"Cookies-Blockieren gefährdet die Privatsphäre"

Laut Google gefährdet das Blockieren von Cookies im großen Stil die Privatsphäre der Nutzer, denn dann würden Unternehmen auf das noch schlimmere Browser-Fingerprinting setzen. Mayer und Narayanan entgegnen: "Um die Absurdität dieses Arguments zu würdigen, stellen Sie sich vor, die örtliche Polizei sagt: Wir sehen, dass unsere Stadt ein Taschendiebstahlproblem hat. Aber wenn wir gegen Taschendiebstahl vorgehen, werden die Taschendiebe einfach zu Überfällen wechseln. Das wäre noch schlimmer. Das willst du doch sicher nicht, oder?"

Google argumentiert weiter: Würden Cookies ohne eine Tracking-Alternative geblockt, könnten Onlinemedien weniger verdienen. "Verliert die Werbung durch das Blockieren von Cookies an Relevanz, sinkt die Finanzierung der Verlage um durchschnittlich 52 Prozent. Das zeigen aktuelle Studien", erklärt Google. Bei den aktuellen Studien handelt es sich allerdings um eine interne Erhebung von Google selbst. Laut Mayer und Narayanan kommen unabhängige Studien nicht zu diesem Schluss.

Mit keinem Wort erwähnt Google seine eigenen Geschäftsinteressen in den Blogeinträgen, vielmehr stellt sich Google als eine Institution des Interessenausgleichs dar: "Wir wollen eine Lösung finden, die sowohl die Privatsphäre der Nutzer wirklich schützt als auch dazu beiträgt, dass Inhalte im Web frei zugänglich bleiben." Dabei ist es vor allem Googles Interesse, dass Inhalte weiterhin vermeintlich kostenlos angeboten und durch Tracking und Werbung refinanziert werden.

Chrome fällt immer weiter zurück

Mozilla und Apple arbeiten seit geraumer Zeit an einem Trackingschutz für ihre Browser und haben bereits einige Schutzfunktionen implementiert. Safaris Schutz vor Trackingcookies wurde von Google sogar aktiv umgangen. Doch auch diese Schutzfunktionen reichen noch nicht besonders weit. Einen umfangreicheren Schutz bieten Erweiterungen wie uBlock Origin oder Privacy Badger. Deren Funktion schränkt Google in Chrome durch eine Schnittstellenänderung allerdings massiv ein.

Solche Erweiterungen bezeichnet Googles Mutterkonzern Alphabet in einem Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht als direkte Bedrohung: "Die meisten unserer Google-Einnahmen stammen aus Gebühren, die im Zusammenhang mit der Schaltung von Online-Anzeigen an uns gezahlt wurden. Infolgedessen könnten solche Technologien und Tools unsere Betriebsergebnisse beeinträchtigen."

Insofern könnte die Initiative auch eine Flucht nach vorn sein: Den Nutzern wird etwas mehr Datenschutz versprochen, während Googles Tracking- und Werbegeschäft auch mit etwas weniger Daten weiterhin gezielte Werbung ausliefern kann. Entsprechendes vermuten Mayer und Narayanan: "Es ist unwahrscheinlich, dass Google eine sinnvolle Web-Privatsphäre bieten und gleichzeitig seine Geschäftsinteressen schützen kann". Daher verwundere es nicht, dass Chrome weit hinter Safari und Firefox zurückfällt, was den Schutz der Privatsphäre anbelange. "Es ist enttäuschend, aber leider nicht überraschend, dass das Chrome-Team die Geschäftsinteressen von Google mit unaufrichtigen technischen Argumenten tarnt", schreiben die Forscher.

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 Chrome & Privacy: Google möchte uns in Zukunft anders tracken
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dummzeuch 27. Aug 2019

Ja, das wird seit Jahren immer schlimmer. Früher half es noch, die Suchbegriffe in...

SJ 27. Aug 2019

Wenn das Geld im Internet nicht mehr fliesst, wirds wieder dorthin gehen wo es Mitte bis...

Kleba 27. Aug 2019

Achso, das ist an mir vorbei gegangen. Dann will ich nichts gesagt haben.

sio1Thoo 27. Aug 2019

...Google will uns mit Chrome besser vor Tracking schützen? Und wer schützt uns vor...



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