Clicks im Test: Die Blackberry-Tastatur fürs iPhone

Blackberry-Nutzer schworen auf die physischen Tastaturen der Smartphones aus Kanada. Spätere Wiederbelebungsversuche im Android-Bereich waren aber nicht von langer Dauer. Mittlerweile scheinen Smartphones mit einer echten Tastatur Nischenware zu sein. Trotzdem hat der Youtuber Michael Fisher alias Mr. Mobile die Firma Clicks(öffnet im neuen Fenster) gegründet und Anfang 2024 ein gleichnamiges iPhone-Cover mit physischer Tastatur angekündigt.
Fisher scheint ein Fan von physischen Tastaturen bei Smartphones zu sein und möchte eigenen Angaben zufolge erreichen, dass mindestens eine Million Menschen Clicks verwenden. Golem.de hat die Tastaturhülle mit einem iPhone 16 Pro Max ausprobiert und Vorteile sowie kleine Probleme gefunden. Am Ende stellen wir uns die Frage, ob eine physische Tastatur heutzutage wirklich noch notwendig ist.
Clicks ist im Grunde eine überlange Hülle für verschiedene iPhone-Modelle. Aktuell ist die Tastatur für das iPhone 14 Pro, die komplette iPhone-15-Reihe, das iPhone 16 Pro und 16 Pro Max verfügbar. Wer ein anderes Smartphone besitzt, kann über den Clicks-Shop eine Nachricht an die Firma(öffnet im neuen Fenster) mit dem Wunsch nach dem Gerät schicken; Clicks zufolge können auch für Android-Geräte Tastaturhüllen erscheinen.
Hülle sitzt perfekt, könnte aber besser verarbeitet sein
Unser iPhone lässt sich problemlos in die Clicks-Hülle einlegen. Es sitzt fest und wird durch das weiche Gummi geschützt. Die Buttons am linken und am rechten Rand lassen sich problemlos über entsprechende Pendants an der Hülle drücken. Für den Kamerabutton mit dem Touchfeld, den Apple bei den neuen iPhones verbaut, ist eine Aussparung in der Hülle.
Interessant sind die zwei kleinen Schlitze, die Clicks in den Bereich der Hülle gefräst hat, in dem der untere Rand des iPhone aufliegt. Diese sorgen dafür, dass die Lautsprecher nicht verdeckt werden. Der Schall wird nach vorn geleitet. Wir finden, dass das iPhone mit der Clicks-Hülle sogar besser klingt.








Auf der Rückseite hat die Clicks-Hülle eine Kante um die Kameramodul-Aussparung, die die Objektive schützt. Im unteren Bereich ist eine kleine Klappe eingebaut, hinter der sich die Technik der Tastatur befindet. Insgesamt betrachtet, macht die Clicks-Hülle einen stabilen Eindruck, allerdings stört uns die Verarbeitung. Rund um den Rand sind deutliche Grate fühlbar, der Bereich um die Buttons auf der linken Seite sieht zudem zerkratzt aus.
Gut verarbeitete, klickende Tastatur
Die Verarbeitung der Tastatur selbst ist tadellos. Tippen wir auf eine der Tasten, reagiert diese mit einem angenehmen Klick. Da wir Clicks mit einem iPhone 16 Pro Max verwenden, ist die Tastatur groß genug - wenngleich es ein paar Tage dauert, bis sich unsere an Display-Tastaturen gewöhnten Finger wieder mit den Tasten angefreundet haben.
Nach kurzer Eingewöhnungszeit gelingt das Tippen mit Clicks gut: Die Tasten sind in der linken Hälfte der Tastatur etwas nach links angeschrägt, in der rechten Hälfte nach rechts. Diese Verbesserung hat Clicks bei den neuen Modellen für die iPhone-16-Reihe umgesetzt, die Versionen für die vorigen iPhone-Modelle hatten noch keine schrägen Tasten.
Die Tasten erscheinen uns ein wenig kleiner als die, die wir von früheren Blackberry-Telefonen kennen. Außerdem sind die Tasten rund und nicht direkt nebeneinander eingebaut, sondern haben etwas Raum dazwischen. Das gefällt uns besser, es führt unseres Erachtens nach zu genauerem Tippen. Dicke Finger können so nicht mal eben eine Nachbartaste drücken.
