Auch Huawei und Kaspersky sollen verdächtig sein

Im Artikel der Wirtschaftswoche werden weitere Anschuldigungen gegen IT-Unternehmen zitiert. So werden die bislang nicht mit Fakten unterlegten Anschuldigungen gegen den Antivirusproduzenten Kaspersky von der US-Bundespolizei FBI und anderen US-Behörden übernommen. "Wegen enger Verbindungen zu russischen Regierungsstellen" habe US-Präsident Donald Trump den Einsatz von Kaspersky-Produkten in US-Behörden vor zwei Wochen verboten. Tatsächlich war es nicht Trump selbst, der ein entsprechendes Dekret unterzeichnete, sondern die Heimatschutzministerin Elaine C. Duke. Kaspersky ist ein weltweit tätiges Sicherheitsunternehmen - eine enge Kooperation mit dem russischen Geheimdienst wäre selbstzerstörerisch.

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Und in Deutschland? Die Bundesregierung, so der Vorwurf, "verzichtet bislang auf ein Handelsembargo für sicherheitsrelevante IT-Komponenten". Der chinesische IT Konzern Huawei gewinne "deshalb in Deutschland Marktanteile auf Kosten seiner europäischen Konkurrenten Nokia und Ericsson". Die Deutsche Telekom baue Huawei-Technik "in großem Stil in ihre Netze ein". Es könnte natürlich sein, dass Huawei wegen guter Produkte und einer guten Verfügbarkeit Kunden gewinnt - und nicht nur, weil der Import der Geräte nicht verboten wird.

Auch Huawei wird seit Jahren beschuldigt, mit den chinesischen Behörden zusammenzuarbeiten. Auch das wurde nie belegt. In verschiedenen europäischen Ländern bot das Unternehmen bereits an, den Quellcode zur Untersuchung vorzulegen. In Deutschland wurde das Angebot nicht angenommen, in Großbritannien unterhält das Unternehmen aber ein Zentrum, wo Huawei-Produkte im Detail untersucht werden können.

Huawei erzielt den überwiegenden Teil seiner Umsätze im Ausland - anders als der ebenfalls chinesische, staatlich kontrollierte Konkurrent ZTE. Sollte tatsächlich eine bewusst platzierte Hintertür in den Produkten gefunden werden, wäre das Unternehmen mit seinen mehr als 170.000 Mitarbeitern vermutlich innerhalb weniger Monate insolvent. Es ist daher aus wirtschaftlicher Sicht schlicht unwahrscheinlich, dass Huawei Druck der Regierung aus Peking nachgeben würde. Das gilt besonders, weil das Unternehmen genossenschaftlich organisiert ist und den Mitarbeitern selbst gehört.

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Außerdem dürfte es wenige Produkte geben, die weltweit so genau untersucht werden wie die von Huawei. Gefunden wurde neben in Routern und ähnlichen Geräten üblichen Sicherheitslücken nichts, was einen Generalverdacht der Spionage erhärten würde.

Deutschland sollte keine populistischen Lösungen anstreben

Bestrebungen für IT-Autarkie sind eher das Kennzeichen autoritär regierter Länder wie Russland oder China. In Russland müssen internationale Anbieter alle Daten russischer Kunden auf Servern in dem Land speichern - damit die Regierung Zugriff hat. Und auch China setzt auf strenge Vorgaben zur Quellcodeübergabe, lokales Hosting und das vollständige Verbot bestimmter Software. Die Bundesregierung wäre nicht gut beraten, einem solchen blinden Populismus mit geringem Nutzwert für die Gesamtwirtschaft und die Bevölkerung zu folgen. Der IT-Wirtschaft in diesem Land wäre mehr geholfen, wenn Digitalisierung endlich ein ernsthaftes politisches Thema würde, Glasfaser standardmäßig bis ans Haus verlegt würde und es Mobilfunktarife mit unbegrenztem Datenvolumen gäbe, wie es in vielen EU-Ländern üblich ist.

Die Wirtschaftswoche lässt als Zeugen der IT-Wirtschaft nur einen Protagonisten zu Wort kommen: den Chef von Lancom. Dass dieser ein ureigenes wirtschaftliches Interesse daran hat, die Konkurrenz schlecht zu reden, bleibt unerwähnt. Und so kann Lancom-Chef Ralf Koenzen unwidersprochen sagen: "Blindes Vertrauen in die am Markt verfügbaren Lösungen und das Ausblenden möglicher Risiken sind mehr denn je fehl am Platze. Denn welche Sicherheitslücken und Hintertüren selbst bei namhaften IT-Konzernen absichtlich oder unabsichtlich eingebaut wurden, kann niemand feststellen."

Anknüpfend daran könnte man sagen: "Blindes Vertrauen in die Aussagen von Konkurrenten sind mehr denn je fehl am Platze." Kaspersky muss kritisiert werden, wenn die Software bei der Zertifikatsprüfung schlampt, Fortinet, wenn Firewalls zahlreiche Fehler enthalten und ja, auch Cisco, wenn die Firma mehrere Anläufe braucht, um peinliche Sicherheitslücken in Webex zu patchen. Die Herkunft eines IT-Produkts aber als primären Faktor bei der Bewertung der IT-Sicherheit heranzuziehen, ist ein Fehler.

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 Cisco und Lancom: Wenn Spionagepanik auf Industriepolitik trifft
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derkritiker 05. Okt 2017

... Auch wenns ein Kommentar ist, damit werden die berechtigten Sorgen deutscher...

chefin 04. Okt 2017

Genau DAS ist der trugschluss. Bei OpenSource MEINT man das viele drüber schauen, aus...

RicoBrassers 04. Okt 2017

Die Aussage mag faktisch korrekt sein, ist aber dennoch Schwachsinn. In unserer...

cpi 03. Okt 2017

Naja bei Routern mag Lancom rein technisch noch ok sein, beim WLAN haben sie irgendwo vor...

Anonymer Nutzer 03. Okt 2017

Die deutschen Institute sind allesamt relativ verteilt und individuell nichjt besonders...



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