Menschliche Leistung vs. KI-Generierung

Ein Rechenbeispiel: Auf Basis von Schätzungen der Mitglieder des Subreddits r/ArtistLounge lässt sich für die Erstellung einer digitalen Zeichnung ein grober Rahmen von zwölf Arbeitsstunden veranschlagen. Als technische Grundlage wird das schon oben erwähnte Macbook Pro in 14 Zoll, ein LG Ultrafine in 27 Zoll als externer Monitor im Eco-Betrieb und ein modernes Grafiktablett festgesetzt.

Lässt man externe Geräte wie Router und sonstige Anwendungen außen vor, kommt man laut verschiedenen Herstellerangaben und Individualmessungen in Testberichten auf eine sehr grob geschätzte kombinierte Leistung von durchschnittlich 100 Watt. Insgesamt entspricht das maximal 1,2 Kilowattstunden und einem Strompreis von 50 Cent zu den von Check24 im April 2022 erhobenen deutschlandweiten Durchschnittswerten. 2021 sorgte laut Daten des Umweltbundesamts ein Kilowatt Strom in Deutschland bei Einbezug der Vorketten-Emissionen für etwa 500 Gramm CO₂-Äquivalent.

Die Kosten für die Nutzung eines KI-Modells wie Dall-E 2 oder ChatGPT zu ermitteln, ist weitaus schwieriger. OpenAI und andere Anbieter veröffentlichen kaum Details, wie sich ihre Modelle im laufenden Betrieb, also bezüglich Inference, verhalten. Andere Projekte wie das Open-Source-Modell Bloom, das mit einem Umfang von 176 Milliarden Parametern mit der ChatGPT-Basis GPT-3 vergleichbar ist, sind bezüglich der Kosten für Inference besser dokumentiert.

In einem Paper zum Klima-Impact von Bloom kommen die Forscherinnen bei einer Laufzeit von 18 Tagen auf einen täglichen Verbrauch von 50 Kilowattstunden und Emissionen in Höhe von 19 Kilogramm CO₂-Äquivalent. Über 230.000 Anfragen stieß Bloom dementsprechend pro Prompt 1,5 Gramm CO₂-Äquivalent aus. Mit zehn bis fünfzehn Prompts erreicht man also den stündlichen Stromverbrauch des Macbook Pro im obigen Rechenbeispiel.

Bei Text-zu-Bild-Generatoren wie Stable Diffusion, die auf dem eigenen Rechner ausführbar sind, hängt der Verbrauch stark von der Konfiguration ab. Mit einer Nvidia-RTX-Grafikkarte arbeitet das Tool laut Nutzerschätzungen effizient und generiert bis zu sechs Bilder pro Sekunde. Wird die CPU eingesetzt, benötigt Stable Diffusion laut eines Reddit-Nutzers für die Generierung eines 512-x-512-Bildes eine Leistung von 140 Watt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Werte nicht.

Will man keine kreative Eigenleistung abrufen und ist nur auf der Suche nach passenden Stockfotos, reichen vermutlich ein bis zwei Suchen bei Anbietern wie Shutterstock, Getty, Pixabay oder Imago. Verbrauch und Ausstoß sind auch hier schwer genauer messbar.

Laut Durchschnittswerten des Website Carbon Calculators generiert allein der Aufruf der genannten Seiten zwischen 0,5 und fünf Gramm CO₂-Äquivalent, über den Verbrauch einzelner Suchanfragen lässt sich nur spekulieren. Denn selbst für einen vermeintlich gut dokumentierten Vorgang wie eine einzige Google-Suchanfrage rangieren die Schätzungen zwischen 0,2 und 10 Gramm pro Anfrage.

Der Download des jeweiligen Bildes hingegen schlägt bei normaler Dateigröße mit verschwindend geringen Kosten für die Umwelt zu Buche: Daten des Digital-Carbon-Footprint-Projekts des Öko-Instituts zufolge generiert der reine Transfer von einem Gigabyte Daten über Breitbandinternet 0,02 Gramm CO₂.

Zukunft klimafreundlicher KI liegt in projektbezogener Spezialisierung

Genaue Aussagen zum tatsächlichen alltäglichen Impact groß angelegter, kommerzieller KI-Modelle lassen sich zusammenfassend nur schwer treffen. Allein die Beeinflussung des Stromverbrauchs und der Emissionen durch unzählige Faktoren wie den Standort der jeweiligen Rechenzentren, Jahreszeit, Strompreis und Lieferkette ist immens.