Gewichtstraining für die Finger
Was uns bei der ersten Nutzung von Clicks an unserem großen iPhone 16 Pro Max auffällt: Die gesamte Konstruktion ist kopflastig. Clicks gibt auf seiner Webseite eine Anleitung(öffnet im neuen Fenster) , wie man das iPhone in der Hülle am besten hält - mit den kleinen Fingern unten abstützen -, was aber nur bedingt hilft. Bei einem kleineren iPhone dürfte das Problem weniger prominent sein.








Der Grundaufbau der Clicks-Tastatur entspricht dem der Apple-Display-Tastatur - wir müssen entsprechend auch für ein Komma die 123-Umschalttaste drücken. Die Taste ermöglicht uns ebenfalls die Eingabe von Zahlen und weiteren Sonderzeichen. Tippen wir doppelt auf die Taste, können wir Sonderzeichen und Zahlen eingeben, ohne sie jedes Mal erneut drücken zu müssen. Das funktioniert auch bei der Shift-Taste.
Unsere Clicks-Hülle kommt im Qwerty-Layout. Mit Qwertz-Tastatur ist Clicks aktuell nur für das iPhone 15 Pro und nur in Grau verfügbar. Beim Tippen haben wir uns auf die Autokorrektur verlassen, die bügelt vor allem zu Beginn der Nutzung von Clicks eine Reihe an Tippfehlern aus, die durch versehentliche Betätigung einer Nachbartaste entstehen. Wer mit Clicks auf Deutsch schreiben will, wird die Autokorrektur ebenfalls zu schätzen wissen.
Wir können dadurch ein Wort mit Umlauten einfach mit dem normalen Vokal schreiben, iOS macht daraus den korrekten Umlaut. Wollen wir die Umlaute von Hand eingeben, ist das relativ umständlich: Sonderzeichen wie Umlaute oder Buchstaben, Akzente und das ß lassen sich nach einem langen Druck auf die jeweilige Haupttaste auswählen.
Autokorrektur hilft bei den Umlauten
Dann öffnet sich ein kleines Pop-Up-Menü mit der Auswahl der verfügbaren Buchstaben - bei einem A beispielsweise das Ä oder das Á. Den Buchstaben können wir auf dem Touchscreen auswählen. Wegen der empfohlenen Haltung des iPhone mit der Clicks-Tastatur bedeutet das, dass wir eine Hand vom Telefon nehmen und den Buchstaben anklicken müssen.
Das ist uns zu umständlich, die Alternative ist aber nicht bequemer: Wir können den gewünschten Buchstaben auch über die Eingabe einer Nummer wählen. Um an die Nummern zu kommen, müssen wir den 123-Umschalter drücken. Die Umlaut- und Sonderzeicheneingabe mit Clicks ist entsprechend lästig, wir verlassen uns daher auf die Autokorrektur. Übrigens hat auch die Qwertz-Version von Clicks keine separaten Umlauttasten. Die Eingabe wäre dort vergleichbar aufwendig, würden wir die Umlaute manuell tippen.
Praktische Shortcuts über Kurzbefehle
Die Clicks-Tastatur hat eine Sprachumschalttaste und eine Command-Taste (CMD), über die eine Reihe von System- und App-Shortcuts verwendet werden können. So führt CMD+H immer zum Startbildschirm von iOS, CMD+Leertaste startet die Systemsuche. In Mail können wir mit CMD+N eine neue Nachricht verfassen. Lesen wir eine E-Mail, können wir mit CMD+R darauf antworten.
Auch für Safari stehen eine Reihe Shortcuts zur Verfügung, ebenso für die Musikwiedergabe, Messages und iMovie. Zusätzlich können wir noch eigene Shortcuts ausführen - mit der Clicks-Taste rechts neben der Leertaste. Bei älteren Modellen ist diese Taste mit TAB beschriftet, unser Modell hat ein Clicks-Logo. Darüber lassen sich zudem komplexe Aufgaben mit Hilfe der iOS-Kurzbefehle-App per Knopfdruck realisieren.
Der Einrichtungsvorgang für diese Clicks Mode genannten Shortcuts ist nicht trivial, Clicks gibt auf der Webseite allerdings eine ausführliche Anleitung(öffnet im neuen Fenster) . Dass die Einrichtung der Clicks-Mode-Befehle nicht einfacher zu realisieren ist, dürfte an Apple und dem verschlossenen iOS liegen. Um über die Clicks-Taste bis zu 36 weitere Shortcuts verwenden zu können (einen pro Taste), müssen wir zunächst in die Bedienungshilfen-Einstellungen und dann zu Tastaturen & Texteingabe.
