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Citroën e-C3 im Praxistest: Citroëns Spar-Auto mit Preisproblem

Citroëns e-C3 ist ein hübscher Kleinwagen mit guten Schnellladeeigenschaften – aber besserer Konkurrenz.
/ Tobias Költzsch
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Der e-C3 von Citroën (Bild: Martin Wolf/Golem)
Der e-C3 von Citroën Bild: Martin Wolf/Golem

Das Angebot an kleinen Elektroautos in Deutschland wird langsam größer. Citroën bietet mit dem e-C3 mittlerweile ebenfalls eine vollelektrische Version seines C3 an, die in zwei Varianten erhältlich ist: mit 30-kWh- (Urban) und mit 44-kWh-Akku (Standard-Range).

Mit dem e-C3 tritt Citroën preislich in Konkurrenz zum Leapmotor T03 , der ebenfalls Teil der Stellantis-Familie ist, und dem Hyundai Inster . Zwischen Citroëns Kleinwagen und den beiden Konkurrenten liegen aber vor allem bei der Ausstattung Welten, was den guten Eindruck bei den Fahreigenschaften und dem Laden leider trübt.

Im Test hatten wir die Standard-Range-Version des e-C3. Das Fahrzeug hat eine Motorleistung von 83 kW (113 PS) und einen 44-kWh-Akku, der sich mit überraschend großzügigen 100 kW schnellladen lässt. Der Unterschied zwischen den Versionen Urban und Standard liegt ausschließlich in der Batterie und dem Laden.

Günstigste Version mit Standardakku ab 23.300 Euro Listenpreis

Wir entschieden uns beim Test für die günstigste Ausstattungsvariante des e-C3: Die Standardversion des Autos kostet in der You-Konfiguration 23.300 Euro. Die Urban-Version mit kleinerem Akku ist für 19.990 Euro erhältlich.

Citroen E C3 Probe gefahren
Citroen E C3 Probe gefahren (04:06)

Äußerlich macht der e-C3 einen sehr guten ersten Eindruck: Es handelt sich wie beim Inster um eine Art geschrumpften SUV, die Proportionen gefallen uns aber besser als bei Hyundais Kleinwagen. Die Front kommt uns etwas großzügiger vor, das Heck gefällt uns auch besser.

Der e-C3 wirkt durch einige Retroanleihen zudem interessanter als viele andere Kleinwagen. Zum einen gefällt uns das Retrologo von Citroën sehr gut; die Sparren werden zudem im Grill, im Frontspoiler und auch am Heck aufgenommen. Im Fenster des Schräghecks ist eine kleine Skyline von Paris abgebildet – auch ein schönes Detail, wie wir finden.

Gute Verarbeitung außen, billige Materialien innen

Die Spaltmaße und die grundsätzliche Verarbeitung der Karosserie machen einen guten Eindruck auf uns, allerdings klingen die Türen beim Schließen eher hohl. Äußerlich finden wir den e-C3 aber insgesamt gelungen. Der Innenraum der You-Variante ist uns hingegen zu spartanisch.

Citroën verwendet preiswerte Materialien im Innenraum, was an sich nicht schlimm ist. Anders als bei vielen Konkurrenten – unter anderem Leapmotor und Hyundai – fühlen sich die Oberflächen im e-C3 aber ebenso preiswert an. Die Türen sind innen mit Hartplastik verkleidet, selbst die Armlehnen in den Türen sind nicht unterschäumt.

In der Tür sowie im Armaturenbrett gibt es kleine Bereiche, die etwas weicher und netter gestaltet sind, insgesamt macht der Innenraum aber einen eher billigen Eindruck. Dazu tragen auch die Stoffsitze bei, deren Sitzflächenbespannung sich ebenfalls billig anfühlt. Für längere Touren halten wir die ausschließlich manuell verstellbaren Sitze für wenig geeignet, da sie schnell unbequem werden.

