Clubhouse: Plaudern in der Wohlfühl-Langeweile

Gute Inhalte muss man bei Clubhouse momentan noch suchen. Fraglich ist, ob das Konzept - sinnvoll angewendet - wirklich so neu ist und ob es dafür eine neue App braucht.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Clubhouse auf einem iPhone
Clubhouse auf einem iPhone (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)

Clubhouse ist momentan in Deutschland in aller Munde: Gut ein Dreivierteljahr nach dem Start in den USA entdecken Politiker, Unternehmer, Stars, Sternchen und Otto Normalbürger die Social-Media-Plattform, in der quasi interaktive Podcasts abgehalten werden können. Die Sicherheitsbedenken der App scheinen viele nicht zu stören, stattdessen hören sie sich lieber an, was Politiker so in Besprechungen treiben.

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Interaktive Unterhaltungen mit interessanten und bekannten Personen, dazu die Möglichkeit für jeden, eigene interessante Inhalte anzubieten - das klingt erst einmal gut. Tatsächlich ist das Angebot bei Clubhouse momentan aber noch übersichtlich, wenn man gewisse Ansprüche an Unterhaltungen stellt. Erst einmal reinzukommen, ist zudem eine Geschichte für sich.

Clubhouse steht nur Nutzern mit einem iPhone offen, zudem benötigt man eine Einladung. Die bekommt man nur von einem anderen Clubhouse-Nutzer, der bereit ist, der App sein Adressbuch zur Verfügung zu stellen. Generell ist das keine gute Idee, weshalb ich Clubhouse auf einem nur für diesen Zweck bereitgestellten iPhone ohne Adressbucheinträge verwende. Der Zugriff auf die Kontakte lässt sich auch unterbinden, dann können jedoch keine Einladungen versandt werden.

Interessenschwerpunkte laufen ins Leere

Während der Anmeldung gebe ich meine Interessenschwerpunkte an, danach wird mir eine Reihe von Nutzern zum Folgen angeboten. Anschließend sehe ich mir die Talks an, die mir angezeigt werden. Leider kann ich keinem davon irgendein Interesse entgegenbringen. Was die zuvor ausgewählten Themen zu der Auswahl beitragen, ist mir schleierhaft.

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So wollen mir etwa eine Reihe von "Verkaufstrainern" ihre Tricks verraten. Was genau die Herrschaften eigentlich jemals erfolgreich verkauft haben, bleibt ebenso nebulös wie der Informationsgewinn des Talks. Genauso wenig bin ich daran interessiert, wie man möglichst schnell zum Millionär werden kann - ohne große Anstrengung natürlich. Beim Zuhören habe ich mich gefragt, wie viele der Talker wohl tatsächlich Millionäre sind, vorsichtshalber habe ich aber nicht danach gefragt.

Ebenfalls reichhaltig im Angebot: Meditationsübungen, deren Audioqualität mich an ein Telefongespräch erinnert. Warum ich mir das gerade hier anhören sollten und nicht etwa in guter Qualität auf Youtube, erschließt sich mir nicht - zumal es bei einer Meditation eher unüblich ist, dass jemand zwischendrin eine Frage stellt.

Beim Folgen wird es interessanter - ein bisschen

Interessanter wird Clubhouse, wenn man Personen folgt - vor allem solchen, denen ich es zutraue, interessante Talks zu lancieren. Ein Politiker hier, ein Journalistin da, und schwupps, bin ich bei einer Gruppe von Leuten, mit denen ich mich tatsächlich mal unterhalten wollen würden. Prompt wird mir auch eine interessant klingende Runde angezeigt, an der unter anderem drei Politiker teilnehmen.

Ich höre rein und freue mich erst einmal, wie gesittet die Unterhaltung abläuft. Gleichzeitig merke ich aber, dass der Talk nicht unbedingt interessant ist - ein Blick auf die Teilnehmer zeigt, warum: Alle Gesprächspartner stehen auf derselben Seite, es wurde keine Gegenstimme eingeladen. Das trifft auf viele Talks zu, die gewissermaßen Echokammern sind und Auseinandersetzungen und echten Diskussionen mit diametral unterschiedlichen Standpunkten keinen Platz bieten.

Das vermittelt zwar einen gewissen Wohlfühlfaktor, wenn man die Meinung der Echokammer teilt, ich finde die Talks dadurch aber schnell langweilig. Daran ändern meist auch die Zuhörerfragen nicht viel, zumal der Kreis der Zuhörer aus Deutschland aufgrund der iPhone-Exklusivität und der Einladungen aktuell noch begrenzt ist. Wer sich die Sendung im Nachhinein übrigens noch einmal anhören möchte, hat Pech gehabt: Clubhouse ist ein Live-Format ohne für die Nutzer verfügbare Aufzeichnungen.

Mehr Nutzer = mehr Unterhaltung?

Sollte Clubhouse mehr Nutzer bekommen, könnten zumindest die Fragerunden interessanter werden. Ich stelle mir nur die Frage, ob viele der Talker noch Lust auf das Format haben, wenn sie von den Zuhörern angepöbelt werden. Angesichts der Geschichte der sozialen Netzwerke im Internet ist eine derartige Entwicklung mehr als denkbar, solange es keine Art von Moderation gibt. Und wie die in einem Audio-Talk-Format aussieht, ist klar: Pöblern wird der Ton abgedreht, was natürlich erst geht, nachdem sie angefangen haben zu pöbeln.

Im Endeffekt stelle ich fest: Clubhouse ist eine nette Idee, die für mich aber schnell langweilig wird. Zudem halte ich eine derart exklusive App auch überhaupt nicht für notwendig: Interessante Talkrunden ließen sich auf Youtube oder Twitch genauso problemlos veranstalten, falls die jetzt von Clubhouse begeisterten Politiker es wollten. Im Zeitalter der Videokonferenzen, in dem wir uns dank Corona befinden, wäre es ein Leichtes, entsprechende Live-Streams durchzuführen. Zuschauerfragen ließen sich über den Chat einbinden, Pöbeleien würden entsprechend keinen Eingang in den eigentlichen Talk finden.

Ob Clubhouse ein Erfolg wird oder ein zweites Vero, wird sich zeigen. Dem Hype wird die App für mich momentan nicht gerecht.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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