Xi will Rückstände mit Hilfe ausländischer Partner aufholen

Doch es gibt einen Ausweg aus dem Dilemma. "Die politische Führung der Volksrepublik hat verstanden, dass sie nur gemeinsam mit ausländischen Partnern den technologischen Rückstand aufholen kann, den die chinesische Halbleiterindustrie noch hat", erklärt Merics-Experte John Lee. Darauf deuteten zahlreiche Äußerungen von Präsident Xi Jinping hin.

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Dieser erklärte wiederholt, wie wichtig es sei, dass chinesische Unternehmen auch künftig in internationale Wertschöpfungssysteme integriert seien. "Die Globalisierung ist ein Pfad, der sich für die weltweite Halbleiterindustrie durch nichts ersetzen lässt, weil ihre Lieferkette zu lang und weitreichend ist", ließ er Anfang Juni 2021 Wu Hanming, den Vizepräsidenten für Forschung und Entwicklung von SMIC sowie Mitglied der chinesischen Akademie der Ingenieurwissenschaften - einer Institution des Staatsrates der Volksrepublik -, auf einer Konferenz in Nanjing erklären.

KP gestaltet Globalisierung zum Nutzen der Volksrepublik

Natürlich wird die Kommunistische Partei versuchen, die Globalisierung so zu gestalten, dass vor allem die Volksrepublik und chinesische Unternehmen davon profitieren, warnen Jan-Peter Kleinhans und John Lee in ihrer Studie. "Derzeit bedeutet dies aber vor allem, ausländischen Investoren China als attraktiven Standort für Technologieinvestitionen anzubieten und dadurch die Zusammenarbeit chinesischer Halbleiterunternehmen mit ausländischen Partnern zu fördern", veranschaulicht Merics-Experte Lee.

Um ihre Gewinne zu vergrößern und sich in Chinas dynamisch wachsendem Halbleiterökosystem rechtzeitig in Stellung zu bringen, nehmen Konzerne aus Taiwan und den USA das Angebot gerne an. So haben sich US-Halbleitergigant Intel und der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung finanziell an Verisilicon beteiligt.

Taiwans führender Chipdesigner Mediatek hat fast 49 Millionen US-Dollar in den Fonds investiert, mit dem die Stadt Schanghai die Halbleiterbranche fördert. Die Taiwaner wollen so die chinesische Halbleiterindustrie stärken, sie als Kunden gewinnen und ihre eigene Stellung auf dem Weltmarkt ausbauen. Synopsys, führender Anbieter von EDA-Tools, hat schon 2017 einen mit 100 Millionen Dollar ausgestatteten Fonds eingerichtet, der chinesische Chipdesign-Unternehmen als potenzielle Kunden fördert.

Europas Politiker verstehen Logik der Halbleiterbranche nicht

Und was machen europäische Politiker? Statt Halbleiterunternehmen im Wettrennen mit chinesischen Wettbewerbern den Rücken zu stärken, kreisen sie um die Frage, ob TSMC oder Samsung in der EU eine neue Halbleiterfabrik bauen. "Das reicht nicht, um im Wettlauf mit der Volksrepublik zu bestehen", warnt Jan-Peter Kleinhans von der SNV.

"In Europa müssen wir uns vielmehr der Herausforderung stellen, hiesigen Unternehmen eine Nische auf dem Weltmarkt zu sichern, in der sie so stark sind, dass sie mit Partnern in der Volksrepublik zusammenarbeiten und gleichzeitig eine gesunde Distanz zu ihnen wahren können, damit ihnen die chinesischen Wettbewerber nicht zu viele Marktanteile abnehmen", erklärt Kleinhans.

"Die europäischen Halbleiterunternehmen selbst können dabei unter anderem auf große Stärken im Bereich der Leistungselektronik, Sensorik und Aktorik, bei Automotive-Chips und mikroelektronisch-mechanischen Systemen setzen", versichert Sven Baumann, Experte für Mikroelektronik, Sensorik und Aktorik beim ZVEI.

EU-Bürokratie bremst europäische Chip-Unternehmen aus

Flankierend müssten Wirtschaftspolitiker in der EU der Halbleiterbranche aber über viele Jahre zuverlässig ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung widmen und Jungunternehmen sowie Startups fördern, ergänzt Jan-Peter Kleinhans. Fördermittel müssten deutlich schneller und unbürokratischer fließen als bisher, fordert der SNV-Experte. "Mit dem einzigen derzeit in der EU zur Verfügung stehenden Förderinstrument, mit dem Regierungen nicht nur Forschung, sondern auch deren Umsetzung in Produkte fördern dürfen, dem 'Important Project of Common European Interest' (IPCEI), gelingt das nicht", kritisiert Kleinhans. Das Instrument sei für Unternehmen zu mühsam in der Handhabung.

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Die Regularien seien intransparent. "Bis im Rahmen des aktuell anlaufenden IPCEI II Fördermittel an Unternehmen fließen, dauert es viel zu lange", beklagt Kleinhans. Bislang hätten sich die meisten teilnehmenden Staaten nicht mal darauf festgelegt, wie viel Geld sie insgesamt für die Förderung der Halbleiterbranche zur Verfügung stellen.

Gefragt sind mehr als Investitionen in Mega-Fabs

Das bemängelt auch Sven Baumann vom ZVEI. "Fördermittel allein reichen allerdings nicht, um Rückstände der Halbleiterbranche in der EU auszugleichen", sagt er. Dazu brauche es ein Bündel an Maßnahmen. Neben der Förderung von Forschungseinrichtungen wie den deutschen Fraunhofer-Instituten, dem Interuniversity Microelectronics Centre in Belgien oder dem Institut Cea-LETI im französischen Grenoble gehört für Baumann dazu der Aufbau von Halbleiterfabriken, die Chips unabhängig von deren Strukturbreite mit den modernsten Verfahren produzieren.

"Allerdings müssen wir vor dem Auf- und Ausbau derartiger Fabs genau analysieren, wie groß unser Bedarf an Halbleitern für welche Anwendungen heute und künftig ist und welchen Anteil davon wir in der EU produzieren wollen, um technologisch souverän zu sein", fordert Baumann. Die EU kann es sich anders als China schließlich kaum leisten, 300 Milliarden Euro Subventionen nach dem Gießkannenprinzip über der Chipindustrie auszugießen, ohne zu fragen, mit wie viel des Geldes wirklich Wertschöpfung und Innovationen geschaffen werden.

ZVEI-Experte Baumann schätzt, dass in China nur 20 Prozent der eingesetzten Mittel der Halbleiterbranche wirklich nachhaltig nutzen. Auch solch eine Förderpolitik kann eine Form der Arroganz sein, mit der Soldaten auf Dauer eventuell nicht siegen.

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 US-Exportkontrollen können Wachstum nicht bremsen
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Shismar 16. Sep 2021 / Themenstart

Das ist doch das einzige, was wirklich funktioniert. Einmal in derEU eingeführt oder...

oldmcdonald 08. Sep 2021 / Themenstart

Hab ich auch 2x lesen müssen und dachte erst: "Huch!"

Muhaha 08. Sep 2021 / Themenstart

Komme hier bitte nicht mit Fakten :) Dieser Fehler wird nicht mehr gemacht. Es hat zwar...

osch@d 08. Sep 2021 / Themenstart

Vielleicht hier mal lesen in Wikipedia zu Wirtschaftsspionage Die größten Spione sind die...

bofhl 08. Sep 2021 / Themenstart

Es bleibt jedem freigestellt auch das zu tun. Nur in China ist diese "Freistellung...

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