Kleines Gummilenkrad

Das Lenkrad des e-C3 ist ungewöhnlich klein, was uns zunächst an ein Gokart erinnerte. Nach kurzer Zeit gewöhnten wir uns aber daran, ebenso daran, dass das Lenkrad merklich breiter als hoch ist. Ein Yoke wie bei Tesla ist das noch nicht, aber erstmal schon etwas ungewohnt. Das Lenkrad ist aus einem ebenfalls sehr günstig wirkenden Gummimaterial gefertigt, was sich nicht schön anfühlt, aber pflegeleicht sein dürfte.

Die Buttons auf dem Lenkrad sind sinnvoll beschriftet und gut zu erreichen, aber auch dort merken wir, dass Citroën nicht viel Geld ausgegeben hat. Alles fühlt sich billig an, auch wenn das die Funktionalität nicht beeinflusst. Das Lenkrad lässt sich manuell in der Höhe einstellen, aber nicht weit genug in Richtung Fahrer ziehen. Die Sitzposition bei 1,80 Meter Größe war daher insgesamt eher ein Kompromiss als bequem.

Gestartet wird der e-C3 wie der Opel Frontera nicht über einen Startbutton, sondern einen Schlüssel – wie bei einem alten Verbrenner mit Zündschloss. Der e-C3 ist auch mit Benzinmotor und als Hybridversion erhältlich, Citroën beziehungsweise Stellantis übernahm an dieser Stelle einfach das Zündschloss der anderen Varianten, um Geld zu sparen.

Wie aus dem ehemaligen 2003er Corsa eines Kollegen wirkt auf uns die Klimaanlage. Der e-C3 You kommt ohne Klimaautomatik, was wir in dieser Preisklasse in Ordnung finden. Die Drehschalter samt manuellem Umschalter von Außen- auf Innenluft sind uns aber auch bei einem Auto dieser Preisklasse etwas zu nostalgisch.

Kein zentrales Display

Wer zum ersten Mal in die You-Version des e-C3 einsteigt, wird eventuell stutzen: Das Fahrzeug hat kein zentrales Display, und auch das Fahrdisplay ist auf den ersten Blick nicht sofort zu erkennen. Das liegt daran, dass es unterhalb der Windschutzscheibe eingebaut ist und nicht direkt hinter dem Lenkrad. Das finden wir gut, schließlich müssen wir unsere Augen beim Blick auf die Geschwindigkeit nur minimal nach unten bewegen.

Viel mehr gibt es auf dem Fahrdisplay allerdings auch nicht zu sehen: Wie beim Frontera vom ebenfalls zu Stellantis gehörenden Hersteller Opel können wir neben der Geschwindigkeit nur noch die verbleibende Reichweite, eine Energieanzeige und zwei Kilometerzähler anzeigen lassen. Einstellungen gibt es kaum, da der e-C3 in der You-Version kein Infotainment-System hat.

Anstelle eines zentralen Bildschirms hat Citroën eine Smartphone-Halterung eingebaut. Sie lässt sich um 90 Grad nach rechts drehen, das war es aber auch schon. Eine drahtlose Ladefunktion gibt es nicht, zum Laden eines Smartphones gibt es einen USB-C-Anschluss im Dashboard.

Überraschend gute Soundanlage

Per Bluetooth können wir unser Smartphone mit dem e-C3 verbinden, um Musik zu hören oder die Navigationsanweisungen zu verstehen. Die Lautsprecher des e-C3 haben uns positiv überrascht: Sie klingen gut und liefern einen satten Sound.

Citroën bietet eine App an, über die Fahrer auch eine Navigation mit Ladeplanung aufrufen können. Diese Funktion kostet aber extra, was für uns keinen Sinn ergibt: Man kann auch einfach Google Maps oder A Better Route Planner verwenden. Auch Online-Radiosender sind über die App aufrufbar – das lässt sich aber genauso gut auch über andere Apps erledigen.

Ein Kollege wies uns auf einen Umstand hin, der Spotify-Nutzern vielleicht erst gar nicht auffällt: Da der e-C3 über keinerlei eigenes Infotainment verfügt, hat das Auto auch kein Radio eingebaut. Wer also sein Smartphone vergisst, muss die Fahrt in Stille verbringen – oder selbst singen.

