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Chiphersteller Lantiq: Festnetz-Topologie in Deutschland für G.fast "ungünstig"

Der Chip-Hersteller Lantiq (ehemals Infineon) gibt Probleme bei dem Einsatz von G.fast in Deutschland zu. Schuld sei die Festnetz-Topologie der Telekom. Sinnvoll sei der Einsatz aber trotzdem, sagt ein Product Manager.
/ Achim Sawall
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Powerpoint-Folie von Lantiq zu G.fast (Bild: Lantiq)
Powerpoint-Folie von Lantiq zu G.fast Bild: Lantiq

Hans-Peter Trost, Product Manager für G.fast(öffnet im neuen Fenster) bei dem Chiphersteller Lantiq, räumt Schwierigkeiten bei der Einführung der Technik in Deutschland ein, die durch die Festnetz-Topologie entstünden. Trost sagte Golem.de: "In der Tat ist die Topologie in Deutschland erst einmal ungünstig für G.fast. Aber G.fast ist sinnvoll, auch aus dem Street Cabinet heraus, da es mit VDSL und Vectoring koexistieren kann. Deswegen schauen sich alle Carrier in Deutschland auch sehr genau G.fast und die Möglichkeiten an. Wir sind mit allen großen Carriern im Gespräch."

Lantiq ging 2009 aus dem Verkauf der Sparte Wireline Communications Infineons hervor.

Der mögliche VDSL2-Nachfolgestandard G.fast lässt sich im deutschen Festnetz kaum sinnvoll nutzen, weil es sehr wenige Distribution Points (FTTdp – Fibre To The Distribution Point) gibt. Je nach Ort der Einspeisung wird unterschieden zwischen der G.fast-Nutzung direkt am Hausanschluss, der meist im Keller eines Gebäudes liegt, und dem Einsatz an einem speziellen Einspeisepunkt (FTTdp), der auf der Straße, meist unter dem Gehweg liegen kann. Diese Variante wird auch als FTTS (Fibre To The Street) bezeichnet.

In Deutschland gibt es bislang nur sehr wenige Distribution Points, dem letzten Netzwerkknoten vor dem Wohneigentum. Sie müssten für G.fast eigens errichtet werden. In der Schweiz sind die Distribution Points gut ausgebaut, im Festnetz der Deutschen Telekom sind stattdessen meist nur Muffen zu finden.

G.fast aus den Verteilerkästen

Trost sagte dazu: "So kann G.fast aus den Verteilerkästen, zum Beispiel der Telekom bereitgestellt werden und Teilnehmer bis zu 400 Metern mit den hohen Datenraten angebunden werden. Die Teilnehmer, die weiter entfernt sind, können weiterhin über VDSL versorgt werden." Die beiden Technologien könnten aus demselben Verteilerkasten parallel angeboten werden. Die Linecards in den Cabinets ließen sich einfach gegen G.fast-Linecards austauschen. Rund 60 Prozent der Street Cabinets in Deutschland seien zudem unter 400 Meter von den Endkunden entfernt, sagt Trost.

"Klar ist, dass Deutschland nicht der erste Zielmarkt für G.fast sein wird". Dies seien die Schweiz, vor allem aber Frankreich mit einer staatlichen Breitbandinitiative über FTTdp und Nordamerika. Auch in Asien würden die Festnetzbetreiber neben dem Glasfaserausbau auf G.fast setzen.

G.fast eigne sich für FTTdp-Szenarien. Als FTTB werde G.fast in Deutschland mit großem Interesse von City-Carriern wie Mnet oder Netcologne verfolgt.

Der G.fast-Standard wurde Anfang Dezember 2014 von der ITU verabschiedet und eröffnet den Netzbetreibern Möglichkeiten, um "glasfaserähnliche Bandbreiten" über die verdrillten Telefonleitungen anzubieten. Als wichtiger Bestandteil für die Digitale Agenda "kommen vermutlich in ein bis zwei Jahren erste G.fast-Technologien im Hochvolumen bei den Telekommunikationsanbietern zum Einsatz", erklärte Trost.

G.fast funktioniert im Kupfernetz und bringt 520 MBit/s im Download und rund 110 MBit/s im Upload, wie die Telekom Austria in diesem Monat berichtete. Mit einer kommerziellen Verfügbarkeit des möglichen VDSL2-Nachfolgestandards G.fast sei ab 2016 zu rechnen.


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