CO2-Emissionen: Maximalwert nur knapp verfehlt

In diesem Jahr wurden weltweit 40,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (CO2) emittiert. Nur 2019 waren es mit 40,9 Milliarden Tonnen mehr. Das zeigt der jüngste Bericht des Global Carbon Projects, an dem die Geografen Julia Pongratz und Clemens Schwingshackl der Ludwig-Maximilians-Universität(öffnet im neuen Fenster) (LMU) maßgeblich beteiligt sind.
Die weiterhin hohen Emissionen stehen im Widerspruch zu dem, was nötig wäre, um die Pariser Klimaziele zu erreichen, also die globale Erwärmung mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Insgesamt dürften nur noch 380 Milliarden Tonnen CO2 emittiert werden. Wenn man von den Emissionswerten des Jahres 2022 ausgeht, wird diese Menge schon in neun Jahren erreicht sein.
Die Zunahme der CO2-Emissionen im Jahr 2022 ist vor allem auf den wieder angestiegenen Flugverkehr zurückzuführen. Dabei sind regionale Unterschiede deutlich spürbar. So sanken die Emissionen im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 in China um etwa 0,9 und in der Europäischen Union um 0,8 Prozent. In anderen Regionen nahmen sie hingegen zu: in den Vereinigten Staaten um 1,5, in Indien um gewaltige sechs und in der übrigen Welt um 1,7 Prozent.
Corona und Erdgasverzicht
Die geringeren Emissionen in China sind vor allem auf die Auswirkungen coronabedingter Lockdowns zurückzuführen. In der EU hingegen ist der Rückgang vor allem durch die Einschnitte in der Gasversorgung zu erklären – die Emissionen lagen 2022 etwa zehn Prozent niedriger als im Vorjahr. Teils wurde dies aber durch einen Anstieg der Emissionen aus Kohle (um 6,7 Prozent), beispielsweise in Deutschland, und Erdöl (um 0,9 Prozent) wettgemacht.
"Wir sehen einige positive Entwicklungen, aber bei Weitem nicht die tiefgreifenden Maßnahmen, die jetzt eingeleitet sein müssten, um die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten" , sagte Julia Pongratz, Professorin für Physische Geographie und Landnutzungssysteme an der LMU und Teil des Kernteams, das den Bericht verfasste. Um bis zum Jahr 2050 null CO2-Emissionen zu erreichen, müssten sie um durchschnittlich 1,4 Milliarden Tonnen pro Jahr gesenkt werden, vergleichbar mit dem beobachteten Rückgang der Emissionen im Jahr 2020 infolge der Covid-19-Pandemie.