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Reset, Update, Neustart

Zielführender ist laut Verfasser stattdessen eine konsequente Selbstprogrammierung in Form von Reset, Update und Neustart. Dabei steht "Reset" für eine Schulung der eigenen Achtsamkeit, ein generelles Umdenken vor dem Hintergrund der Erkenntnis: Alles, was dir dein Leben bislang schwer gemacht hat, sind nur deine Gedanken.

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Ein "Update" wiederum funktioniert laut Autor folgendermaßen: "Du überzeugst dich von der Richtigkeit und Nützlichkeit des neuen Programms, installierst es und richtest dich danach. Alles andere ignorierst du konsequent. Wenn du das strikt durchziehst, wirst du befriedigt feststellen, wie gut dein Leben mit deinem neuen System funktioniert. Wie im Computer, so im Leben."

Für einige ausgewählte "Scheißprogramme" werden die "empfohlenen Updates", die zur Überschreibung der alten Prägungen dienen sollen, gleich mitgeliefert - ein theoretisch sinnvoller Ansatz, der jedoch an der Umsetzung scheitert; teilweise lesen sich die Vorschläge wie die Auflösung eines Persönlichkeitstests in der Bravo: "Wenn du nur hinter Geld und Macht her bist, darfst du dich nicht wundern, wenn du am Ende mit leeren Händen dastehst. Spätestens auf deinem Totenbett wirst du bereuen, dass du so wenig Spaß im Leben gehabt hast." Für das Programm "Ich muss von allen geliebt werden" empfiehlt Hohensee folgende Überschreibung: "Es ist schön, beliebt zu sein und geliebt zu werden. Doch wenn du dafür dein selbstbestimmtes Leben an den Nagel hängen sollst, ist der Preis zu hoch", für "Alles hat so zu sein, wie ich es will" lautet das Update: "Falls du dringend etwas ändern willst, fang bei dir selbst an."

Neustart

Weiter zum "Neustart": "So wie es typische Scheißprobleme gibt, existieren auch einige klassische Programme, die sich bei Millionen Menschen bewährt haben", schreibt Hohensee, "ein paar davon möchte ich dir in den nächsten Kapiteln vorstellen." Jetzt könnte es interessant werden - wird es aber leider nicht. Hinter den "klassischen Programmen" verbergen sich weitere Binsen. Wir erfahren: Mehr Dinge sollen wir tun, die wir lieben, und weniger von denen, die uns anöden. Tolerant, neugierig und wohlwollend sollen wir sein - und genügend Pausen machen. Die Chance, ein wenig konkreter zu werden, vergibt der Autor leider.

Gut gemeint, zu kurz gedacht

In der Reduzierung komplexer emotionaler Sachverhalte auf ein banales if x, then y, liegt die Schwäche des Buches, lässt sie doch die Spezifik des menschlichen Seelenlebens außer Acht - und damit das, was uns (noch) vom Rechner unterscheidet. Es mag Menschen geben, die auf diese Art Pragmatik ansprechen. Wem es jedoch aus dem einen oder anderen Grund nicht gelingt, seine eigene Problematik weitestgehend unsentimental zu betrachten, der wird aus Hohensees Herangehensweise keinen Nutzen ziehen: Gerade bei schmerzhaften Kindheitsmustern reicht das bloße Ersetzen neuralgischer Sätze durch andere, neue bei weitem nicht aus. Es ist schwer vorstellbar, dass die Argumentation, mit der der Autor sich beispielsweise dem klassischen Thema "Niemand mag mich" nähert, ausreicht, um jahrelange Komplexe zu überwinden. "Stimmt das? Kannst du absolut sicher sein, dass das stimmt? Wo ist der Beweis? Bevor du nicht zu jedem einzelnen der über sieben Milliarden Menschen auf der Welt Kontakt aufgenommen hast, gibt es keinen Beweis dafür, dass alle dich ablehnen."

Wir fassen zusammen: "Reset" ist ein gut gemeintes Lebenshilfebuch mit einem originellen Ansatz, aber mangelndem Tiefgang. Am Ende bleibt eine gelungene Metapher, die der Verfasser nicht hinreichend mit Leben oder besser: mit Substanz zu füllen vermochte. Das macht den Titel gewissermaßen symptomatisch für eine neue Generation von Ratgeberliteratur, die schnelle, einfache Lösungen verspricht, dabei jedoch nur bedingt Inhalte liefert. Vielleicht trifft aber gerade das den Nerv einer potenziellen jungen Leserschaft, der - und hier kehren wir zurück ins Gleichnis - im Zweifelsfall die Demoversion eines Spieles genügt.

Reset. Bei dir ist nichts kaputt, du bist nur scheiße programmiert erschien am 22. Oktober 2018 bei der Gütersloher Verlagsgesellschaft und kostet 16 Euro.

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 Coachingbuch: Metapher mit Mängeln
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Bouncy 07. Nov 2018

Sehr intelligent, durchdacht und eloquent formuliert, du bist der Größte...

demon driver 06. Nov 2018

Wer Golem länger als zwei Tage liest, sollte eigentlich gemerkt haben, dass man sich...

KillerKowalski 06. Nov 2018

mit IT-Gimmick? Wie zumeist bei Selbsthilfebüchern, beschränkt die Selbsthilfe sich wohl...


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