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Boll hat ein Herz für Vigilanten

Es ist nicht Bolls erster Punisher-Klon – schon mit Assault on Wall Street ließ er einen Rächer gegen die los, die es seiner Meinung nach verdient hatten. Da überrascht es nicht, dass der Citizen Vigilante nicht nur Mörder, Gewalttäter und Vergewaltiger ins Visier nimmt, sondern auch Richter, die seiner Meinung nach nicht korrekt urteilten.

Das gipfelt in einer Szene, in der der Citizen Vigilante den Standpunkt erläutern will, dass Menschen sich auch zu ihrem Nachteil an Regeln halten – und sein Fahrzeug in den Gegenverkehr lenkt. Der andere Wagen überschlägt sich und explodiert. Fahrer tot? Wahrscheinlich, aber das ist dem selbsternannten Rächer egal.

Die freiwillige Selbstkontrolle

In Deutschland legt man Filme der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) vor, die den Film in einem Gremium mit mehreren Beisitzern begutachtet und ihm dann ein FSK-Siegel verleiht, das von 6 über 12 und 16 bis zu 18 reicht. Dem Film Citizen Vigilante erteilte die FSK keine Freigabe, weswegen Boll wütet, dass sein Film damit verboten sei.

Ist er jedoch nicht, denn es steht jedermann frei, einen Film auch ohne FSK-Freigabe auszuwerten. Das Risiko, das dann besteht, ist allerdings, dass der Film strafrechtlich relevant sein könnte. Aber auch dem lässt sich entgehen, und zwar mit einem Gutachten der SPIO/JK, einer Juristenkommission, die Filme darauf abklopft, ob sie für den Verleih strafrechtlich bedenklich sein könnten.

Zwar sind Filme ohne FSK-Siegel schwerer zu vermarkten, unmöglich ist es aber nicht, nicht mal bei den Streamingdiensten, auf die Boll mit seinem Film am ehesten abzielt. Filme wie The Sadness oder Terrifier sind auch ohne FSK-Siegel bei den gängigen Streamingdiensten abrufbar. All das weiß Boll, aber er ist auch gut darin, mit wenig Aufwand viel Aufmerksamkeit für seine Filme zu erzeugen.

Das fing schon damit an, dass er Citizen Vigilante eigentlich The Dark Knight nennen wollte, bis Warner Bros. dies untersagte. Auch das wusste Boll damals schon werbewirksam auszuschlachten.

Jetzt kann er sich darauf verlassen, dass die Kontroverse um einen Film, der kaum jemand interessiert hätte, sich in medialer Aufmerksamkeit niederschlägt. Und: Einen Film, der angeblich verboten ist, den man später aber in teuren Mediabook-Varianten via Österreich oder mit Hilfe eines SPIO/JK-Siegels publiziert, kann man natürlich gut verkaufen.

Viele plappern die Verbotsgeschichte nach, aber die wenigsten scheinen sich für die Fakten zu interessieren. Das Schlagwort "verboten" reicht, um das Blut in Wallung zu bringen. Denn natürlich kann eine Verweigerung des FSK-Siegels nur politisch motiviert sein.

Tatsächlich reagiert die FSK von jeher allergisch auf Stoffe, die Selbstjustiz propagieren. In Bolls Film gibt es eine Szene, in der eine Gruppenvergewaltigung durch jugendliche Migranten gezeigt wird, die laut Produktionsseite auf einem Verfahren vor dem Landgericht Hamburg basiert, bei dem im November 2023 mehrere jugendliche Vergewaltiger zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden.

Im Film gibt es eine andere, drastischere Lösung, bei der der Citizen Vigilante nach den Regeln der Sippenhaft agiert. Die FSK sieht darin die Rechtfertigung für Selbstjustiz – und verweigerte die Freigabe.

Bolls fragwürdiges Weltbild

Der Rächer wird von dem in Hollywood in Ungnade gefallenen Schauspieler Armie Hammer gespielt. Ihm warfen ehemalige Freundinnen emotionalen Missbrauch, nötigendes (zwanghaftes) Verhalten und extreme, nicht einvernehmliche sexuelle Fantasien vor. Hammer ist eine erstaunliche Wahl, auch sie spricht für ein Kalkül der Marke Boll. Er muss gewusst haben, dass die Besetzung des seit Jahren in keinem Film mehr aufgetretenen Schauspielers Aufmerksamkeit bringen würde.


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