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Coachingbuch: Metapher mit Mängeln

Der Persönlichkeitscoach Thomas Hohensee plädiert in seinem neuen Buch dafür, problematische Kindheitsmuster zu behandeln wie schadhafte Programme auf einem Rechner: mit Reset, Updates und Neustart. Ein origineller Ansatz - aber hält er dem Thema stand?

Artikel von Cornelia Birr veröffentlicht am
Stellenweise erinnert der Text an Erklärbücher für Kinder.
Stellenweise erinnert der Text an Erklärbücher für Kinder. (Bild: Public Domain/Montage: Golem.de)

Mit Selbsthilfebüchern ist das so eine Sache. So unterschiedlich wie die Menschen, die Rat suchen, so divers sind auch die Herangehensweisen der Verfasser. Thomas Hohensee, Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Autor zahlreicher Lebenshilfebücher mit sympathischen Titeln wie "Lob der Faulheit" oder "Erleuchtung in sieben Tagen", legt mit "Reset: Bei dir ist nichts kaputt, du bist nur scheiße programmiert" nun ein Buch vor, das sich dem menschlichen Seelenleben nähert wie einem Computer.

Inhalt:
  1. Coachingbuch: Metapher mit Mängeln
  2. Reset, Update, Neustart

Schadhafte Software als Gleichnis für problematische Prägungen, Systemabsturz als Gleichnis für Depressionen, die Support-Hotline als eigene Intuition - die Abstraktion ist durchaus sinnvoll, wird doch die künstliche Intelligenz, ihrerseits eine Metapher, gewissermaßen zurückübersetzt auf ihren Ausgangspunkt, den Menschen.

"Übelste Scheißprogramme"

Rätsel gibt die Ansprechhaltung des Autors auf: Dass Coachingbücher den Leser in Anlehnung an englischsprachige Vorbilder fast durchgängig duzen, ist nichts Neues. Dass ein Verfasser sich aber spürbar mühselig einer vermeintlich leichtfüßigen Version von Jugendsprache bedient, ist, vorsichtig formuliert, gewöhnungsbedürftig. Da gibt es "übelste Scheißprogramme", das "Geilste am Erwachsensein" ist die Fähigkeit zum Selberdenken, wer eine bestimmte Musik hört, ist "hirnamputiert".

Für wen ist das Buch eigentlich gedacht?

Stellenweise erinnert der Text an Erklärbücher für Kinder: "Noch vor hundert Jahren bestimmten auch bei uns die Eltern oft die Ehepartner ihrer erwachsenen Kinder. Du kennst das vielleicht noch aus älteren Filmen und Büchern, wo der Bräutigam bei den Eltern seiner Geliebten um die Hand ihrer Tochter 'anhalten' (bitten) musste." Doch gerade, wenn man sich sicher wähnt, dass sich das Buch an Teenager richtet ("Wie ist das bei dir? Ist vielleicht dein Musikgeschmack ein völlig anderer als der deiner Eltern und Freunde?"), finden sich Ausführungen zum Umgang mit dem Chef oder zur Gleichberechtigung in der Ehe, die einen erwachsenen Leser implizieren.

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"Meine Zielgruppe ist der Mensch, mein Spezialgebiet das Leben", antwortet Hohensee auf Nachfrage eher unspezifisch. "Meine Bücher richten sich an alle, die ein glückliches, entspanntes und erfülltes Leben führen möchten." Besondere Computerkenntnisse benötige man auch nicht: "Update, Neustart oder Reset sind längst Alltagsbegriffe." Zumindest eins steht also fest: Ein Geek oder - in der Übersetzung des Autors - ein "leicht bescheuerter Computerfan" muss man nicht sein, um das Buch zu lesen.

"Pure Infantisierung, Kinderkram"

Aber wenden wir uns dem Inhalt zu. Zentrale Aussage: Deine Hardware ist intakt, einzig deine Software ist schadhaft. Oder ohne Metaphern: Was immer in deiner Vergangenheit passiert ist, im Kern bist du unbeschädigt und kannst immer noch glücklich werden. Gleich zu Anfang erfahren wir: Verursacher einer etwaigen Falschprogrammierung sind unsere Eltern und Lehrer. Die sind aber nur bedingt schuldfähig, wurden sie doch selbst falsch (Verzeihung: scheiße) programmiert. So weit, so gut.

Unter "Reklamation zwecklos" rät der Autor im Folgenden davon ab, sich mit diesen ursprünglichen Programmierern auseinanderzusetzen. Hier klingt bereits an, was sich im Laufe der Lektüre manifestiert: Im Unterschied zu vielen anderen Selbsthilfebüchern ist "Reset" offenkundig nicht als Ergänzung einer möglichen Psychotherapie zu verstehen, sondern vielmehr als handfestere Alternative. "Lass dir nicht von PsychologInnen erzählen, dass es wahnsinnig wichtig sei, zu jammern, zu klagen und zu weinen", schreibt Hohensee beispielsweise. "Ja, es ist wichtig, dass du deine Gefühle wahrnimmst und sie auch angemessen ausdrücken kannst. Aber alles andere ist pure Infantisierung. Kinderkram, auf Deutsch."

Reset, Update, Neustart 
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Bouncy 07. Nov 2018

Sehr intelligent, durchdacht und eloquent formuliert, du bist der Größte...

demon driver 06. Nov 2018

Wer Golem länger als zwei Tage liest, sollte eigentlich gemerkt haben, dass man sich...

KillerKowalski 06. Nov 2018

mit IT-Gimmick? Wie zumeist bei Selbsthilfebüchern, beschränkt die Selbsthilfe sich wohl...


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