Platzangebot vorne ist gut, hinten wird es eng

Das Platzangebot für Fahrer und Beifahrer ist gut, obwohl der e-C3 mit 4.015 x 1.813 x 1.577 mm kein sonderlich großes Auto ist. Die Breite ist allerdings überraschend großzügig, zudem hat Citroën auf eine Armlehne verzichtet, was das Platzangebot etwas verbessert. Uns nervt es aber direkt, dass wir während der Fahrt nur einen unserer Arme ablegen können.

Der Stauraum im Innenraum ist gering: Neben einer kleinen Schale in der Mittelkonsole gibt es ein kleines Handschuhfach, zwei Becherhalter und eine gummierte Ablage. Für die Passagiere im Fond gibt es ebenfalls eine kleine Schale, das war's. Wer hinten sitzt, muss die Fenster übrigens manuell herunterkurbeln: Elektrische Fensterheber gibt es in der You-Variante nur für die vorderen Sitze.

Die Rücksitze sind mit dem gleichen billig anmutenden Stoff bezogen. Es gibt Isofix-Punkte, die hinter Reißverschlüssen versteckt sind. Das Platzangebot ist begrenzt: Sitzt unser 1,80 m großer Kollege hinter dem Fahrersitz, ist kein Platz mehr zwischen Knien und Sitz. Gut ist hingegen das Platzangebot für den Kopf.

Mehr Platz dank klappbarer Rückbank

Der Kofferraum des e-C3 ist mit 310 Litern recht klein, was bei einem Kleinwagen aber nicht ungewöhnlich ist. Die Rückbank lässt sich umklappen, das Platzangebot ist dann natürlich wesentlich besser. Eine 60-40-Teilung haben die Rücksitze nicht, zudem gibt es keine ebene Fläche, wenn die Rückbank umgeklappt ist.

Was dem e-C3 an Qualität bei den Innenraummaterialien und der Ausstattung fehlt, macht das kleine Auto mit ungewöhnlich gutem Fahrkomfort wieder wett. Die Federung ist komfortabel und ausgewogen, auch bei höheren Geschwindigkeiten liegt der e-C3 gut auf der Straße. Kleinere Unebenheiten steckt die Federung gut weg, beim maximalen Tempo von 130 km/h sind Wind- und Reifengeräusche absolut unauffällig.

Mit der Motorleistung von 83 kW ist der e-C3 aber natürlich kein besonders flinkes Auto. Fahrmodi gibt es – wie beim Frontera – nicht, und treten wir das Strompedal im Stand durch, beschleunigt der Citroën durchaus gemächlich. Auch für Überholmanöver auf Landstraßen und Autobahnen hat der Wagen keine nennenswerten Reserven.

Ebenfalls wie beim Frontera können wir die Rekuperation entweder ein- oder ausschalten – dazwischen gibt es keine Abstufungen. Ist sie aktiviert, bremst der e-C3 recht stark ab, entsprechend wird Energie zurückgewonnen. One-Pedal-Driving ist mit dem Auto nicht möglich, der Wagen rollt immer etwas, wenn wir nicht einen Fuß auf der Bremse haben.

Rekuperation entweder an oder aus

Bis auf die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsfunktionen hat der e-C3 keine Fahrassistenzsysteme – das wäre auch schwierig ohne Display und entsprechende Einstellungsmenüs. Es gibt einen Tempomaten, der allerdings keine Abstandsüberwachung hat.

Wir müssen also auf die Entfernung zu den Autos vor uns selbst achtgeben. Auch eine Rückfahrkamera hat der e-C3 nicht – wie auch, ohne Display. Es gibt allerdings eine Einparkhilfe hinten, die beim Rückwärtsfahren Pieptöne von sich gibt. Löblich ist, dass wir wie beim Frontera die Warntöne über einen separaten Button ausschalten können.

Für ein Auto dieser Klasse hat der e-C3 in der Standardversion einen recht großen Akku. Die 44 kWh reichen bei uns im Stadtverkehr bei einem gemessenen Verbrauch von 13,5 kWh/100 km theoretisch für eine Reichweite von 326 km. Auf der Stadtautobahn mit relativ viel Tempolimit von 80 km/h, aber auch 120 km/h kommen wir auf einen Verbrauch von 15,84 kWh/100 km.

