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Warum kauft Cliqz jetzt Ghostery?

Mit dem Zukauf der Marke Ghostery will Cliqz zum einen seine Nutzerbasis ausbauen. Bisher verwenden nach Angaben der Firma nur etwa 75.000 Nutzer den deutschen Browser auf einem Windows-PC, 8.000 auf einem Mac oder MacBook, 60.000 auf einem Android-Gerät und 7.000 auf iOS. Die Firefox-Erweiterung Cliqz, also der Vorgänger des kompletten Browsers, ist immerhin 550.000 Mal in Gebrauch. Ghostery hingegen ist nach Angaben des Anbieters schon mehr als 50 Millionen Mal installiert worden und täglich kommen 30.000 neue Downloads hinzu. Cliqz rechnet etwas zurückhaltender und geht von immerhin zehn Millionen Ghostery-Nutzern in aller Welt aus.

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Zum anderen soll der deutsche Browser um den auf Blocklisten basierenden Trackingschutz von Ghostery erweitert werden - und umgekehrt. Cliqz-Sprecher Thomas Konrad schreibt in einer E-Mail an Zeit Online: "Wir werden die beiden Ansätze derart kombinieren, dass Nutzer von der umfassenden Cliqz-Sicherheit profitieren, aber da, wo es sinnvoll ist, vollständiges Blockieren einstreuen, um eine noch bessere Performance zu erreichen." Das könne auch geschehen, "wenn wir feststellen, dass bestimmte Tracker besonders bösartig immer wieder versuchen, Tracking-Schutz zu umgehen."

Cliqz bekommt Ghostery-Daten - und umgekehrt

Soll heißen: Wenn Ghostery mit den Updates seiner Blockliste nicht mehr hinterherkommt, weil die Tracking-Unternehmen ihre Skripte zu schnell verändern, springt die sanftere Lösung von Cliqz ein. Gleichzeitig "werden Teile der Cliqz-Technologien in die Ghostery-Produkte integriert", sagt Konrad. Dann nutzen nicht mehr nur ein paar Hunderttausend Menschen die Cliqz-Technik, sondern mehrere Millionen in aller Welt. Die können auf freiwilliger Basis das Human Web von Cliqz erweitern und dem Unternehmen damit ermöglichen, "sehr effizient Web-Indices für neue Länder und Sprachen aufbauen und damit schneller neue Märkte für unsere Cliqz-Schnellsuchfunktion erschließen", schreibt Konrad.

Was beide Ansätze zusammen bringen, können Cliqz-Nutzer schon ansatzweise ausprobieren. Der Browser lässt prinzipiell keine externen Erweiterungen zu - was einer der größten Nachteile gegenüber anderen Browsern ist -, aber es gibt zwei Ausnahmen: den Passwort-Manager LastPass und eben Ghostery. Beide können in den Browser-Einstellungen im Bereich "Sicherheit" aktiviert werden.

Was beinhaltet der Deal?

Auch die Cliqz-Version mit Ghostery-Technik wird open source sein, verspricht Konrad: "Wir wollen so transparent wie möglich sein". Beim Kaufpreis hört die Transparenz aber auf, die beiden Unternehmen haben darüber Stillschweigen vereinbart. Eine politische Deutung des Deals würde lauten: Der Burda-Verlag als Befürworter des Leistungsschutzrechts für Presseverleger lässt seine Tochterfirma eine Technik einkaufen, die sich nicht zuletzt gegen Google richtet - gegen jenes Unternehmen also, das sich aus guten Gründen gegen das Leistungsschutzrecht wehrt.

Die Marke Ghostery wird deutsch und künftig dem deutschem Datenschutzrecht unterliegen - statt wie bisher US-Recht. "Die Daten von Cliqz und Ghostery sind so rechtlich vom direkten Zugriff durch US-Behörden abgeschirmt", schreibt Konrad. "Sollte irgendein Tracker oder jemand anderes gegen Ghosterys Anti-Tracking rechtlich vorgehen wollen, muss das zukünftig vor deutschen Gerichten geschehen."

Jener Teil von Ghostery, der nicht verkauft wird, heißt künftig wieder Evidon. Das Unternehmen will sich auf seine Geschäftskunden konzentrieren. Allerdings bekommt es künftig Daten von Cliqz. Keine Nutzerdaten wohlgemerkt, sondern Informationen darüber, welche Tracking-Skripte auf welchen Websites aktiv sind. "Eine Landkarte von Trackern" nennt Konrad das.

Was bringt das den Nutzern?

Wer nicht getrackt werden möchte, muss nicht zwingend auf Cliqz oder Ghostery zurückgreifen. Auch andere Add-ons wie etwa Noscript (für Firefox) oder das von der Bürgerrechtsorganisation EFF entwickelte Privacy Badger (für Chrome, Firefox und Opera) blockieren Skripte und Cookies. Noch mehr Anonymität bietet der Tor-Browser. Um Suchmaschinen wie Google zu meiden, muss man ebenso wenig auf Cliqz zurückgreifen. Startpage zum Beispiel ist ebenfalls eine privatsphärenschonende Alternative.

Aber wer den alternativen Suchindex von Cliqz gerne nutzt, die Bemühungen des Unternehmens um Transparenz schätzt und einfach mal einen neuen Browser verwenden möchte, bekommt durch die Zusammenführung mit Ghostery einen noch strikteren Schutz vor Tracking. Und wer nur das Ghostery-Add-on installiert hat, bekommt bald ein zumindest theoretisch sinn- und wirkungsvolles Update.

 Cliqz kauft Ghostery: Ein neues Paket, um Google auszuweichen
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Signator 16. Feb 2017

Begrüßenswert. Zur Zeit empfehle ich den Leuten Opera, weil Opera auch kostenloses VPN...

cicero 15. Feb 2017

Funktioniert das auch auf einem Windows 10-Client? Bzw. kann man dafür unter Windows 10...

cicero 15. Feb 2017

Das scheint mir hier die Frage ... Cliqz ist bei mir recht schnell wieder vom Rechner...

SirFartALot 15. Feb 2017

Ich krieg da nur die Moeglichkeit, danach mit Google zu suchen... :/

schap23 15. Feb 2017

Erst einmal ist das das Prinzip Millionen Fliegen können sich nicht irren, Scheiße...


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