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Chips für Huawei gefertigt: TSMC schließt mindestens zwei Kunden aus

Huawei soll für seine KI-Beschleuniger über Umwege Chips von TSMC gekauft haben. Ein anderer Fall zeigt, wie Huawei an die Chips gelangt sein könnte.
/ Johannes Hiltscher
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Ein Wafer in einer TSMC-Fab. (Bild: TSMC)
Ein Wafer in einer TSMC-Fab. Bild: TSMC

Die Nachricht ließ aufhorchen: Wie kürzlich bekannt wurde, fanden die Halbleiterexperten von Techinsights in Huaweis KI-Beschleuniger Ascend 910B von TSMC gefertigte Chips . Eigentlich hatte der taiwanische Auftragsfertiger 2020 die Kooperation mit dem chinesischen Unternehmen aufgrund der US-Sanktionen gegen Huawei eingestellt . Seitdem untersucht TSMC, wie dennoch dies aus der 7-nm-Fertigung in den gegen Nvidias A100 positionierten Beschleuniger gelangen konnten.

Einige Verdächtige sollen bereits ausgemacht sein: Wie die Wirtschaftszeitung Nikkei Asia berichtet(öffnet im neuen Fenster) , soll TSMC die Geschäftsbeziehungen zu mindestens zwei Kunden beendet haben. Die sollen durch einen Anstieg ihrer Bestellmengen aufgefallen sein.

Zuvor wurde bereits gemeldet, dass es sich bei einem davon um das chinesische Unternehmen Sophgo handeln soll(öffnet im neuen Fenster) , das KI-Beschleuniger für Edge-Anwendungen und RISC-V-Prozessoren entwickelt und vertreibt. Allerdings dementierte Sophgo umgehend und drohte Klagen an, die Pressemitteilung(öffnet im neuen Fenster) wurde ausschließlich auf Englisch veröffentlicht.

Die Volksrepublik braucht die Republik China

Offizielle Bestätigungen seitens der betroffenen Unternehmen liegen nicht vor, alle Berichte berufen sich auf informierte, aber ungenannte Quellen. Aber es gibt Anhaltspunkte, wie die TSMC-Chips in Huawei-Produkte gelangten.

Allerdings nicht bei Sophgo, sondern bei Bitmain, einem Unternehmen, das eigentlich für Beschleuniger zum Minen von Kryptowährungen bekannt ist. Bereits im August 2024 veröffentlichte das Research Institute for Democracy, Society and Emerging Technology (DSET), ein Thinktank aus Taiwan, eine Analyse zu Bitmain(öffnet im neuen Fenster) : Das Unternehmen hatte 2018 seinen Einstieg bei KI-Beschleunigern bekanntgegeben, die auch über zwei Unternehmen in Taiwan lief.

Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft New Taipei City finanzierte Bitmain über ein verzweigtes Geflecht von Tochterfirmen die Wisecore Technology Corporation und IC Link Limited. Diese Verbindungen wurden den taiwanischen Behörden verschwiegen, beide Firmen ließen im Auftrag von Bitmain bei TSMC fertigen. Ein ähnliches Konstrukt könnte bei Sophgo vorliegen, das, wie Bitmain, von Micree Zhan gegründet wurde, der mit Mining-Chips zum Milliardär wurde.

Blamage für TSMC, Bankrotterklärung für SMIC

Auf TSMC wirft die aktuelle Situation kein gutes Licht. Das Unternehmen hat offensichtlich, trotz zweier Präzedenzfälle, seine Kunden nicht genau genug unter die Lupe genommen.

Ein negatives Schlaglicht wirft der Fall aber auch auf den chinesischen Fertiger SMIC: Er scheint tatsächlich nicht in der Lage zu sein, größere Mengen an komplexeren 7-nm-Chips mit auch nur halbwegs wirtschaftlicher Ausbeute zu fertigen. Zuvor wurde berichtet, dass bei den Chiplets für den Ascend 910B lediglich eine Ausbeute (Yield) von 20 Prozent erreicht worden sei. Sollte sich bestätigen, dass Huawei das Risiko eingehen muss, über verdeckte Kanäle auf die Fertigungskapazität von TSMC zuzugreifen, würde dies entsprechende Berichte untermauern.


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