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In Civilization darf jeder die Weltgeschichte schreiben, wenn sie den Regeln entspricht.
In Civilization darf jeder die Weltgeschichte schreiben, wenn sie den Regeln entspricht. (Bild: 2K)

Hat die westliche Welt den Kultursieg geschafft?

Der Eurozentrismus der Geschichte in Civilization wird im neuen Technologiebaum für Kultur noch viel schlimmer. Ab dem Mittelalter lesen sich die kulturellen Errungenschaften jeder Zivilisation wie ein Abriss aus der europäischen Geschichte. Nur sehr wenige Konzepte, wie der öffentliche Dienst, sind wirklich allgemein gehalten. So beschert das Mittelalter jedem, Japanern genauso wie Azteken, den Feudalismus, Mittelalterliche Messen, Gilden und das Gottesgnadentum. Die Ära der Renaissance bringt Entdeckung, Humanismus, Reformierte Kirche, Merkantilismus und die Aufklärung. Kein mongolischer Spieler kann sich gegen den europäischen Lauf der Geschichte stemmen.

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Wenn die Reformation der christlichen Kirche und das europäische Gottesgnadentum verewigt werden, dann muss die Frage gestellt werden, wo die nicht weniger spezifische islamische Umma oder der Konfuzianismus bleiben. Wo genau verortet sich darin der Zusammenschluss der Konföderation der Irokesen? Gehört Voodoo zum antiken Mystizismus oder sollte afrikanischen Völkern zugestanden werden, dass sich auch ihr Mystizimus weiterentwickelt hat?

Der Zustand ist so kaum akzeptabel. Von wenigen sehr allgemeinen Kategorien abgesehen sind die kulturellen Konzepte vollständig aus der europäischen Geschichte entnommen. Der Spieler ist in kultureller Hinsicht gezwungen, die europäische Geschichte nachzuvollziehen und keine andere. Das wirft ein ganz anderes Licht auf den Sieg durch kulturelle Dominanz. Im Spiel selbst kann immer nur eine Kultur dominieren: unsere eigene. Das Spiel zu gewinnen, wenn die eigene Kultur alle anderen Kulturen dominiert, ist fraglos eine gute alternative Spielmechanik, um dem Spiel mehr Abwechslung zu verschaffen. Aber sie hat einen bitteren Beigeschmack, freilich nicht so bitter wie der Sieg durch militärische Dominanz.

Dabei hat Civilization in den vergangenen 25 Jahren schon große Fortschritte gemacht. Die Auswahl der Völker, die der Spieler kontrollieren kann, ist immer größer geworden, und immer mehr Teile der Welt werden repräsentiert. Auch die Weltwunder, die im Spiel gebaut werden können, stammen zu größeren Teilen nicht mehr nur aus der europäischen Geschichte. Zu den im fünften Teil eingeführten Stadtstaaten gehören auch relativ unbekannte afrikanische Kulturen wie Ife oder Kumasi. Trotzdem ist das Spiel noch immer tief mit der eurozentrischen Sicht der Geschichte verwoben.

Der Griff nach den Sternen

Was bleibt, ist der Sieg durch Technologie. Zum ersten Mal rückt das Ziel in greifbare Nähe. Statt ein Raumschiff nach Alpha Centauri zu schicken, genügt diesmal der Flug zum Mars. Das ist anders als alle anderen Siegbedingungen. Der Flug zum Mars ist ein Projekt, das um seiner selbst willen durchgeführt wird. Alle anderen Siegbedingungen laufen auf Dominanz und Unterwerfung aller anderen Völker der Welt hinaus, ein Sieg, der in der echten Welt so niemals geschehen wird und auch nicht im Ansatz geschehen darf.

Der Flug zum Mars ist nicht das Ende der Geschichte. Die Menschheit existiert weiter in genau der Vielfalt, in der sie bis dahin existierte. Mit der gegenwärtigen politischen Entwicklung in der EU, den USA und Russland erscheint es manchmal so, als wäre die Menschheit vielleicht doch in einer viel zu langen Partie Civilization gefangen. Es bliebe dann nur zu hoffen, dass keine der beteiligten Regierungen demnächst einen der anderen Siege anstrebt und sich auch weiterhin alle Spieler darin einig sind, noch eine weitere Runde zu spielen.

Mitarbeit: Stefan Doneker (Akademie der Wissenschaften Wien) und Richard Bulliet (Columbia University, New York).

Stefan Doneker hat sich wissenschaftlich mit Civilization auseinandergesetzt, ihm fiel insbesondere der Eurozentrismus des Spiels auf. Richard Bulliet betonte vor allem die Rolle der Steppenvölker. Er ist einer der Koautoren des Buchs The Earth and its Peoples, ein Lehrbuch zur Weltgeschichte in den USA. In seiner Vorlesungsreihe zur Weltgeschichte spricht er ausführlich darüber.

 Erst die Kanone, dann die Muskete

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Destroyer2442 16. Dez 2016

Installier einfach den Mod "Extended Timeline" -> Problem solved

opodeldox 06. Dez 2016

Du meinst die Länder ohne funktionierende Marktwirtschaft?

teenriot* 05. Dez 2016

Sicher, dass das eine offizielle Aussage ist? Das wäre fatal. Ich bin bei dir, das...

Dampfplauderer 05. Dez 2016

..eher erschreckend das es anscheinend für einige neue Informationen sind. CIV hat mit...

der_wahre_hannes 05. Dez 2016

Immerhin verwechselt er nicht Johannes Gutenberg mit Karl-Theodor zu Guttenberg. :P



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