Europas Halbleiterversorgung souveräner aufstellen
Konkret wird die Sorge geäußert, dass Halbleiter als politisches Druckmittel genutzt werden könnten. Durch strategische Souveränität soll sichergestellt werden, dass Europa zukünftig seinen eigenen Weg gehen kann. Dass dies ein großes Vorhaben ist, erkennt der Plan an: So ist die First-of-a-kind-Regelung wesentlich weiter gefasst als im ersten Chips Act.
Sie ist zentrale Voraussetzung für Förderung aus dem Programm. Geld sollen nur Projekte bekommen, die erstmals eine Technologie in Europa etablieren. Daneben bleiben Förderprogramme wie IPCEI weiter bestehen. Förderbar sollen künftig neben der Halbleiterfertigung auch Spezialchemikalien, Chipdesigns oder Platinen sein – die gesamte Wertschöpfungskette der Halbleiterfertigung.
Bessere Reaktion auf Engpässe
Bereits im Rahmen des ersten Chips Act wurden Mechanismen zur Früherkennung von Engpässen in der Halbleiterversorgung sowie Strategien zum Umgang damit entwickelt. Die schätzt die EU-Kommission aber noch nicht als ausreichend wirkungsvoll ein. Zwischen den Zeilen lässt sich herauslesen, dass die Industrie bislang nicht wie gewünscht Zahlen liefert.
Lösen soll das die neue Business-to-Business Semiconductor Supply Chain Platform. Hier sollen Unternehmen nur relativ wenige Daten bereitstellen, die keine Rückschlüsse auf ihre geschäftliche Situation zulassen.
Bei Bedarf soll die Plattform zusätzliche Daten abfragen können, die Teilnehmer aber nicht herausgeben müssen. Zudem sollen Reaktionspläne für Engpässe in den Lieferketten ausgearbeitet werden. Auch der Plan, Einkäufe zu bündeln, wird weiter verfolgt.
Europäische Exzellenzcluster
Die Mitgliedsstaaten sollen wie beim ersten Chips Act zusätzliches Geld beisteuern. Um Parallelstrukturen zu vermeiden, will die EU-Kommission aber Exzellenzzentren etablieren. Diese sollen Investoren signalisieren, dass eine Region vielversprechende Aussichten bietet. Die Zentren sollen eine enge Verzahnung von Forschung und Entwicklung mit der Fertigung sowie Programme zur Ausbildung von Fachkräften bieten.
Bei der Auswahl dieser Regionen sollen ein robuster Investitionsplan sowie eine Ausrichtung an den strategischen Prioritäten der Kommission berücksichtigt werden.
Neue Bewertungsmaßstäbe
Verabschiedet hat sich die Kommission von der Orientierung am Weltmarktanteil als Bewertungsmaßstab. Der erste Chips Act sollte Europas Anteil an der weltweiten Halbleiterfertigung auf 20 Prozent heben, was scheiterte.
Bei der zweiten Auflage orientiert sich die Kommission einerseits am Anteil, zu dem Europa seinen Halbleiterbedarf selbst decken kann. Aktuell wird er mit 20 Prozent angegeben.
Auch die Anzahl an europäischen Unternehmen, die Halbleiter entwickeln, schlägt der Plan als Bewertungsmaßstab vor. Beispielhaft werden Tape-outs von 100 Unternehmen oder 10 Einhörner – Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar – genannt.
- Anzeige Hier geht es zu den konfigurierbaren Golem-PCs bei Systemtreff Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



