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Chiplet gegen Monolith: RDNA 3 könnte eine Trendwende sein

Ob Intel , AMD oder Nvidia - jede Firma möchte das beste Produkt bauen. Doch ist der schnellste Chip immer der beste?
/ Martin Böckmann
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Zweistellige Zahlen sind bei einem Gaming-PC eher selten (Bild: Martin Böckmann/Golem.de)
Zweistellige Zahlen sind bei einem Gaming-PC eher selten Bild: Martin Böckmann/Golem.de

AMD bringt mit RDNA 3 nicht nur neue Grafikkarten, sondern vielleicht auch eine etwas andere Produktphilosophie auf dem Markt. Denn obwohl die Rechenleistung pro Joule an Energie weiter steigt, kann durch hohe Transistordichte immer mehr Technik in einen winzigen Chip gepackt werden, die mit mehr Energie versorgt werden muss.

Doch AMD hat sich dagegen entschieden. Der von TSMC im N5-Node gefertigte Grafikchip (GCD) ist mit 300 mm² verhältnismäßig klein. Natürlich sind die sechs Chips mit Speicheranbindung in Cache rundherum mit ihren jeweils 37 mm² ebenfalls mitzuzählen, so dass man insgesamt auf 522 mm² kommt. Wenn man aber den einzelnen Chip betrachtet, so wäre für eine High-End-GPU sicher mehr möglich gewesen.

Neben finanziellen Erwägungen wurde hier offenbar auch bewusst die Entscheidung getroffen, die Leistungsaufnahme auf dem bisherigen Niveau zu lassen und die damit mögliche Performance zu liefern. Auch die teureren und leistungshungrigen GDDR6X verbaut AMD nicht, es bleibt bei GDDR6 .

Rechenleistung bleibt weiterhin wichtig

Ob gerade AI-Anwendungen mit der etwas geringeren Bandbreite wirklich gut laufen, werden die nächsten Wochen zeigen. Was aber klar ist: Im Spielbetrieb ist ausreichend großer und schnell angebundener Cache ein guter Ersatz für absolute Speicherbandbreite. Und die Kommunikation mit dem Cache läuft auf den RDNA-3-Grafikkarten mit 5,2 TByte/s.

Doch auf viel Rechenleistung muss nicht verzichtet werden. Laut AMDs ersten Benchmarks ist man genauso wie die Konkurrenz in der Lage, 4K- und sogar 8K-Gaming zu ermöglichen. Gleichzeitiges Livestreaming per AV1-Encoder gibt es ebenfalls.

In einigen Applikationen wird AMD sicher auch in Führung gehen, bereits die Radeon RX 6900 XT hat sich gegenüber der Geforce RTX 3090 gut behaupten können. Der Ansatz sieht aber nicht so aus, als würde man hier die letzten paar Prozent um jeden Preis herausholen wollen.

Die Konkurrenz geht andere Wege

Auf der anderen Seite steht Nvidia und liefert eher das technisch Machbare. Einen Markt dafür gibt es zweifelsfrei, denn obwohl in den ersten Wochen große Mengen der Grafikkarten verkauft wurden, sind diese immer wieder schnell ausverkauft. Und die Rohleistung ist mit 83 Teraflops bei der Geforce RTX 4090 zweifelsfrei höher als das, was die Radeon RX 7900 XTX mit 61 Teraflops bietet.

Das muss nicht in allen Anwendungen eine klare Führung bedeuten, eine zur Architektur passende Software ist genauso wichtig. Spieler kennen sicher die Grafiktreiber-Updates, kurz nachdem ein neues Spiel erscheint, die gerne mal Leistungssprünge im zweistelligen Prozentbereich mit sich bringen. Aber theoretische Rechenleistung ist auch nicht unbedeutend, die Richtung ist klar.

Nvidia betreibt hohen Aufwand, um solche Grafikkarten praktisch nutzbar zu machen. Sein Kühlerdesign ist nicht nur größer, sondern mit Sicherheit auch teurer in der Produktion als ein für viel weniger Abwärme ausgelegter Kühler auf AMDs neuem Topmodell. Der Aufwand funktioniert, denn die Karten sind verhältnismäßig leise und gut gekühlt.

Hoher Aufwand für Stromversorgung und Kühlung

Obwohl die Nvidia-Ada-Grafikkarten nicht mehr so hohe Lastspitzen verursachen wie die Ampere-GPUs, ist im High End mittlerweile für viele Nutzer der Zeitpunkt gekommen, an dem das 650-Watt-Netzteil und der Midi-Tower nicht mehr ausreichen. Auch an dieser Stelle setzt Nvidia lieber auf technische Lösungen, um mehr Leistungsaufnahme zu ermöglichen.

Der neue Stromstecker wird aktuell viel diskutiert, nachdem einige Nutzer Probleme mit überhitzenden Adaptern hatten. Wer jedoch - wie vermutlich langfristig ohnehin vorgesehen - bereits ein passendes Kabel zum Netzteil verwendet, kann ohne viel Kabelsalat seine GPU mit bis zu 600 Watt versorgen. Für die hohe Abwärme ist außerdem gute Belüftung notwendig, meistens ist daher auch direkt ein größeres Gehäuse fällig.

AMD geht diesen Trend bis auf Weiteres nicht mit. Die Radeon RX 7900 XTX behält mit 287 mm Länge und 2,5 Slots den Formfaktor der Vorgängergeneration. Mit zwei üblichen 8-Pin-Steckern ist die Stromversorgung erledigt. Auf Prozessorseite ist die nächste X3D-Generation bereits für das erste Quartal 2023 angekündigt.

Am Ende entscheiden die Kunden, welches Konzept sich durchsetzt. Gezielt bereits beim Produktdesign nicht ans Limit gehen - oder aber mit extra Kosten und Aufwand die absolut gesehen leistungsfähigsten Produkte zu bauen und den Kunden zu überlassen, sie selbst zu limitieren.


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