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Classic, Smart und Smart Ready: Warum Bluetooth nicht gleich Bluetooth ist

CES 2014
Bluetooth ist schon seit einiger Zeit ein Dual-Radio-System, das sich 2014 erheblich wandeln wird und sogar NFC ablösen könnte. Chuck Sabin von der Bluetooth SIG hat mit uns über das Bluetooth-Wirrwarr gesprochen - und Besserung in Aussicht gestellt.
/ Andreas Sebayang
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Bluetooth Smart wird ein wichtiger Standard für kommende Wearables. (Bild: Bluetooth SIG)
Bluetooth Smart wird ein wichtiger Standard für kommende Wearables. Bild: Bluetooth SIG

Wenn es um Bluetooth geht, muss der Nutzer seit der Version 4.0 aufpassen, was er eigentlich meint. Denn es gibt nicht nur Bluetooth 1.2, 2.0, 2.1, 3.0, 4.0 und 4.1, sondern auch Bluetooth Smart(öffnet im neuen Fenster) sowie Bluetooth Smart Ready. Die letzten beiden sind - nicht technisch gesprochen - Bestandteil der Version 4.0. Die Unterstützung dieser Modi ist für die Hersteller aber nicht etwa verpflichtend, sondern nur optional. Das ist soweit seit April 2010 bekannt, als Bluetooth 4.0 von der SIG vorgestellt wurde . Doch erst jetzt wird das Thema langsam wichtig.

Wir haben mit Chuck Sabin, dem Direktor für Produktplanung bei der Bluetooth Special Interest Group, kurz SIG, gesprochen. Dieser Verband wird manchmal auch als Bluetooth-Konsortium bezeichnet. Thema der Unterhaltung auf der CES 2014 waren Irrungen und Wirrungen rund um den Bluetooth-Standard. Dieser Nahbereichsfunk war schon immer ein Sammelsurium an Optionen. Anfangs verwirrten etwa die vielen Bluetooth-Profile, die von unterschiedlichen Bluetooth-Stacks unterstützt wurden. Hier ging es darum, so Sabin, dass die Geräte nur das können, was sie können müssen. Bei Bluetooth Smart und Smart Ready ist das ähnlich.

Assoziationen mit "HD Ready" sind falsch

Das Smart Ready dürfte bei vielen für Irritationen sorgen. Schließlich gab es im TV-Bereich lange die Mogelpackung "HD Ready", die nichts anderes bedeutete als "HD in schlecht". Bei Bluetooth ist das anders: Smart Ready bezeichnet die Fähigkeit, beides einzusetzen, nämlich Bluetooth Smart und sozusagen Bluetooth Classic. Auf dem Bluetooth-Modul sitzen dementsprechend zwei verschiedene Funkeinheiten: eine für Bluetooth 4.0 oder 4.1 und die andere für Bluetooth Smart alias Low Energy. Letzteres sei vergleichsweise langsam, aber dafür ausgelegt, mit einer einfachen Knopfzelle mitunter monatelang durchzuhalten, sagte Sabin. Dieser Standard wird von den Geräteherstellern auch oft als "Bluetooth LE" abgekürzt.

Auf der CES 2014 wurde der Vorteil vor allem durch den Trend zu den sogenannten Wearable Devices deutlich. Auf der Messe zeigten unterschiedliche Hersteller zahlreiche Konzepte für Gerätschaften, die am Körper getragen werden. Das Letzte, was der Anwender will, ist der ständige Wechsel der Batterien oder das Aufladen des Akkus in seiner Kleidung. Dafür ist eine hohe Geschwindigkeit in solchen Situationen nicht wichtig. Dabei sind Wearables typischerweise reine Bluetooth-Smart-Geräte.

Wearables brauchen kein Bluetooth Classic

Sabin erklärte, dass diese Geräte kein klassisches Bluetooth brauchten. Hier kommt also wieder der Gedanke der Profile zum Einsatz. Das heißt aber auch, dass sich Smart-Geräte mit klassischen Bluetooth-Geräten nicht unterhalten können - auch nicht mit aktuellen 4.0- oder kommenden 4.1-Geräten, die tatsächlich nur Bluetooth können. Nur wenn die Gegenseite Bluetooth Smart unterstützt, ist ein Datenaustausch möglich.

In der Praxis sind aktuelle Bluetooth-Chipsätze ab 4.0 unter Windows aber immer Smart Ready. Wie Sabin sagte, ist das eine Bedingung für Windows-8-Geräte. Ein aktuelles Notebook, das nur Bluetooth 4.0 ohne die zweite Funkeinheit für Low Energy hat, konnte Sabin nicht nennen.

Apple unterstützt Bluetooth Smart seit dem iPhone 4S

Auch Apple setzt schon lange konsequent auf Bluetooth Smart Ready. Das weiß aber kaum jemand, da der Konzern kein Freund von erklärenden Logos ist und in seinen öffentlichen Datenblättern gerne allzu technische Informationen verschweigt. Seit dem iPhone 4S verbaue Apple Bluetooth Smart, so Sabin. Wer in das Datenblatt schaut, liest selbst beim aktuellen iPhone 5S nur etwas von "Bluetooth 4.0 wireless technology" . Mit anderen Worten: Mit allen aktuellen iOS-Geräten lassen sich Wearables prinzipiell koppeln.