Shortcut-Einrichtung ist etwas aufwendig
Dort schalten wir die Tastatursteuerung ein und gehen im entsprechenden Menü auf das Untermenü Befehle. Es gibt eine Reihe voreingestellter Shortcuts, die wir manuell löschen müssen. Anschließend können wir bestimmten Shortcuts eine neue Tastenkombination zuweisen; den App-Umschalter etwa haben wir mit Clicks+A belegt. Praktisch finden wir auch, die Mitteilungszentrale mit einem Clicks-Shortcut aufzurufen.








Wenn wir in der Befehlsliste nach ganz unten scrollen, finden wir die Kurzbefehle, die iPhone-Nutzer über die entsprechende App erstellen können. Hier werden alle Befehle aufgelistet, die wir in der Kurzbefehl-App erstellt haben. Wir können sie wie die anderen Shortcuts mit einer Clicks-Tastenkombination belegen. Entsprechend haben wir den Start von Chrome mit Clicks+C belegt. Zusammen mit der Kurzbefehle-App lassen sich auch Anwendungen mit der Clicks-Tastatur starten, der Focus-Modus etc.
Anders als bei den voreingestellten System-Shortcuts über die CMD-Taste müssen wir bei den Clicks-Shortcuts die belegte Taste zweimal drücken. Um Chrome zu starten, drücken wir Clicks+CC. Der App-Umschalter lässt sich entsprechend mit Clicks+AA aufrufen. Auch das ist systembedingt und liegt nicht an Clicks selbst. Über eine separate Taste lässt sich noch die Bildschirmtastatur aufrufen, eine Mikrofontaste öffnet bei einem längeren Druck die Spracheingabe für Siri.
Clicks lässt sich über eine eigene App steuern, wenngleich sie für die Nutzung nicht notwendig ist. In der App können wir einstellen, ob mit einem Doppelklick auf Shift Caps Lock aktiviert wird oder mit einem Doppelklick auf die 123-Taste der Alt Lock. Außerdem können wir den Cursor-Mode aktivieren: Drücken wir danach die Tastenkombination 123+CMD, fungieren WASD und IJKL als Cursortasten.
Gute, regelbare Hintergrundbeleuchtung
Darüber hinaus kann die Hintergrundbeleuchtung der Clicks-Tastatur eingestellt werden. Wir können die Helligkeit bestimmen, die auf 50 Prozent voreingestellt ist, und den Timeout. Der liegt standardmäßig bei fünf Sekunden. Die Beleuchtung kann mit der Tastenkombination 123+Mikrofontaste deaktiviert werden, sofern die in der Clicks-App aktiviert ist. Die Tastaturbeleuchtung ist gleichmäßig und leuchtet die Buchstaben auf den Tasten gut aus.
Was Clicks im Vergleich zu den Tastaturen der letzten Blackberry-Smartphones nicht hat, ist ein in der Tastatur eingebautes Touchpad. Wir können in Texten nicht nach unten und oben scrollen, ein Druck auf die Leertaste scrollt ausschließlich nach unten. Auch zur Bewegung des Cursors fänden wir eine Touch-Funktion praktisch, vor allem bei unserem iPhone 16 Pro Max, wo der Weg von der Tastatur zum Text auf dem Display mitunter weit ist. Ohne Touch gibt es auch die praktische Wortauswahl per Swipe nicht, die die späteren Blackberrys hatten.
Clicks ist noch ein neues Produkt, deswegen werfen wir den Machern nicht vor, dass sie eine das Gerät wahrscheinlich deutlich komplexer machende Touchfunktion nicht verbaut haben. Dafür hat Clicks bei der zweiten Version der Tastatur die Tasten angeschrägt und die Clicks-Taste eingeführt, was wir wertschätzen.
Clicks dürfte manche Hosentasche sprengen
Was Interessenten an Clicks bedenken sollten: Ihr iPhone verlängert sich um gut 42 mm. Somit passt es nur noch knapp in die Hosentasche einer Levi's 501, die relativ große Taschen hat. Auch dann ist es nicht mehr angenehm, sich mit einem Clicks-iPhone hinzusetzen. Bei Hosen mit kleineren Taschen wird das iPhone mit Clicks herausschauen.
