Cleverbuy ist insolvent: Betrugsvorwürfe und über 1.000 Strafanzeigen gegen Chef
Die Ankaufplattform Cleverbuy hat den gesamten Geschäftsbetrieb eingestellt und aufgrund von Zahlungsproblemen einen Insolvenzantrag gestellt. Kunden werden gebeten, keine Altgeräte mehr zuzusenden. Eine Annahme von Einsendungen werde abgelehnt, heißt es in einer Kundeninformation auf der Cleverbuy-Webseite(öffnet im neuen Fenster).
Mit dem noch zu benennenden Insolvenzverwalter sollen Lösungen gefunden werden, "damit die Forderungen unserer Gläubiger weitestgehend befriedigt werden können", heißt es weiter. Am 20. April 2026 war der Prozessauftakt unter anderem gegen den Cleverbuy-Geschäftsführer.
Gegen Cleverbuy liegen mehr als 1.000 Strafanzeigen vor und im laufenden Verfahren vor dem Landgericht Krefeld werden 115 Fälle verhandelt, berichtet die Rheinische Post(öffnet im neuen Fenster). Dabei geht es um den Vorwurf gewerbsmäßigen Betrugs, mit dem sich die Beschuldigten einen erheblichen Vermögensvorteil verschafft haben sollen. Mitangeklagt ist eine leitende Mitarbeiterin des Unternehmens. Der Geschäftsführer sitzt seit Mitte April 2026 wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.
Verbraucherschützer warnen seit Herbst 2024 vor Cleverbuy
Seit Herbst 2024 warnen Verbraucherschützer vor Cleverbuy, weil Kunden laut Betroffenen ihre Zahlungen für eingeschickte Smartphones, Tablets und Ähnliches entweder verspätet oder gar nicht erhalten. Um solche Fälle geht es auch in dem laufenden Gerichtsverfahren.
Der Hauptangeklagte ist ein 59-jähriger Beamter, der nach Angaben seines Verteidigers hauptberuflich bei der Deutschen Bahn tätig ist. Neben den 115 Anklagepunkten gebe es zahlreiche weitere Anzeigen von Privatkunden, die bislang nicht zur Anklage gebracht wurden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Das Ausmaß ist also noch viel größer.
Das wird vor Gericht verhandelt
Zudem liege eine zweite Anklage nach Strafanzeigen der Unternehmen Apple und Samsung vor. In weiteren 21 Fällen seien gebrauchte Waren als vermeintlich neuwertig verkauft worden. Die Geräte sollen mit gefälschten Siegeln und in nachgeahmter Originalverpackung der Hersteller weiterverkauft worden sein. In diesem separaten Verfahren wird auch gegen einen mutmaßlichen Komplizen aus Moers ermittelt.
Mit einer Vorgängerfirma soll der Cleverbuy-Geschäftsführer bereits mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert gewesen sein. Der Verteidiger des Angeklagten sah keinen Betrug, sondern sprach immer wieder von "Störungen im Geschäftsbetrieb".
Verteidiger bezeichnete Cleverbuy vor einer Woche als profitables Unternehmen
Noch vor Gericht gab der Verteidiger an, Cleverbuy sei ein profitables Unternehmen. Eine Woche später wurde der Geschäftsbetrieb wegen Zahlungsunfähigkeit komplett eingestellt. "Ich stelle in Abrede, dass es einen gemeinschaftlichen Plan gegeben hat, um sich zum Nachteil privater Kunden unrechtmäßig zu bereichern", erklärte der Anwalt vor Gericht.
Die Bankenaufsicht Bafin habe verlangt, dass Cleverbuy ein internes Wallet-System aufgeben musste, worüber Kundenguthaben verrechnet werden sollten. Im Dezember 2025 habe die Bauaufsicht den Betrieb aus Brandschutzgründen untersagt und das Unternehmen habe kurzfristig Ersatzlösungen finden müssen. Dies habe zusammen mit Personalengpässen, Ausfällen des Onlineshops und verloren gegangenen Paketsendungen zu Problemen bei der Abwicklung geführt, rechtfertigt der Anwalt die Probleme etlicher Cleverbuy-Kunden.