Wir sind in diesem Fall aber tatsächlich meist um die 80 km/h gefahren – bei längeren Touren bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Verbrauch entsprechend in Richtung 20 kWh/100 km. Auf Landstraßen dürfte der e-C3 aber eine Reichweite von um die 270 km haben, wenn er von 100 auf null Prozent gefahren wird.

Kein bequemes Auto für längere Touren

Längere Touren bei höheren Geschwindigkeiten würden wir mit dem e-C3 eher nicht unternehmen. Dafür sind vor allem die Sitze zu unbequem. Möglich ist das allerdings, und dank der Schnellladeleistung von 100 kW auch komfortabler als bei manch einem Konkurrenzfahrzeug.

Zu beachten ist jedoch, dass nur die Standardversion des e-C3 serienmäßig schnellladen kann. Die Urban-Version hat keine Schnellladefunktion verbaut, sie muss für 500 Euro dazu bestellt werden – und liefert dann auch nur 30 kW. An AC-Ladesäulen lädt der e-C3 einphasig mit 7,4 kW, braucht also entsprechend lang. Ein dreiphasiges 11-kW-Lademodul gibt es optional für 400 Euro.

Citroen e-C3: Verfügbarkeit und Fazit

Der e-C3(öffnet im neuen Fenster) kostet in der von uns getesteten Standardversion mit You-Ausstattung 23.300 Euro. Die Urban-Version mit gleicher Ausstattung ist für 19.990 Euro erhältlich.

Die nächstbessere Ausstattung nennt sich Plus, sie kostet für die Standardversion 25.500 Euro, für die Urban-Variante 23.300 Euro. Dann bekommen Käufer auch ein 10,25 Zoll großes Display mit Unterstützung für Android Auto und Carplay – eine eigene Navigation gibt es für diesen Preis noch nicht.

Die teuerste Version ist die Max-Ausstattung. Sie ist nur für die Standardvariante erhältlich und kostet 27.800 Euro. Sie enthält unter anderem eine Rückfahrkamera, eine Ladeschale für Smartphones und ein eigenes Navigationssystem.

Fazit

Der Citroën e-C3 ist ein gut aussehendes, kleines Elektroauto, dem wir einen gewissen Charme nicht absprechen wollen. Der Fahrkomfort ist überraschend gut, auch bei höheren Geschwindigkeiten ist es in dem kleinen Auto angenehm leise.

Allerdings ist an allen Ecken und Enden ersichtlich, dass Citroën bei der preiswertesten Variante des e-C3 gespart hat. Dass es hinten keine automatischen Fensterheber gibt, vorne kein zentrales Display, nur relativ unbequeme Sitze – all das führt dazu, dass Citroën den Wagen preiswerter machen kann.

Allerdings ist er für unseren Geschmack angesichts der Ausstattung nicht preiswert genug. Der T03 von Leapmotor, das zum gleichen Mutterkonzern wie Citroën gehört (Stellantis), kostet 4.400 Euro weniger und ist von der Ausstattung her auf einem wesentlich höheren Niveau. Das betrifft sowohl die Innenausstattung als auch die verwendeten Technologien.

Dafür ist der Akku etwas kleiner, zudem lädt der T03 langsamer an Schnellladesäulen – das finden wir angesichts des erwarteten Einsatzzweckes der Fahrzeuge auf der kurzen Strecke und angesichts des Preisunterschieds vollkommen in Ordnung.

Der Inster von Hyundai ist mit 23.900 Euro nur 600 Euro teurer als unser Citroën e-C3. Dafür bekommen Käufer ein zentrales Display, eine Rückfahrkamera, ein Navigationssystem, beheizbare und elektrisch einklappbare Außenspiegel, einen 11-kW-Onboard-Lader, eine Klimaautomatik und Hyundais Fahrassistenzsysteme mit dem Autobahnassistenten, der die Geschwindigkeit und die Abstände automatisch reguliert.

Am Ende ist der Citroën e-C3 zwar ein durchaus charmantes Auto; für das, was Käufern geboten wird, ist der Kleinwagen aber zu teuer. Citroën hat für unseren Geschmack zu viel bei der Ausstattung gespart und so den e-C3 verglichen mit der Konkurrenz zu unattraktiv gemacht.


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