Cloud Chasers: Flüchtlingsdrama als Mobile Game

Mitgefühl für das Leiden von Flüchtlingen mit einem Mobile Game wecken: Geht das? Ein politisch engagiertes Entwicklerstudio aus der Schweiz probiert es mit Cloud Chasers - Golem.de hat mit den Machern gesprochen.

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Cloud Chasers
Cloud Chasers (Bild: Blindflug Studios)

Darf man als Entwicklerstudio aus der reichen Schweiz ein Spiel über das Leid von Flüchtlingen machen? Das war eine der Fragen, denen sich die Mitglieder der Blindflug Studios aus Zürich gestellt haben, als sie 2014 mit der Arbeit an Cloud Chasers anfingen. Damals war das Thema Flüchtlinge noch nicht ansatzweise so groß in den Medien wie heute, trotzdem gab es im Team Widerstände.

"Wir hatten dann die Idee, dass Cloud Chasers auf einem Wüstenplaneten spielt", erzählt Studiochef Moritz Zumbühl im Gespräch mit Golem.de. Auf diese Art habe man eine gewisse Distanz geschaffen, mit der die Arbeit etwas leichter gefallen sei. Er bezeichnet sein Werk übrigens als "Conscious Game", das spielerisch Bewusstsein schaffen soll. Den Begriff "Serious Game" mag Zumbühl nicht - "meistens gewinnt das Serious die Oberhand", sagt er.

Seine Blindflug Studios haben Erfahrung darin, politische Stoffe in Games zu verpacken. Das 2006 gegründete Unternehmen hat nach seiner Gründung diverse kleinere Spiele für Greenpeace und andere NGOs programmiert. 2013 erschien dann das erste eigene Mobile Game: First Strike, in dem es um das Thema des atomaren Wettrüstens geht.

Auf den ersten Blick wirkt das taktisch herausfordernde First Strike fast wie ein Kriegsspiel - was wohl auch dazu geführt hat, dass es sich weltweit gut verkaufte. Erst nach und nach merkt der Spieler, dass gerade das Hochrüsten der virtuellen Armee einem nachhaltigen und tatsächlichen Erfolg im Weg steht.

  • Cloud Chasers (Bild: Blindflug Studios)
  • Cloud Chasers (Bild: Blindflug Studios)
  • Cloud Chasers (Bild: Blindflug Studios)
  • Cloud Chasers (Bild: Blindflug Studios)
Cloud Chasers (Bild: Blindflug Studios)

Cloud Chasers erzählt die Geschichte von Francisco und seiner Tochter Amelia, die auf einem Wüstenplaneten mit versiegenden Wasserressourcen um ihr Leben kämpfen. Sie ziehen los, um einen durch Stacheldraht und weitere Sicherheitssysteme geschützten Aufzug zu erreichen, der sie zur Ebene der Reichen bringen soll. Die leben auf Siedlungen über den Wolken - laut Zumbühl ist dieser Lift eine Anspielung auf die Exklave Melilla in Nordafrika, die zu Spanien gehört und über die viele Flüchtlinge aus Afrika nach Europa gelangen.

Nicht nur in der Realität, auch im Spiel ist die Flucht lebensgefährlich: Wenn Francisco und seiner Tochter das Wasser ausgeht oder wenn sie aus anderem Grund sterben, ist Cloud Chasers vorbei und muss neu begonnen werden. Der Spielerverlauf gestaltet sich immer wieder anders: Für jeden Durchgang wählt das Programm rund 70 von 230 Ereignissen per Zufall aus.

Drohnen und Grenzkontrolle

Francisco und Amalia sind auf dem Wüstenboden unterwegs. Einen großen Teil des Spiels verbringt der Spieler mit der Tochter allerdings in einem Drachen in der Luft: Indem sie durch Wolken fliegt, kann Amalia die Wasservorräte wieder auffüllen - daher auch der Titel Cloud Chasers.

Der Flug durch die Wolken lässt sich auf Smartphones und Tabelts gut mit der Touch-Steuerung bedienen, er wird aber im Spielverlauf immer schwieriger, weil die Reichen sich mit fliegenden Selbstschussanlagen und ähnlichen Einrichtungen gegen Eindringlinge zu wehren versuchen. Am Boden müssen die beiden Flüchtlinge früher oder später mit der Grenzpolizei rechnen.

Cloud Chasers ist ab sofort für Smartphones und Tablets unter iOS und Android erhältlich, der Preis liegt bei rund 4 Euro.

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