Der einzelne Gelegenheitsnutzer beeinflusst das Klima also nicht messbar negativ, in der Masse können die KI-Spielereien aber zum Problem werden. Schon im Juni 2022 hätten Nutzer des Text-zu-Bild-Modells DALL-E 2 laut Unternehmensangaben beispielsweise zwei Millionen Bilder pro Tag generiert. Eine Zahl, die mit zunehmender Verbreitung und Akzeptanz von KI-Tools, beispielsweise im Falle von OpenAI in Office-Produkten und Microsofts Suchmaschine Bing, weiter steigen dürfte. Im Juni 2022 wurden laut Comscore alleine in Deutschland 432 Millionen Suchanfragen über Bing getätigt, weltweit seien es 15 Milliarden gewesen. Die Warteliste für das ChatGPT-unterstützte Bing erreichte schon 48 Stunden nach dem Beta-Start die Eine-Million-Marke.

KI im Allgemeinen könnte laut Jeremiah Milbauer, Jared Fernandez und Clara Na in Zukunft hinsichtlich des Klimawandels aber auch Gutes bewirken - wenn sie gezielt eingesetzt wird und nicht nur groß angelegte Endnutzer-NLP-Modelle wie ChatGPT befeuert. "In der Realität gibt es Zwänge, die KI-Lösungen erfordern, die um mehrere Größenordnungen kleiner sind als Tools wie DALL-E und ChatGPT", sagt Na. "Solange wir nicht alle persönliche intelligente Roboter wollen, ist es unwahrscheinlich, dass diese speziellen Situationen Systeme in der gleichen Größenordnung wie große Sprachmodelle erfordern."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 CO2-Ausstoß von ChatGPT und Co: Klimakiller künstliche Intelligenz?
  1.  
  2. 1
  3. 2


yinyangkoi 22. Feb 2023 / Themenstart

Krypto wäre besser für das Klima statt den Servern in den Banken. Strom muss verbraucht...

altuser 22. Feb 2023 / Themenstart

Und was treibt Dich her? Dein Kommentar zementiert doch nur ein weiteres Stück die...

altuser 22. Feb 2023 / Themenstart

Es gibt Taschenbücher, die Werbung enthalten (bezahlte, nicht nur Eigenwerbung des...

Gormenghast 22. Feb 2023 / Themenstart

Basierend auf den Galaxus-Kompensationszahlen ist das KI-Training im Vergleich ein Witz...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
X-59
Nachfolger von Concorde ermöglicht leisen Überschallknall

Das raketenbetriebene X-59-Flugzeug soll noch in 2023 starten. Trotz Überschallgeschwindigkeit soll der Concorde-Nachfolger der Nasa leise fliegen.

X-59: Nachfolger von Concorde ermöglicht leisen Überschallknall
Artikel
  1. Elektroauto: Fisker Ocean Extreme kommt auf über 700 Kilometer Reichweite
    Elektroauto
    Fisker Ocean Extreme kommt auf über 700 Kilometer Reichweite

    Das Topmodell des Elektroautos Fisker Ocean erzielt eine WLTP-Reichweite von 707 Kilometern und ist damit das reichweitenstärkste SUV auf dem deutschen Markt.

  2. GPT-4: Funken von allgemeiner künstlicher Intelligenz
    GPT-4
    "Funken von allgemeiner künstlicher Intelligenz"

    Microsoft Research enthüllt eine umfangreiche Sammlung von Fallbeispielen, die mit dem ChatGPT-Nachfolger GPT-4 erzeugt wurden. Die Ergebnisse sind beeindruckend.
    Eine Analyse von Helmut Linde

  3. EnBW-Bilanz: Rekordzahl von Einspeise-Anträgen verzeichnet
    EnBW-Bilanz
    Rekordzahl von Einspeise-Anträgen verzeichnet

    Der Energiekonzern EnBW setzt voll auf erneuerbare Energien und will schon 2028 aus der Kohleverstromung aussteigen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Große Amazon Rabatt-Aktion • Radeon 7900 XTX 24 GB günstig wie nie • Alexa-Sale bei Amazon • Kingston Fury 16GB DDR4-3600 43,90€ • MindStar: AMD Ryzen 7 5800X3D 309€ • Nur noch heute: Cyberport Jubiläums-Deals • 3 Spiele kaufen, 2 zahlen • MediaMarkt-Osterangebote [Werbung]
    •  /