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Chiphersteller: Niederlande geben Kontrolle über Nexperia wieder ab

Der Streit um den Halbleiterproduzenten Nexperia hat die Lieferketten gefährdet. Nun übernimmt China wieder die Kontrolle.
/ Friedhelm Greis
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Firmenzentrale von Nexperia im niederländischen Nijmegen (Bild: Nicolas Economou/Reuters)
Firmenzentrale von Nexperia im niederländischen Nijmegen Bild: Nicolas Economou/Reuters

Die niederländische Regierung hat nach rund sieben Wochen die Kontrolle über den Halbleiterhersteller Nexperia wieder abgegeben. Das teilte der niederländische Wirtschaftsminister Vincent Karremans am 19. November 2025 mit(öffnet im neuen Fenster) .

"Angesichts der jüngsten Entwicklungen halte ich es für den richtigen Zeitpunkt, in enger Abstimmung mit unseren europäischen und internationalen Partnern einen konstruktiven Schritt zu unternehmen und meine Anordnung gemäß dem Gesetz über die Verfügbarkeit von Gütern in Bezug auf Nexperia auszusetzen" , hieß es in der Mitteilung.

Laut Karremans gab es in den vergangenen Tagen "konstruktive Gespräche mit den chinesischen Behörden" . Die von China ergriffenen Maßnahmen zur Sicherstellung der Halbleiterlieferungen seien ein "Zeichen des guten Willens" .

Die Niederlande übernahmen am 30. September 2025 die Kontrolle über Nexperia. Hintergrund der ungewöhnlichen Entscheidung waren Befürchtungen, dass der CEO des chinesischen Eigentümers Wingtech, Zhang Xuezheng (genannt Wing), "Produktionsmittel, Finanzmittel und Know-how an ein ausländisches, dem CEO gehörendes Unternehmen außerhalb der Nexperia-Gruppe übertragen" wolle. Das steht in einem sechsseitigen Schreiben Karremans'(öffnet im neuen Fenster) an das niederländische Parlament.

Was plante der Wingtech-CEO?

Dieses Vorgehen Wings stellte demnach "ein unmittelbares Risiko für das Know-how, die Produktion in der Lieferkette und damit die Versorgungssicherheit der europäischen Industrie mit Mikrochips sowie für bestehende gegenseitige Abhängigkeiten dar" .

Medienberichten zufolge(öffnet im neuen Fenster) soll Wing Ende September geplant haben, die Produktion von Wafern, die bis dato in Hamburg und Manchester produziert werden, nach China zu verlagern. Zudem habe er 40 Prozent der europäischen Belegschaft entlassen und den Forschungsstandort in München mit 300 Beschäftigten schließen wollen. Das Know-how zur Herstellung bestimmter Transistoren habe nach China gehen sollen.

Nexperia nicht kurzfristig ersetzbar

Karremans behauptete in seinem Schreiben, dass Nexperia der letzte verbliebene Hersteller in Europa für sogenannte Legacy Chips sei. Darunter werden Chips verstanden , die noch mit alten Prozessknoten zwischen 28 und teils mehreren 100 nm hergestellt werden. Solche Chips werden jedoch in Europa weiterhin von Firmen wie Infineon, Bosch oder STMicro produziert.

Allerdings zeigte der Streit um Nexperia, dass sich Lieferprobleme bei einem wichtigen Hersteller nicht kurzfristig durch andere Firmen beheben lassen . Zwar bezog die Autoindustrie bereits ähnliche Chips von anderen Anbietern, doch die Zulassung neuer Lieferanten für bestimmte Komponenten und der Aufbau der Produktion hätte mehrere Monate in Anspruch genommen.

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic teilte am 9. November 2025 mit , dass die deutsche Autoindustrie wieder mit Bauteilen von Nexperia beliefert werde. China hatte nach dem Vorgehen der Niederlande Exportbeschränkungen für bestimmte Nexperia-Chips verhängt. Etwa 70 Prozent der Chips des Unternehmens werden in China verarbeitet und getestet.


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