt 2019

Also mann kann da schon abgrenzen. Liefern Pharmaunternehmen die "Medikamente" für...

frnz 17. Okt 2019

Moral interessiert mich nicht, nur Ethik. Mache ich nicht, sei unbesorgt. Nur in...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Sam Zeloof
Student baut Chip mit 1.200 Transistoren

In seiner Garage hat Sam Zeloof den Z2 fertiggestellt und merkt scherzhaft an, Moore's Law schneller umgesetzt zu haben als Intel selbst.

Sam Zeloof: Student baut Chip mit 1.200 Transistoren
Artikel
  1. Xbox Cloud Gaming: Wenn ich groß bin, möchte ich gerne Netflix werden
    Xbox Cloud Gaming
    Wenn ich groß bin, möchte ich gerne Netflix werden

    Call of Duty, Fallout oder Halo: Neue Spiele bequem am Business-Laptop via Stream zocken, klingt zu gut, um wahr zu sein. Ist auch nicht wahr.
    Ein Erfahrungsbericht von Benjamin Sterbenz

  2. IBM: Watson Health anteilig für 1 Mrd. US-Dollar verkauft
    IBM
    Watson Health anteilig für 1 Mrd. US-Dollar verkauft

    Mit Francisco Partners greift eine große Investmentgruppe zu, das Geschäft mit Watson Health soll laut IBM darunter aber nicht leiden.

  3. Lego Star Wars UCS AT-AT aufgebaut: Das ist kein Mond, das ist ein Lego-Modell
    Lego Star Wars UCS AT-AT aufgebaut
    "Das ist kein Mond, das ist ein Lego-Modell"

    Ganz wie der Imperator es wünscht: Der Lego UCS AT-AT ist riesig und imposant - und eines der besten Star-Wars-Modelle aus Klemmbausteinen.
    Ein Praxistest von Oliver Nickel

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MediaMarkt & Saturn: Heute alle Produkte versandkostenfrei • Corsair Vengeance RGB RT 16-GB-Kit DDR4-4000 114,90€ • Alternate (u.a. DeepCool AS500 Plus 61,89€) • Acer XV282K UHD/144 Hz 724,61€ • MindStar (u.a. be quiet! Pure Power 11 CM 600W 59€) • Sony-TVs heute im Angebot [Werbung]
    •  /