Clicks hat keinen eigenen Akku, es soll den Machern zufolge nur geringe Auswirkungen auf die Laufzeit des iPhone haben. Bei intensiver Nutzung ohne Hintergrundlicht soll der Akku durch Clicks weniger als zwei Prozent Akkustand am Tag verlieren. Bei starker Nutzung mit Beleuchtung soll der Akku um etwa vier Prozent belastet werden.
Clicks hat einen USB-C-Eingang, über den das iPhone geladen werden kann. Earpods mit Kabel lassen sich an dem Anschluss jedoch nicht verwenden. Die Clicks-Hülle für die iPhone-16-Reihe ermöglicht das Laden mit Magsafe, die Hüllen der früheren Modelle nicht.
Verfügbarkeit und Fazit: Clicks
Clicks ist auf der Webseite des Herstellers erhältlich. Der versendet ohne zusätzliche Versandkosten auch nach Deutschland. Eventuell fallen Einfuhrgebühren an. Die Clicks-Tastatur für das iPhone 16(öffnet im neuen Fenster) und 16 Pro kostet 130 Euro, für das iPhone 16 Plus und 16 Pro Max 150 Euro. Verfügbar sind die Farben Grau, Orangerot und Hellblau.
Die Preise für die iPhone-15-Modelle(öffnet im neuen Fenster) sind identisch. Für die kleinen Modelle kostet Clicks 130 Euro, für die großen 150 Euro. Es gibt die Farben Gelb, Dunkelblau, Grau und Pink. Bei der iPhone-14-Reihe(öffnet im neuen Fenster) ist Clicks nur für das iPhone 14 Pro erhältlich, in Grau oder Gelb für 130 Euro.
Für das iPhone 15 Pro gibt es Clicks auch mit Qwertz-Layout(öffnet im neuen Fenster) in Grau für 136 Euro. Bis auf das mit dem Y vertauschte Z ist die Tastaturbelegung identisch. Auch ein französisches Azerty-Layout(öffnet im neuen Fenster) steht zur Verfügung. Neue Qwertz-Tastaturen sollen nicht erscheinen - sind unserer Meinung nach aber auch nicht notwendig.
Fazit
Clicks ist eine gut durchdachte Tastaturhülle für jene iPhone-Besitzer, die beim Tippen eine physische Tastatur haben wollen. Die Hülle schützt das Smartphone, wenngleich wir finden, dass sie für den Preis sauberer gearbeitet sein könnte. Schlecht verarbeitet ist sie allerdings nicht.
Wo es drauf ankommt, bietet Clicks eine sehr gute Qualität: bei der Tastatur. Die klickt angenehm beim Tippen und hat eine gute Hintergrundbeleuchtung. Die Systemshortcuts und die zusätzlich programmierbaren Clicks-Mode-Shortcuts sind praktisch - vor allem im Zusammenspiel mit den Kurzbefehlen, die wir in iOS programmieren können.








Wir mussten uns erst wieder an eine physische Tastatur am Smartphone gewöhnen, nach einigen Tagen war uns Clicks aber vertraut. Nicht anfreunden konnten wir uns mit der Kopflastigkeit, wenn wir Clicks zusammen mit einem iPhone 16 Pro Max verwenden.
Mit kleineren iPhones dürfte das weniger ein Problem sein, bei den Max-Modellen reichen die kleinen Gewichte aber nicht, die Clicks in den unteren Teil unter der Tastatur eingebaut hat. Mit der richtigen Halteposition lässt sich das etwas kompensieren, am Ende müssen Nutzer großer iPhones die Kopflastigkeit wohl schlicht als Preis für die Nutzung der guten Tastatur hinnehmen.
Nachdem wir Clicks einige Zeit verwendet haben, glauben wir nicht, dass wir mit der physischen Tastatur schneller tippen als mit einer guten Displaytastatur. Vor zehn Jahren waren echte Tastaturen der Displaykonkurrenz möglicherweise noch voraus, mittlerweile nicht mehr. Vor allem wenn man einhändig etwas mit Wischmodus tippt, wie Gboard das anbietet, ist man im Zweifel schneller als mit Clicks.
Das ändert nichts daran, dass Clicks eine gute Tastaturhülle ist, die Fans finden wird. Der Gründer Michael Fisher hofft, dass eine Million Nutzer Clicks verwenden werden. Wer mit einem iPhone wie mit einem Blackberry tippen möchte, sollte sich die Tastaturhülle anschauen - sofern man bereit ist, mindestens 130 Euro zu investieren.



