Lange Hardware-Unterstützung

Wenn schon Linux zum Einsatz komme, wolle man auch alle Vorteile des freien Betriebssystems mitnehmen, sagt Gleim. Dazu gehört auch, dass selbst uralte Hardware heute noch mit einem aktuellen Linux-Kernel bedient werden könne. Dieser Vorteil spielt auch in der Zukunft eine Rolle. Systeme, die sich heute in der Entwicklung befinden, müssen auch noch in zehn oder mehr Jahren ein von der Civil Infrastructure Platform unterstütztes Linux betreiben. Daher müssen im Rahmen der CIP auch Strategien entwickelt werden, wie die verschiedenen Kernel ständigen Tests unterzogen werden können. Dabei hilft sicher, dass die CIP beispielhaft Referenz-Hardware nennt und jegliche Software nur als Quellcode ausliefert. Geplant sei, dass man sowohl normale Linux-Kernel, als auch Versionen mit Real-Time-Fähigkeit bereitstellen wird.

Offen für alle

Das CIP-Projekt startet mit den eingangs erwähnten Firmen und baut nach und nach die erforderliche Infrastruktur auf. Während in diesem Jahr daher noch Standards, Werkzeuge und andere Komponenten definiert werden, soll es 2017 in die Phase der Realisierung gehen.

Bisher wirkt es so, als sei die Civil Infrastructure Platform kein Community-Projekt. "Das ändert sich aber noch. Die CIP wird offen, alle dürfen sich beteiligen", versichert Gleim. Mittlerweile existiert eine öffentliche Mailing-Liste sowie ein frei zugängliches Wiki. Beiträge von anderen Firmen und Entwicklern seien ausdrücklich erwünscht. Interessierte können zudem einen Blick auf den GitHub-Account von Siemens werfen, welcher eine Continuous-Integration-Umgebung für die CIP bereitstellt.

Ein Umdenken findet statt

Urs Gleim wird am Ende unseres Gesprächs nicht müde zu betonen, dass diese kollaborative Form von Zusammenarbeit innerhalb der Industrie für ein großes Umdenken stehe. Die meisten Firmen seien sehr konservativ, allerdings spiele Open-Source-Software eine immer größere Rolle, die selbst konkurrierende Unternehmen zur Zusammenarbeit bewege. "Siemens, Toshiba und Hitachi sind dafür ein gutes Beispiel", fügt Gleim mit einem Lachen hinzu. Der "alten" Industrie werde nach und nach mehr Gewicht in der Open-Source-Welt beigemessen. Dort, wo früher Konzerne proprietäre Lösungen gebaut hätten, werde eine "aktive, für alle sichtbar offene Arbeit immer mehr zunehmen".

Die Automobilindustrie sei der alten, klassischen Industrie dabei schon etwas voraus. "Am Beispiel Automotive sehen wir, dass diese Form der Zusammenarbeit gelingt und auch die Community davon profitieren kann."

Die Bemühungen der Linux Foundation, mehrere Firmen unter einem Dach zur Schaffung einer gemeinsamen Linux-Basis für industrielle Systeme zu bewegen, sind ambitioniert. Herausforderungen wie Langzeitpflege, Hardware-Support und Update-Policies werden viele Ressourcen binden, aber womöglich sehr interessante Lösungen ans Tageslicht bringen. Die Open-Source-Community wird mit hoher Sicherheit von den Beiträgen der Firmen profitieren, wenn diese ihre Änderungen in die offiziellen Code-Zweige bringen wollen.

Die Recherchen rund um diesen Artikel zeigen, dass Linux in der Industrie bereits eine breite Verwendung findet. Daher ist es sinnvoll, einen gemeinsamen Standard zu schaffen. Es bleibt abzuwarten, wie viele Firmen dem CIP-Projekt noch beitreten und auf die gemeinsamen Erkenntnisse zurückgreifen werden. Wenn diese Initiative dazu beiträgt, dass sich auch konservative Unternehmen den Prinzipien von Open Source öffnen und zudem ihre Arbeit auch Dritten zur Verfügung stellen, profitieren womöglich auch kleinere Unternehmen und Projekte.

Valentin Höbel arbeitet als Cloud Architect für die NFON AG aus München. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Open-Source-Technologien und berichtet in Online- und Printmedien von seinen Erfahrungen.

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