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Civilization: Das Spiel mit der Geschichte

Wer schon immer Weltgeschichte schreiben wollte, ist bei Civilization richtig. Aber wie frei ist der Spieler dabei wirklich? Golem.de hat einen wissenschaftlichen Blick auf die Abläufe in dem Strategiespiel geworfen - und viele Ungenauigkeiten sowie einen überbordenden Eurozentrismus entdeckt.

Eine Analyse von veröffentlicht am
In Civilization darf jeder die Weltgeschichte schreiben, wenn sie den Regeln entspricht.
In Civilization darf jeder die Weltgeschichte schreiben, wenn sie den Regeln entspricht. (Bild: 2K)

Es ist so weit: Civilization geht in die sechste Generation. Seit 25 Jahren führen Spieler in dem Strategiespiel ihr Volk durch 6.000 Jahre, von der Steinzeit bis zum modernen Staat. Die Weltgeschichte neu zu schreiben, fasziniert nicht nur Spieler, sondern auch Historiker. Wie anders hätte die Geschichte verlaufen können, wenn die Menschen nur andere Entscheidungen getroffen hätten.

Die Serie gehört zu den Vorzeigespielen für die Vermittlung von Wissen in Computerspielen. Tatsächlich lernen Spieler in Civilization viele Details und Hintergründe über einzelne historische Konzepte. Doch es gibt auch Kritik - und das nicht nur, weil natürlich nicht alles historisch korrekt abläuft. Denn ganz so frei, wie er sich fühlt, ist der Spieler nicht. Er ist Europäer. Und dann auch noch einer, der alle anderen Völker unterjochen und beherrschen will.

Weltgeschichte wird kaum unterrichtet

Die Spielregeln geben einige Entwicklungen vor und machen andere völlig unmöglich. Und die Entscheidung, welche das sind, wurde gänzlich aus westlicher Weltsicht getroffen. Das ist kein Zufall. Auch die Programmierer kommen aus diesem Kulturkreis und dürften kaum eine andere Geschichtsschreibung kennen. An Schulen und Universitäten wird bis heute die westliche Sicht der Dinge vermittelt - wenn überhaupt. Weltgeschichte als Schul- und Studienfach ist relativ neu. Es wird zur Zeit praktisch nur in Schulen in den USA als Wahlfach unterrichtet. (Einen guten Überblick über die Inhalte vermittelt die Serie Crash Course World History mit deutschen Untertiteln.)

Es überrascht also nicht, dass die Geschichte in Civilization auf den alten Mustern aufbaut. Außerdem muss das Spiel eine schwierige Anforderung erfüllen, die mit Geschichte nichts zu tun hat: Es muss Spaß machen. Wäre der Spieler kein fast allmächtiger Herrscher über sein Volk, bliebe ihm nur das Zuschauen übrig. Ein polnischer Philosoph ging so weit, Sid Meier einen Fetisch zu unterstellen, das ultimative Weltreich mit dem Spieler als Herrscher errichten zu wollen. Das ist vollkommen korrekt, er vergisst dabei nur, dass es sich um ein Spiel handelt.

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Und bei aller Kritik an dem Spiel, die jetzt folgt, sollte das nicht vergessen werden. Es ist ein Spiel, das Spaß machen soll und auch tatsächlich Spaß macht. Ein Spiel, in dem man immer nur noch eine Runde spielen will, bis es plötzlich sehr viel später ist als vermutet. Aber es ist keine Simulation der Menschheitsgeschichte. An vielen Stellen stellt das Spiel sie falsch dar, sehr oft geprägt von eurozentrischen Sichtweisen und Regeln, die es unmöglich machen, eine sehr viel andere Geschichte als die der Europäer zu durchleben.

Die Wirren des Technologiebaums 
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Destroyer2442 16. Dez 2016

Installier einfach den Mod "Extended Timeline" -> Problem solved

opodeldox 06. Dez 2016

Du meinst die Länder ohne funktionierende Marktwirtschaft?

teenriot* 05. Dez 2016

Sicher, dass das eine offizielle Aussage ist? Das wäre fatal. Ich bin bei dir, das...

Dampfplauderer 05. Dez 2016

..eher erschreckend das es anscheinend für einige neue Informationen sind. CIV hat mit...

der_wahre_hannes 05. Dez 2016

Immerhin verwechselt er nicht Johannes Gutenberg mit Karl-Theodor zu Guttenberg. :P


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