Click-Bait-Anreize: Justizministerin warnt vor Risiken des Leistungsschutzrechts

Die SPD kritisiert die Pläne für ein europäisches Leistungsschutzrecht. Doch an einer sehr fragwürdigen Argumentation will auch Justizministerin Barley festhalten.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Justizministerin Katarina Barley kritisiert die Pläne für das Leistungsschutzrecht.
Justizministerin Katarina Barley kritisiert die Pläne für das Leistungsschutzrecht. (Bild: Michele Tantussi/Getty Images)

Bundesjustizministerin Katarina Barley hält das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverleger für teilweise ungeeignet, um Qualitätsjournalismus zu fördern. Die SPD-Politikerin bekräftigte auf Anfrage von Golem.de ihre Kritik, die sie am vergangenen Montag ausführlich auf dem Kongress der Zeitungsverleger in Berlin geäußert hatte. Während Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung sie dafür heftig rügten, erhält sie Unterstützung von der SPD-Bundestagsabgeordneten Saskia Esken.

Inhalt:
  1. Click-Bait-Anreize: Justizministerin warnt vor Risiken des Leistungsschutzrechts
  2. Kommt der Lizenzierungszwang für Google?
  3. Double-win-Situation für Verlage

In ihrer Rede, die von dem Medienjournalisten Jörg Wagner vollständig veröffentlicht wurde, kritisiert Barley vor allem das vorgesehene Ausschüttungsmodell, wie es derzeit bereits von der Verwertungsgesellschaft (VG) Media praktiziert wird. Sollte das europäische Leistungsschutzrecht anders als in Deutschland und Spanien tatsächlich zu nennenswerten Einnahmen führen, gebe es Effekte, "die man im Auge haben muss", sagte Barley.

Click-Baiting wird gefördert

Dazu zähle beispielsweise das Ungleichgewicht zwischen kleinen Angeboten und der Lokalpresse, die nicht über die Marktmacht der großen Medien verfügten, ihre Inhalte zu monetarisieren. Barley fügte hinzu: "Ich weise auf eine weitere Gefahr hin beim Leitungsschutzrecht. Nämlich, dass am Ende möglicherweise nicht Qualität, sondern Quantität monetarisiert wird." Beispielsweise durch Artikel mit besonders reißerischen Überschriften.

Die Bedenken Barleys sind nicht unbegründet. Einer Analyse von Golem.de zufolge würde der Axel-Springer-Verlag derzeit einen Großteil der Einnahmen einstreichen. Kleine Lokalzeitungen erhielten nur einen Anteil im Promille-Bereich, der ihnen kaum das Überleben sichern würde. Die Einnahmen werden nach einem von der VG Media festgelegten Schlüssel verteilt: 2 Prozent davon werden pauschal an alle Angebote ausgeschüttet, 74 Prozent nach den IVW-geprüften Klickzahlen an alle Angebote, 24 Prozent hingegen nur an Angebote, die mehr als fünf Redakteure haben.

Gefahr durch Auslistung seriöser Medien

Stellenmarkt
  1. Mitarbeiter/in Projektmanagement (m/w/d)
    Hochschule Furtwangen, Tuttlingen
  2. Function Developer (m/w/d) Special Engines / Vehicle Solutions
    Rolls-Royce Solutions GmbH, Friedrichshafen
Detailsuche

Unterstützung erhält Barley dabei aus der SPD-Fraktion. "Ich teile die Einschätzung der Justizministerin und ich gehe davon aus, dass sich die Bundesregierung in den Verhandlungen für eine entsprechende Überarbeitung der bislang vorliegenden Vorschläge einsetzen wird", sagte die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken auf Anfrage von Golem.de. Anders als Barley hält Esken jedoch das Instrument Leistungsschutzrecht generell für falsch, weil es zum einen sein Ziel verfehle, "und zum anderen mit erheblichen Kollateralschäden verbunden ist". Vor solchen negativen Folgen hatte auch der CDU-Netzpolitiker Thomas Jarzombek auf Golem.de eindringlich gewarnt.

Eine Gefahr besteht nach Ansicht Jarzombeks darin, wenn Onlinedienste solche Angebote komplett auslisten, die auf Lizenzzahlungen bestehen. "Wenn ich erreichen will, dass mehr Qualitätsinhalte zu sehen sind und die politische Emotionalität ein bisschen differenzierter und rationaler betrachtet wird, dann kann ich kein Interesse haben, bei Google diejenigen Medien zu verbannen, die noch für eine vernünftige Darstellung sorgen. Bei einem Leistungsschutzrecht würde das im Zweifel passieren", sagte der CDU-Politiker.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Kommt der Lizenzierungszwang für Google? 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


User_x 12. Nov 2018

Wenn es zur Pflicht per Gesetz wird, schon. Genauso kann man sehr wohl argumentieren...

SchreibenderLeser 11. Nov 2018

Doch, das bestätigt was ich sage. Dann werden die Großen stärker und die kleinen schwächer.

Seismoid 11. Nov 2018

+ Aha. Das sollte man bei Google aber vorsichtshalber vorher mit einem Anwalt...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Erdbeben und Vulkanausbrüche
Glasfaserkabel als Frühwarnsystem

Seismografen registrieren Bodenbewegungen, Glasfasern können das aber besser. Forscher hoffen, mit ihnen Erdbeben und Vulkanausbrüche besser vorhersagen zu können.
Ein Bericht von Werner Pluta

Erdbeben und Vulkanausbrüche: Glasfaserkabel als Frühwarnsystem
Artikel
  1. Visual Studio Code im Web mit Gitpod: Ein Gewinn für jede Tool-Sammlung
    Visual Studio Code im Web mit Gitpod
    Ein Gewinn für jede Tool-Sammlung

    Helferlein Der Code-Editor Visual Studio Code erobert den Browser und die Remote-Arbeit - und das Kieler Unternehmen Gitpod ist mit seiner Lösung ganz vorne mit dabei.
    Von Kristof Zerbe

  2. Gigaset GL7: Neues Klapphandy mit KaiOS und Sicherheitsfunktion
    Gigaset GL7
    Neues Klapphandy mit KaiOS und Sicherheitsfunktion

    Das GL7 von Gigaset ist ein klassisches Klapphandy, auf dem auch moderne Apps wie Whatsapp und Google Maps laufen.

  3. Memory Sanitizer: Neues Kernel-Werkzeug findet 300 Speicherfehler
    Memory Sanitizer
    Neues Kernel-Werkzeug findet 300 Speicherfehler

    Trotz Compilerwarnungen und -Werkzeuge gibt es weiter neue Speicherfehler im Linux-Kernel. Ein Memory Sanitizer soll das zum Teil verhindern.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • HP HyperX Gaming-Headset -40% • Corsair Wakü 234,90€ • Samsung Galaxy S20 128GB -36% • Audible -70% • MSI RTX 3080 12GB günstig wie nie: 948€ • AMD Ryzen 7 günstig wie nie: 259€ • Der beste 2.000€-Gaming-PC • Cooler Master 34" UWQHD 144 Hz günstig wie nie: 467,85€ [Werbung]
    •  /