Bei einer Tasse Kaffee lässt sich vieles klären
Ich will mich nicht zu wichtig nehmen. Aber, wären die Sicherheitsorgane damals nicht auf meinen Namen gekommen, würde ich selbst einräumen, dass sie schlampen. Ich bin nur sauer, dass diese Idioten nicht einfach anrufen. Bei einer Tasse Kaffee lässt sich vieles klären. Dass obendrein ein sonniger Septembertag die Welt 2001 in eine unheilbare Paranoia stürzen würde, konnte ich damals nicht ahnen. Zurück zu den Briefen, die ich nach zehn Jahren als mutmaßliche Zielperson geschrieben habe und zu den Antworten.
Diese Schriftwechsel sind eine spannende Testreihe zur persönlichen Freiheit und zum Schutz der Privatsphäre. Seitdem habe ich es schwarz auf weiß. Ich bin ein geheimer Vorgang - classified matter. NSA und CIA wollen mir nicht genau sagen, was los ist. Aber ich finde es nett, dass sie antworten. Das liest sich auf Deutsch ungefähr so: "Sie liegen auf unserem Stapel für zu erledigende Geheimsachen. Deshalb geben wir Ihnen keine Auskunft darüber, dass Sie, lieber Herr Priebe, terrorverdächtig sind."
Seit mir bewusst wurde, dass sie mich noch nicht erledigt haben und ich das mit den Drohnen weiß, zucke ich zusammen, wenn ich den ADAC-Hubschrauber höre. Egal was dahinter steckt, die Schreiben offenbaren eine technokratische, die Freiheit des Menschen verachtende Logik: Wir sagen Ihnen nicht, ob wir etwas über sie gespeichert haben. Wir sagen Ihnen schon mal, dass das, was wir gespeichert oder nicht gespeichert haben, unter "internationaler Terrorismus" abgelegt wurde. Sie können jetzt Widerspruch einlegen, aber ändern wird das nichts, Sie armes Würstchen! So klingt das für mich. Diese strukturelle Arroganz demokratischen Prinzipien gegenüber begegnet mir auch im Kontakt zur deutschen Staatssicherheit.
NSA und CIA haben schnell geantwortet. Ich hoffe, die Postfrau hat sich von dem Schreck erholt. Die haben schönes Büttenpapier und gepolsterte Umschläge. Zur gleichen Zeit kommen Antwortschreiben des FBI und des britischen MI5. Auch BND, Verfassungsschutz und LKA-Briefe habe ich abgeheftet. Mit dem Verfassungsschutz war es besonders lustig. Den militärischen Abschirmdienst (MAD) habe ich vergessen, wobei der in Bezug auf die Nato-Recherchen am ehesten infrage kommt. Wer soll aber auch durchsehen bei diesen vielen Geheimdiensten? Dass sie es selbst nicht tun, ist seit der Nazi-Mörderbande NSU hinreichend belegt.
Seit der Jahrhundertwende weiß ich, welche Hinweise Geheimdienste einem geben, um anzuzeigen: Pass auf, wir beobachten dich! Ich spreche darüber nicht, denn jedes Detail klingt so als hätte es mein Lieblingsschriftsteller John Grisham erfunden. Bleiben wir also bei den Fakten, dem was in der Akte geschrieben steht.
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| Classified Matter: Mein Briefwechsel mit der NSA | FOIA - ein Akt der nackten Freiheit |










So läuft es nunmal ab in unserem System - finde dies aber auch nicht sonderlich...
nach "Mein Leben als Terrorist" Uralt aber war auch nie aktueller als heute.
Aha, wenn jemand mal erzählt wie es ist, diesem paranoiden, selbstverliebten Haufen von...
+1. Siehe auch [1]: "... Section 1.4 - Information shall not be considered for...