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Ist die CO2-Bilanz wirklich so schlecht?

Die 58-seitige Studie vom Mai 2017 (PDF) geht dabei von einem durchschnittlichen CO2-Äquivalent von 150 bis 200 Kilogramm pro Kilowattstunde (kWh) Batteriekapazität aus. Zwischen 350 und 650 Megajoule seien bei der Akkuherstellung pro kWh erforderlich, was umgerechnet einer elektrischen Energie von 97 bis 180 kWh entspricht. Hochgerechnet auf einen Akku von der Größe eines Tesla Model S mit 100 kWh würde das bedeuten, dass alleine durch die Produktion der Batterie 17 Tonnen CO2 ausgestoßen und bis zu 18.000 kWh Energie benötigt würden. Bei einem Verbrauch von 8 Litern Diesel pro 100 Kilometer müsste man 80.000 Kilometer fahren, um auf denselben Ausstoß zu kommen.

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Doch diese Vergleichsrechnung lässt zwei wichtige Faktoren außer Acht: Denn die CO2-Bilanz ist der Studie zufolge stark davon abhängig, welche Energie bei der Zell- und Batterieproduktion genutzt wird. "Diese Untersuchung zeigt, dass unter Annahme der aktuellen Produktionsemissionen der Strommix des Produktionsstandorts das Gesamtergebnis stark beeinflusst. Dies liegt daran, dass die Herstellung einen großen Teil des Lebenszyklus ausmacht und der größte Teil der Produktionsenergie elektrisch ist", schreiben die Autorinnen Mia Romare und Lisbeth Dahllöf.

Nur die wenigsten Elektroautos haben 100 kWh

Zum anderen verfügen nur die wenigsten Elektroautos über eine Batteriekapazität von 100 kWh. Gerade die geplanten Autos für den Massenmarkt, wie der VW ID oder der Opel Corsa, sollen nur mit einer halb so großen Batterie ausgeliefert werden. Reine Stadtautos, wie der Aachener e.Go, brauchen sogar weniger als 25 kWh an Akkukapazität. Damit kann sich die CO2-Bilanz eines Elektroautos deutlich verbessern.

Stammt der Produktionsstrom sogar aus erneuerbaren Energien, wie es Tesla-Chef Elon Musk für seine Gigafabrik in Nevada behauptet, würde sich der Vorteil der Elektroautos gegenüber einem Verbrenner noch einmal vergrößern. "Dies als ahnungslos zu bezeichnen, wäre großzügig. Viel weniger Energie wird für Lithium-Ionen-Batterien benötigt & die Gigafabrik wird ohnehin mit Erneuerbaren versorgt", hatte Musk bereits im Juni 2017 als Reaktion auf die Studie getwittert.

Ifo-Studie sieht Diesel im Vorteil

Doch selbst wenn ein Elektroauto möglichst klimaneutral hergestellt wird: Beim Laden der Batterie wird ebenfalls Strom gebraucht, der irgendwie erzeugt werden muss. Hier setzt die inzwischen viel kritisierte Studie des Münchner Ifo-Instituts an (PDF). "Es zeigt sich, dass der CO2-Ausstoß des Elektromotors im günstigen Fall um etwa ein Zehntel und im ungünstigen Fall um ein gutes Viertel über dem Ausstoß des Dieselmotors liegt", schrieben darin die Autoren Christoph Buchal, Hans-Dieter Karl und Hans-Werner Sinn. Zugrunde gelegt wurde dabei die oben erwähnte schwedische Metastudie sowie "alternative marginale Energiequellen für den Strom sowie der tatsächliche Strommix Deutschlands aus dem Jahr 2018".

  • Der Salar de Uyuni gilt mit 10.000 Quadratkilometern als größte Salzpfanne der Welt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Salzsee beherbergt eines der größten Lithium-Vorkommen der Welt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Hochland (Altiplano) zwischen Bolivien und Chile ist sehr dünn besiedelt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Zu den touristischen Attraktionen gehören das Geothermiefeld Sol de Mañana ... (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • ... und Seen wie die Laguna Colorada mit seltenen Flamingos. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Klimawandel lässt die Gletscher in den Anden schnell schmelzen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Chacaltaya bei La Paz, Anfang der 1990er Jahre noch das höchste Skigebiet der Welt auf 5.300 Metern, ...  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • ... war 2007 schon kaum noch mit Schnee bedeckt und ist inzwischen völlig schneefrei. (Alexson Scheppa Peisino/Public Domain)
  • Autokonzerne wie VW vermarkten elektrisches Carsharing als klimafreundliche Mobilität. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Autokonzerne wie VW vermarkten elektrisches Carsharing als klimafreundliche Mobilität. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Große Schwachpunkte der Studie waren jedoch unter anderem die Annahme, dass eine Batterie bei einem Tesla Model 3 nur eine Nutzungsdauer von 150.000 km aufweist, die auf eine jährliche Fahrleistung von 15.000 km in zehn Jahren verteilt wurde. Ebenfalls wurde kritisiert, dass die Studie die Verbrauchswerte nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) berücksichtigt, die gerade im Falle des Diesel viel zu niedrig angesetzt sein sollen. Während die tatsächlichen Werte beim Diesel um 40 Prozent höher liegen, sollen es beim Elektroauto nur acht Prozent sein.

Andere Studien ergeben das Gegenteil

Darüber hinaus wurden zu hohe CO2-Werte für den Strommix angenommen. Der Einsatz von reinem Ökostrom wurde mit dem Argument abgetan, dass dieser Strom dann nicht mehr für andere Zwecke genutzt werden könne. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass ein bestimmtes Ergebnis zu Gunsten des Diesels erreicht werden sollte", kritisierte die Wirtschaftswoche und verwies auf anderslautende Studien des Fraunhofer Instituts ISI, des Thinktanks ICCT und Agora Energiewende (PDF).

Unter Idealbedingungen könne hingegen der vom Ifo-Institut angenommene CO2-Ausstoß von 155 Gramm pro Kilometer auf 31 Gramm reduziert werden, schrieb Spiegel Online auf Basis eigener Berechnungen. Damit wäre das Elektroauto deutlich klimafreundlicher, als es ein Verbrenner je sein könnte. Allerdings stellt sich die Frage, ob und wann solche Idealbedingungen erreicht werden können. Das Freiburger Öko-Institut kommt derzeit zu dem Schluss: "Ersetzt man ein mittleres Dieselfahrzeug mit einer Lebenslaufleistung von 180.000 Kilometern durch ein vergleichbares Elektroauto, so spart man über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen ein."

 CO2-Emissionen und Lithium: Ist das Elektroauto wirklich ein Irrweg?Dienen Elektroautos nur dem Greenwashing der Konzerne? 
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Jossele 18. Aug 2019

Der Überschrift dieses Post möchte ich mich hiermit vollinhaltlich anschließen. Solche...

Crass Spektakel 31. Jul 2019

Nicht jede Standardhose paßt jedem Standardbürger. Zukünftige Mobilität wird eben nicht...

floxiii 30. Jul 2019

Ich habe nicht studiert, um mich in die stinkenden, unklimatisierten und lauten Gefährte...

schueppi 25. Jul 2019

Ich finde es etwas schade, dass man immer so argumentiert. Ja, ich fahre mit meiner Frau...

flauschi123 20. Jul 2019

Ergo - Solarstrom = null. Bleibt bei den EEs nur Wasserkraft und Windkraft - und...


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