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Clean-up-Zertifikat: CO2-Pfandsystem beschleunigt Klimaschutz, ist aber riskant

28 Milliarden Euro könnten gespart und die Emissionen der EU halbiert werden, wenn nicht für den Ausstoß, sondern das spätere Aufräumen bezahlt wird.
/ Mario Petzold
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Im dänischen Esbjerg wird CO2 verflüssigt und für die Speicherung am Meeresgrund zwischengelagert. (Bild: AFP via Getty Images/Jonathan Nackstrand)
Im dänischen Esbjerg wird CO2 verflüssigt und für die Speicherung am Meeresgrund zwischengelagert. Bild: AFP via Getty Images/Jonathan Nackstrand

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)(öffnet im neuen Fenster) hat einen Mechanismus entwickelt, der das Prinzip der Pfandflasche auf CO 2 überträgt. Die Prognose zeigt, dass bei geringeren Kosten für die Wirtschaft eine Halbierung der CO 2 -Emissionen erreichbar wäre.

Im Grunde wird dann nicht mehr für Emissionen, sondern für die Entnahme aus der Atmosphäre in der Zukunft bezahlt. Die Wirtschaft würde weniger belastet, während parallel Investitionen in Technologien zur CO 2 -Abscheidung belohnt werden. Kosten für die Beseitigung der Emissionen entstehen erst in der Zukunft und der technische Fortschritt könnte gleichzeitig zu deren Reduzierung beitragen.

Irgendwann müssen die Emissionen negativ werden

Auch über das Jahr 2050 hinaus könnte das Vorgehen dabei helfen, die Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Atmosphäre wieder abzusenken. Die notwendige Technik und der dazugehörige Industriezweig hätten sich bereits entwickelt, um die negativen Folgen des Klimawandels deutlich zu verringern.

Das PIK rechnet vor, dass sich die Unternehmen für die Zukunft zu einer höheren Entnahme von CO 2 bereiterklären müssten, als in den Prognosen zu den zukünftigen Emissionen vorgesehen ist. Das gelingt durch den Austausch der jetzigen Emissionsrechte gegen eine veränderte Gesamtmenge an sogenannten Clean-up-Zertifikaten, die zum späteren Aufräumen verpflichten.

Für die gesamte Wirtschaft der EU ergäben sich dann Einsparungen von 4 Prozent, während die CO 2 -Emissionen von 14 Milliarden Tonnen, die nach 2030 überhaupt noch ausgestoßen werden dürften, auf 7 Milliarden sinken.

Nicht ohne Risiken

Zugegeben, der Beitrag der EU zum Klimawandel hat sich in den letzten 30 Jahren stark verringert. Allein China stößt 15 Milliarden Tonnen pro Jahr aus. Aber die erfolgreiche Umsetzung des Prinzips inklusive wirtschaftlicher Vorteile und technischer Innovationen könnte eine Signalwirkung haben.

Gefährlich scheint vor allem die Verlagerung des Handelns in die Zukunft zu sein. Es wird darauf gesetzt, dass die Unternehmen zukünftig tatsächlich tätig werden. Auch wird auf eine Technologie gewettet, die noch längst nicht ausgereift ist und deren Potenzial vielleicht überschätzt wird.

Wobei auch die Vernässung von Mooren und die Bildung von Humus CO 2 aus der Atmosphäre entnehmen, hierbei ist es aber deutlich schwieriger, genaue Zahlen zu ermitteln. Geschönte Berechnungen in den Bereichen bergen ebenfalls ein hohes Risiko.

Die Studie zur Einführung und den Auswirkungen der Clean-up-Zertifikate ist im Journal of Environmental Economics and Management(öffnet im neuen Fenster) erschienen.


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