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Circuitscribe ausprobiert: Stromkreise malen für Teenies

Mit den Circuitscribe-Sets von Electroninks können sich Jugendliche an der Elektrotechnik versuchen. Golem.de hat die Altersempfehlung ignoriert und selbst gemalt.
/ Alexander Merz
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Circuitscribe-Module (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)
Circuitscribe-Module Bild: Fabian Hamacher/Golem.de

Circuitscribe(öffnet im neuen Fenster) ist ein Lern- und Experimentierbaukasten für einfache elektrische Schaltungen, der laut Hersteller für Jugendliche ab 13 Jahren geeignet ist, aber unter Anleitung der Eltern auch von Kleineren verwendet werden kann. Was das System von klassischen Stecksets unterscheidet, sind der beiliegende Kugelschreiber mit leitfähiger Tinte und gut greifbare Module für Bauelemente mit magnetischen Kontakten. Statt kleine elektronische Bauelemente auf ein fummeliges Steckbrett einzustecken und bei der Verkabelung den Überblick zu verlieren, legen wir die Module auf eine Unterlage mit beschichtetem Metall und zeichnen die Stromkreise mit Hilfe elektrisch leitfähiger Tinte.

Circuitscribe ausprobiert
Circuitscribe ausprobiert (03:31)

Die Tinte ist eine eigene Entwicklung von Electroninks. Es handelt sich dabei um eine Paste mit 20 Prozent Silberanteil. Beim Malen wird der Stift wie ein normaler Kugelschreiber beziehungsweise dünner Fasermaler gehalten und benutzt. Der entstehende Strich ist nicht sehr dünn, ermöglicht aber durchaus genaues Arbeiten.

Zu dünn sollte der gemalte Strich sowieso nicht ausfallen. Laut den Machern beträgt der elektrische Widerstand der aufgetragenen Paste pro Zentimeter 0,5 bis 10 Ohm, je nach Saugfähigkeit des Untergrundes. Bei unseren Tests hat sich gezeigt, dass der Widerstand sehr effektiv mit mehreren überlappenden Strichen verringert werden kann. Außerdem sollten die Kontaktflächen für die Module sehr großzügig ausgeführt werden.

Die Paste trocknet beim Auftragen recht schnell, auch auf wenig saugfähigen Untergründen besteht keine große Gefahr, sie aus Versehen zu verwischen. Die trockene Paste ist ebenfalls verwischfest, erst mit größerem Fingerdruck gelingt es uns, Pigmente abzulösen.

Sollte das passieren oder jemand sich absichtlich(öffnet im neuen Fenster) oder unabsichtlich bemalen, so soll von der Tinte keine Allergie- oder Giftgefahr ausgehen. Körperkontakt oder gar ein Verschlucken der Tinte wird trotzdem nicht empfohlen.

Griffige Module mit allerlei Funktionen

Elektrische Leitungen aufzumalen, ist nur die Hälfte der Angelegenheit, die andere Hälfte sind elektrische Bauelemente. Bei Circuitscribe kommen sie in Form von Modulen. Ein Modul ist eine stabile, griffige Platine, auf der sich jeweils ein Bauelement befindet. Die elektrischen Kontakte zwischen der Platine und der gezeichneten Leitung erfolgen über federgelagerte, magnetische Füße. Die Module liegen alle im gleichen Rastermaß, unabhängig vom darauf verbauten Bauelement. Die Platinen sind deutlich größer als die jeweiligen Bauelemente. Dadurch lassen sie sich gut anfassen, ohne dass wir Schäden an den Bauelementen riskieren. Der Platz wird außerdem für gut lesbare und deutbare Beschriftungen benutzt.

Neben dem obligatorischen LED-Modul gibt es zum Beispiel auch Module für Schalter, Buzzer, Transistoren und Helligkeitssensoren. Das größte Modul ist ein Motor inklusive Getriebe.

Wem das nicht reicht, der muss zum teuersten Kit von Circuitscribe greifen, das nicht grundlos Developer-Edition heißt. Zum einfachen Erweitern des Baukastens enthält es zwei leere Module mit Steckbuchsen im 2,54-mm-Format. Wer es sich zutraut – oder es als logischen Lernschritt sieht -, kann auch Bauelemente für den Baukasten auflöten. Dazu stehen zwei 5er-Sets an leeren Modulen mit vorbereiten Lötaugen bereit. Je eine Platine dieser Sets besitzt sogar Lötflächen für SMD-Bauteile.

Im Handbuch malen statt auf dem Kühlschrank

In einem normalen Haushalt gibt es üblicherweise nur eine Fläche, die Magnete halten kann, durch eine Beschichtung aber gleichzeitig nicht elektrisch leitfähig ist: die Kühlschranktür. Abgesehen davon, dass nicht jeder Elternteil davon begeistert sein wird, wenn der Nachwuchs auf der Kühlschranktür herum malt, funktioniert auf dieser Art von Oberfläche der Stift auch eher schlecht als recht.

Deswegen gibt es von Circuitscribe auch eine beschichte Metallplatte. Sie ist gleichzeitig als Kurzanleitung bedruckt. Die Größe der Platte korrespondiert nicht grundlos mit dem Handbuch: Sie wird einfach hinter eine Seite im Handbuch gelegt. Die Schaltung wird auf der Seite im Handbuch nachgezeichnet und die Module werden auf vorgezeichnete Stellen aufgelegt. So kann die Metallplatte problemlos wiederverwendet werden.

Das Handbuch ist ganz auf diesem Konzept aufgebaut. Am Anfang werden Bauelemente und Schaltungen erklärt. Auf jeder Erklärungsseite gibt es dazu eine Schaltung, die ausgemalt werden muss, und die Bauelemente müssen auch korrekt in die Zeichnung eingesetzt werden. Das Großteil des Heftes enthält "intentional" weiße Seiten. Darauf können selbsterdachte Schaltungen gemalt werden. Natürlich kann auch komplett darauf verzichtet werden, und normales Schreibpapier auf einer Metallplatte funktioniert genauso.

Ein Nachteil des Handbuchs sei genannt: Es ist nur in Englisch verfügbar. Da bei jüngeren Kindern allerdings ohnehin ein Elternteil als Vorleser und Betreuer dabei sein sollte, kann dieses auch beim Vorlesen übersetzen.

Preis und Verfügbarkeit

Bei der Kickstarter-Kampagne(öffnet im neuen Fenster) waren die einzelnen Kits vergleichsweise preiswert, die aktuellen Preise sind leider fast doppelt so hoch. Bei 123D Circuits(öffnet im neuen Fenster) kostet das Basic Kit mit Handbuch 60 US-Dollar, das von uns getestete Developer Kit 195 US-Dollar. Ein einzelner Stift kostet rund 20 US-Dollar, für mehrere gibt es einen kleinen Rabatt. Die Module kosten einzeln zwischen 5 und 10 US-Dollar.


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