Cloud Gaming: Aus die Cloud

Heute stellt die Telekom Magenta Gaming ein. Das Scheitern des Cloud-Gaming-Projekts hat der Konzern selbst zu verantworten.

Ein Bericht von Daniel Ziegener veröffentlicht am
Magenta Gaming sollte ein neues Publikum erreichen. Geklappt hat es nicht.
Magenta Gaming sollte ein neues Publikum erreichen. Geklappt hat es nicht. (Bild: Telekom)

Die Deutsche Telekom hat nicht unbedingt einen Ruf als besonders junges oder modernes Unternehmen. Ausgerechnet beim Cloud Gaming war sie aber früh dabei. Bereits einen Monat vor dem Launch von Google Stadia, im August 2019, startete die Betaphase von Magenta Gaming. Nicht einmal drei Jahre später kommt die Telekom Google erneut zuvor - und stellt den Dienst wieder ein.

Inhalt:
  1. Cloud Gaming: Aus die Cloud
  2. Innovation scheitert am trägen Telekom-Konzern

Dabei steckte hinter Magenta Gaming ein engagiertes Team, das in kürzester Zeit ein neues Produkt auf die Beine gestellt hat. Der Dienst ermöglichte es, mit einer monatlichen Flatrate Spiele ohne Download zu streamen, und konnte technisch mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Dass der kommerzielle Erfolg ausblieb, war allerdings selbstverschuldet.

Das plötzliche Ende kam dennoch nicht nur für Nutzer des Dienstes überraschend, sondern auch für Partner aus der Spielebranche und Mitglieder des Teams selbst. Der Konzern habe sich "schweren Herzens dazu entschieden, Magenta Gaming ab dem 26. Februar 2022 nicht mehr fortzuführen", heißt es auf seiner Webseite. Die Schließung des Dienstes wurde bereits im Januar 2022 angekündigt. Golem.de rekonstruiert, woran das Telekom-Projekt gescheitert ist.

In neun Monaten zum Betatest

Die Idee für Magenta Gaming entsteht schon 2018. Damals sucht die Telekom nach einem Anwendungsfall für den kommenden neuen Mobilfunkstandard 5G. Der Senior Expert Innovation Dominik Lauf, nach eigenen Aussagen leidenschaftlicher Gamer, pitcht eine Idee: Cloud Gaming. Die Idee selbst ist nicht neu, die ersten Startups wie Onlive scheiterten Ende der 2010er Jahre aber noch an den zu hohen Latenzen.

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Nach gerade einmal neun Monaten ist der Prototyp bereit für einen geschlossenen Betatest, der auf der Gamescom im August 2019 startet. Innerhalb kurzer Zeit bringt das kleine Team um Lauf ihn zum Laufen. Sechs bis neun Personen arbeiten zu diesem Zeitpunkt an Magenta Gaming.

Auch wenn mit der Telekom ein großes Unternehmen dahintersteht, ist Magenta Gaming der kleinste Anbieter auf dem Markt. Stadia kann mit Cyberpunk 2077 einen heiß erwarteten Titel für seine Plattform gewinnen. Das schon länger etablierte Startup Blade sammelt weitere Millionen von Investoren, das noch in der geschlossenen Testphase befindliche Geforce Now von Nvidia hat eine Million neugieriger Spieler in der Warteschlange.

Die Schwächen zur Stärke gemacht

Genau ein Jahr später, auf der Gamescom 2020, startet Magenta Gaming offiziell. Das Team ist mittlerweile auf 70 Personen angewachsen. Für einen Preis von 6,95 Euro im Monat lassen sich 100 Spiele streamen. Titel wie Garfield Kart sind allerdings weit entfernt von der glamourösen Welt des AAA-Gamings. Daran wird sich bis zum Schluss nicht viel ändern.

Später kann Magenta Gaming noch einige größere internationale Titel wie Control, Vampyr oder The Surge 2 auf seine Plattform holen. Der Hauptteil des Angebots aber besteht aus Indiespielen und deutschen Produktionen. Das liegt auch an der Beschränkung auf den heimischen Markt. Zwar ist Deutschland einer der größten Absatzmärkte für Videospiele, im Vergleich zu China, den USA oder Japan aber bedeutungslos. Eine Expansion nach Polen ist zwar geplant, wird aber letztendlich nicht umgesetzt.

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Auch die behäbige Konzernstruktur der Deutschen Telekom behindert die Entwicklung. Zwischen der Verständigung über eine Partnerschaft und der Unterzeichnung der nötigen Verträge seien teils Monate vergangen, berichten Entwickler. Diese bürokratische Verschleppung passt nicht zu einem Abodienst, der seinem Publikum möglichst konstant neue Inhalte bieten sollte. Das Angebot von Magenta Gaming wächst langsam. Zum Schluss liegt es bei etwa 120 Titeln.

Groß beworben wird Magenta Gaming von der Telekom nie, obwohl es sogar Teil der Tarifoption Streamon ist. Das Team setzt vor allem auf seine eigene Social-Media-Arbeit über Twitter, Twitch und Discord sowie die Zusammenarbeit mit weniger bekannten Streamern. Auf diesem Weg versucht das Team auch, die Marke Telekom einem Gaming-Publikum authentisch zu präsentieren - und aus der Rolle als Underdog eine Stärke zu machen. Ein Versuch, der an der Trägheit der Telekom scheitern soll.

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Innovation scheitert am trägen Telekom-Konzern 
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Potrimpo 28. Feb 2022

Probieren geht über studieren. Rückschläge gibts immer. Mir ging es nur um Deine...

daz (Golem.de) 28. Feb 2022

Playstation Now ist auch interessant, weil es das Archivierungs-Problem von Spielen...

MeinSenf 27. Feb 2022

Nichts ist so schwerfällig wie die Gamer die sich über ihre hochgezüchteten Boliden unter...

Extrawurst 26. Feb 2022

Das ist, mit Verlaub, kompletter Unfug. Natürlich sieht der Händler, ob eine Prepaid...



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