Android-Geräte sind da etwas hinterher. Erst mit der Android-Version 4.3 sei Bluetooth Smart umgesetzt worden, erklärte uns Sabin. Während bei iOS-Geräten so ein Update selbstverständlich ist, haben manche Android-Nutzer hier einen großen Nachteil, wie wir schon häufiger feststellten. Android 4.3 genügt allerdings nicht, denn die Bluetooth-Hardware muss noch "Smart Ready" sein.

Bluetooth Smart verwirrt in der Praxis

Mitunter ist Bluetooth Smart unserer Erfahrung nach problematisch, vor allem in der Vergangenheit. So ließ sich bei einem älteren Test eine Bluetooth-Smart-Maus (Mad Catz Rat M) von einem Retina-Macbook mit OS X 10.8 nicht ansprechen. Das Gerät wollte nur unter nativ gebootetem Windows 8 mit dem Mac zusammenarbeiten. Mit einer virtuellen Maschine wiederum klappt es natürlich ebenfalls nicht, da das Host-Betriebssystem die Kommunikationsverbindung nicht aufbauen kann.

Bei unserem Test des Panasonic Ultrabooks CF-AX2 konnten wir trotz Bluetooth 4.0 keine Verbindung aufbauen. Panasonics Notebook ist in Japan schon relativ lange auf dem Markt und zeigt, dass es auch 4.0-Single-Radios in Notebooks gibt, obwohl das Convertible mit Windows 8 ausgeliefert wird. Das neuere Sony Vaio Pro, das wir auch testeten , ist hingegen Smart Ready. Sony hält es allerdings wie Apple und nennt nur die Bluetooth-4.0-Fähigkeit. Immerhin wird High Speed noch extra benannt, was seit Bluetooth 3.0 eine Option ist.

Bluetooth-Smart-Maus mit Dongle

Aus diesem Grund legen Maushersteller einem Bluetooth-Smart-Gerät einen Dongle bei. Interessanterweise ist die Mad-Catz-Maus nicht Bluetooth Smart Ready. Das Ganze sorgt verständlicherweise für Konfusion, wie auch Sabin zugeben musste. Die SIG arbeitet bereits seit längerem an Abhilfen. Sie will mit einer Logo-Kampagne die Hersteller dazu bringen, Bluetooth Smart auch als solches erkennbar zu machen. Das soll geschehen, obwohl im Laufe der Zeit zumindest eine Seite, nämlich die Notebooks, Smartphones und Tablets, eigentlich überwiegend Smart-Ready-Geräte sein sollten. Dual-Radio wird in den nächsten Jahren zum Normalfall werden, weil es immer mehr Low-Energy-Geräte geben wird.

Auf der anderen Seite, bei den koppelbaren Kleingeräten wie Lautsprechern, Mäusen oder auch den neuen Wearables, wird es hingegen dabei bleiben, dass nur das unterstützt wird, was benötigt wird. Sabin erklärte uns beispielsweise, dass Hersteller noch immer Bluetooth 2.1 vorzögen, weil dieser Standard sehr robust sei und gleichzeitig die Chips günstig zu haben seien. Neue Standards bieten für portable Lautsprecher keine Vorteile. Weder brauchen sie das optionale High Speed von Bluetooth 3.0 noch das optionale Low Energy von Bluetooth 4.0. Deswegen zertifiziert die Bluetooth SIG auch noch 2.1-Geräte. Im Laufe der Zeit, so gab sich Sabin überzeugt, werde sich das ändern, und mehr und mehr Hersteller würden zu modernen Bluetooth-Chips wechseln. Für die Wearables müssen sie das ohnehin tun. Und die neuen winzigen Geräte haben mit Bluetooth Smart auch das Potenzial, einen anderen Standard unter Druck zu setzen.

Bluetooth Smart als NFC-Ersatz

Noch bevor NFC so richtig loslegen kann, hat sich nämlich unbemerkt eine mächtige Konkurrenz etabliert. Bluetooth Smart eignet sich zusätzlich als Nahfunkanwendung und ist sehr energiesparend. Zwar betonte Sabin, dass sich Bluetooth und NFC ergänzen - so wird NFC beispielsweise benutzt, um eine Bluetooth-Kopplung einfach durchzuführen -, aber Bluetooth Smart könnte auch für Mobile Payment Verwendung finden. Das ist ein Bereich, den die NFC-Verfechter für sich beanspruchen.

Für die Zukunft werden sich diese Geräte zudem als "Internet der Dinge" vernetzen können. Mit Bluetooth 4.1 hat die SIG bereits die Voraussetzungen geschaffen . Das Koppeln ist laut Sabin robuster geworden und der dedizierte Kanal für die Durchleitung von Daten mittels IPv6 ist bereits eingebaut. Zudem wird es auch ein Profil für IPv6-Kommunikation geben. Es ging laut Sabin vor allem darum, die Spezifikation frühzeitig zukunftssicher zu machen.

Wann dieser Teil der Spezifikation fertig wird, ist bisher nicht bekannt. Auf eine Aussage zur Versionsnummer von Bluetooth mit IPv6 wollte sich Sabin auch auf Nachfrage nicht festlegen.


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