Bei Alibaba sind die Lager immer voll

Beispielsweise ist der beliebte ATmega328 - er sitzt auf dem Arduino Uno und Nano - sowohl beim Hersteller Microchip als auch den beiden zuvor genannten Händlern ausverkauft. Nächster Liefertermin: Februar 2023.

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Wer den Mikrokontroller dringend jetzt braucht, wird bei Ebay fündig. Die Preise sind mindestens doppelt so hoch wie üblich, ein Verkäufer verlangt gar über 30 Euro - mehr als das Zwölffache des normalen Preises. Mehr als einige Dutzend scheint aber keiner der Verkäufer liefern zu können.

Anders sieht es bei Alibaba aus. Dort finden sich Dutzende Angebote - viele sogar zu Preisen deutlich unterhalb der von Microchip genannten 1,09 Euro (bei Abnahme von mindestens 100 Stück). Ein Anbieter gibt beispielsweise an, 9.000 der Mikrokontroller täglich liefern zu können. Für lediglich 0,01 US-Dollar pro Stück (schon ab 500 Stück) und natürlich brandneu.

Was dann am Ende tatsächlich im Paket ist, ist reines Glücksspiel. Zwar ist in unserem Beispiel der unrealistisch niedrige Preis bereits eine deutliche Warnung. Aber auch ein realistischerer Preis garantiert kein Originalteil. Das musste 2010 Sparkfun feststellen, das seinen Reinfall allerdings in eine spannende Artikelserie verwandelte. Im Zentrum steht übrigens derselbe Mikrokontroller, bei dem es Ende 2009 ebenfalls einen Lieferengpass gab.

  • Schön, aber leider kaputt: ein geplatzter Elektrolytkondensator. (Bild: Wikimedia Commons, CC-BY-SA 4.0)
  • Beim Hersteller nicht zu bekommen, bei Alibaba schon, und so günstig ... (Screenshot: Golem.de)
  • Hochwertig gefälscht: ein Wischtest war unauffällig, Ultraschallmikroskopie zeigt die alte Beschriftung. (Bild: HTV Conservation GmbH, Montage: Golem.de)
  • Anstieg der vom Hersteller angegebenen Lieferzeit verschiedener ICs von Januar bis April 2021 (Bild: LevaData)
Beim Hersteller nicht zu bekommen, bei Alibaba schon, und so günstig ... (Screenshot: Golem.de)

Was wird gefälscht - und warum?

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Brian Hughitts Präsentation hinterlässt den Eindruck, gefälscht würden vor allem teure Bauteile. Es finden sich Abbildungen von Operationsverstärkern und Analog-Digital-Wandlern - mit Stückpreisen im zwei- bis dreistelligen Bereich. Hier liegt es nahe, ein günstiges Bauteil als teuer auszugeben. Das kann sogar funktionieren - solange es nicht an seine Grenzen gebracht wird. Denn der hohe Preis hat seinen Grund: Bei Genauigkeit, Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Robustheit übertreffen sie günstigere Varianten. Und diese Parameter werden vom Hersteller garantiert.

Ebenfalls problematisch sind Produkte, die nicht mehr neu zu beziehen sind. Dies betrifft vor allem die Luft- und Raumfahrt sowie das Militär. Hier sind Schaltungen nicht selten Jahrzehnte im Einsatz. Fällt dann eine Komponente aus, hat der Hersteller die Produktion oft schon eingestellt - oder existiert gar nicht mehr. In diesem Fall muss also auf Gebrauchtware zurückgegriffen werden. Firmen wie Retronix bereiten gebrauchte Halbleiter auf und prüfen ihre Funktion. Vereinfacht gesagt, stammen diese aus dem Müll, kosten also fast nichts, während die Verkaufspreise aufgrund der Seltenheit hoch sind. Wer sich die aufwendige Aufarbeitung auch noch spart, verdient gut.

Vielfach dokumentiert sind auch gefälschte Leistungshalbleiter wie Transistoren. Ein hochwertiger Transistor beispielsweise für Audioverstärker mit hoher Strombelastbarkeit und geringer Verzerrung kostet mehrere Euro. Andere Typen kosten nur wenige Cent, haben dieselbe Funktion, halten aber nicht die Leistungsdaten der teuren Geschwister ein.

Alles wird gefälscht

Allerdings zeigt sich schnell, dass nicht nur hochpreisige Bauteile gefälscht werden. Das macht unser Beispiel, der ATmega328, deutlich. Noch offensichtlicher wird dies bei Bauteilen, die nur wenige Cent kosten, wie günstige Operationsverstärker. Jahrelang beliebtes Ziel von Fälschern waren die Seriell-USB-Wandler von FTDI. Hier ging der Hersteller zeitweise einen extremen Weg und brickte diese.

Deutlich wird: gefälscht wird alles, was Geld bringt. Was günstiger beschafft werden kann als das Original und sich als dieses ausgeben lässt, lädt zum Fälschen ein. Knappheit ist hier nur einer der Gründe. Das bestätigt auch Richard Smith von Erai Inc., einem Dienstleister, der sich auf das Erkennen und Analysieren von Problemen und Risiken in der globalen Elektroniklieferkette spezialisiert hat.

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klick mich 16. Mär 2022

10x 0815 umgelabelten Si-Transistor erhalten. Antwort vom Jammerlappen aus China: Dear...

Darkmalvet 14. Mär 2022

Oft genug steht teilweise sogar kritische Infrastruktur vor dem Problem keine Ersatzteile...

__M 13. Mär 2022

Große Firmen mögen das stemmen können, der mittelständische Zulieferer der großen...

__M 12. Mär 2022

Nicht nur die Klone werden hierdurch gesperrt, sondern auch alte Revisionen der...



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