Breites Einsatzgebiet für Linux

Auf der Linuxcon Europe 2016 in Berlin vermittelten Urs Gleim und sein Counterpart von Toshiba, Yoshitake Kobayashi, ihre Vorstellung, was genau in "der Industrie" mit Hilfe der gemeinsamen Software-Basis laufen kann. Geplant sei der Einsatz im Bereich Energieerzeugung und -verteilung, bei Öl- und Gasanlagen, bei Wasserversorgung und -aufbereitung, im Gesundheitswesen, im Kommunikationssektor, im Bereich Transport und etwa in städtischen Gegenden, wenn es beispielsweise um automatisierte Abläufe in größeren Gebäuden oder um Abläufe geht, die Technologiekonzerne gerne unter dem Begriff Smart City zusammenfassen.

Zur Veranschaulichung liefert der Vortrag einige Beispiele, bei denen Linux schon jetzt zum Einsatz komme und die Verwendung der CIP nur logisch sei: Im Transportwesen wird Linux unter anderem für die Automatisierung von Schienennetzen oder in Steuerungssystemen in Zügen genutzt. Auch kleinere Automaten, die beispielsweise an Eingängen maschinell Tickets kontrollieren und Zugang zu den Zügen gewähren, laufen bereits unter Linux.

Im Energiesektor gibt es ebenfalls Systeme, die unter Linux laufen und beispielsweise in Kraftwerken verbaut sind. Konkret wird hier als Beispiel ein Controller von Toshiba genannt, der Turbinen kontrolliert.

Linux als logische Wahl

Siemens setzt in der Industrie schon seit über zehn Jahren Linux ein. Seit 2003 existiert auch eine Unternehmenseinheit, in der die Kompetenzen für Linux und Open-Source-Software gebündelt werden."Warum gerade Linux?", wollen wir von Gleim wissen. "Selbst bauen ist teuer und Betriebssysteme sind nicht unser Business. Außerdem: Dem Kunden ist es meist egal, was unter der Haube läuft."

Es sei nur logisch, dass man auf etwas zurückgreife, was sich bewährt habe, quelloffen ist und damit den eigenen Bedürfnissen angepasst werden kann. "Die Vielzahl an Entwicklern aus der Community und von großen IT-Firmen sorgt zudem für eine hohe Qualität, was sich auch in der Testtiefe bemerkbar macht. Gerade im Bereich Security profitieren wir auch von der hohen Geschwindigkeit, in der Fehler beseitigt werden."

Dennoch war Linux bei Siemens und auch bei anderen Größen in der Industrie nicht immer gesetzt. Oftmals galt es, Überzeugungsarbeit zu leisten. Sicher half dabei der Blick in die Zukunft: "Linux wird es in 20 Jahren noch geben", ist sich Gleim sicher. Das echtzeitfähige Microsoft-Betriebssystem Windows Embedded Compact (ehemals Windows CE) hingegen wurde abgekündigt, was bei einigen Kollegen als zusätzliche Motivation für einen Wechsel zu Linux wirkte.

Ein weiterer Vorteil von Open-Source-Software legt schließlich auch den Grundstein für das kollaborative Projekt CIP. Da man sich bei der Civil Infrastructure Platform auf einen Linux-Standard einigen wird, kann der Entwicklungsaufwand über Firmengrenzen hinweg geteilt werden. Was Kosten spart und die Effizienz erhöht, kommt auch der Linux-Community zugute. Es sollen so viele Patches wie möglich upstream eingereicht werden, also in den offiziellen Quellen, um die Pflege von verschiedenen Code-Zweigen zu vermeiden. Laut Gleim werden darunter nicht nur Fehlerkorrekturen, sondern auch funktionale Erweiterungen sowie Code für bessere Hardware-Unterstützung fallen.

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 Civil Infrastructure Platform (CIP): Auf dem Weg zum Einheits-Linux im KraftwerkProduktlaufzeiten bis zu 60 Jahren 
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