Christian Lindner: So verteidigt Porsche seine E-Fuels-Pläne

Porsche-Chef Blume will sich bei der Regierung für die Nutzung von E-Fuels eingesetzt haben. Doch wie belastbar sind die Pläne des Autoherstellers?

Eine Analyse von und veröffentlicht am
Eine solche Anlage in Chile soll jährlich hunderte Millionen Liter E-Fuels produzieren.
Eine solche Anlage in Chile soll jährlich hunderte Millionen Liter E-Fuels produzieren. (Bild: Porsche)

Es ist noch gar nicht so lange her, da warb der Volkswagen-Konzern mit der Kampagne Clean Diesel für seine Verbrennerautos. Das war keine besonders gute Idee, wie sich nach Bekanntwerden des Abgasskandals herausstellte. Aus dem sauberen Diesel sind bei Porsche nun die geradezu blitzblanken E-Fuels geworden.

Inhalt:
  1. Christian Lindner: So verteidigt Porsche seine E-Fuels-Pläne
  2. Aus 130.000 Litern sollen 550 Millionen werden
  3. Porsche verweist selbst auf Luft- und Schifffahrt

Wir haben nachgefragt, auf welcher Basis der Sportwagenhersteller damit auch bei der Politik geworben haben könnte. Sind diese Pläne realitätsferne Träume, die sich in den kommenden Jahren gar nicht umsetzen lassen? Oder basieren die Konzepte auf belastbaren Pilotprojekten und Zahlen, die die synthetischen Treibstoffe als klimaneutrale Alternative zur Elektromobilität erscheinen lassen?

Der Porsche- und designierte VW-Chef Oliver Blume soll in einer Betriebsversammlung vor einem Monat damit geprahlt haben, mithilfe seiner engen Kontakte in die Ampelregierung den Koalitionsvertrag in Sachen E-Fuels maßgeblich beeinflusst zu haben. "Da sind wir Haupttreiber gewesen, mit ganz engem Kontakt an die Koalitionsparteien. Der Christian Lindner hat mich in den letzten Tagen fast stündlich auf dem Laufenden gehalten", zitierte ihn die ZDF-Satiresendung Die Anstalt. FDP-Chef und Bundesfinanzminister Lindner selbst räumte inzwischen ein, im Oktober 2021 mit Blume telefoniert zu haben.

Porsche verteidigt Gespräche

Problematisch in diesem Fall ist nicht die Tatsache, dass Wirtschaft und Politik sich in wichtigen Fragen austauschen. Solche Kontakte dürfte es nicht nur zwischen Porsche und der FDP, sondern auch zwischen weiteren Autoherstellern und den anderen Koalitionspartnern SPD und Grüne gegeben habe.

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Auf Anfrage von Golem.de teilte ein Sprecher mit: "Porsche hat zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf politische Entscheidungen genommen. Wir weisen in diese Richtung gehende Vorwürfe entschieden zurück. Wir stehen im steten Austausch mit gesellschaftlichen Stakeholdern - darunter auch Parteien und deren Vertretern. Wir führen Fachgespräche, zum Beispiel zum Thema Nachhaltigkeit."

E-Fuels mit fossilem Kraftstoff kompatibel

Entscheidend für die Öffentlichkeit ist daher nicht die Frage, wann und wie oft der bekennende Porsche-Fan Lindner möglicherweise mit Blume telefoniert hat. Wichtiger ist vielmehr, mit welchen Informationen der Autokonzern die Politik hinsichtlich des Einsatzes von E-Fuels versorgt.

So heißt es beispielsweise im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP: "Außerhalb des bestehenden Systems der Flottengrenzwerte setzen wir uns dafür ein, dass nachweisbar nur mit E-Fuels betankbare Fahrzeuge neu zugelassen werden können." Schon hier stellt sich die Frage, wie das technisch umgesetzt werden soll. Hinsichtlich der Kompatibilität von fossilen und synthetischen Kraftstoffen teilte Porsche mit: "Alle unsere Bestandsfahrzeuge, die heutigen Tankstellenkraftstoff tanken, werden auch mit E-Fuels fahren können. Für Oldtimer müssen im Einzelfall möglicherweise kleine Adaptierungen vorgenommen werden."

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Im Umkehrschluss bedeutet dies: Jeder nach 2035 gebaute Verbrenner dürfte auch mit fossilem Treibstoff fahren können. Wie diese nachweislich nur mit E-Fuels betankt werden können, ist unklar. Eine entsprechende Anfrage von Golem.de ließ das Bundesverkehrsministerium bislang unbeantwortet. Porsche teilte dazu lediglich mit: "Eine Kraftstoffkontrolle liegt nicht im Verantwortungsbereich der Porsche AG." Das trifft durchaus zu. Doch die Politik kann nur solche Vorgaben machen, die von der Industrie auch technisch umgesetzt werden können.

Das größte Problem beim künftigen Einsatz von E-Fuels ist jedoch deren massenhafte Produktion.

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Aus 130.000 Litern sollen 550 Millionen werden 
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Laoban 03. Aug 2022 / Themenstart

das Thema ist extrem umfangreich und vielschichtig :) Efuel gibt es noch nirgends, außer...

friespeace 03. Aug 2022 / Themenstart

Wie will Porsche das denn bis 2026 hinkriegen? Man braucht für 10 TWh grob 3-4 GW an...

gottwuerfeltnicht 01. Aug 2022 / Themenstart

Ich hätte einen besseren Vorschlag: Ab 2035 dürfen in Deutschland (besser: EU) keine...

DSG12 31. Jul 2022 / Themenstart

Hört, hört! 1A

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