Chinesische Suchmaschine: Google-Mitarbeiter fordern Einstellung von Dragonfly

Was ist aus Googles Unternehmenskultur geworden? Über 300 Mitarbeiter protestieren gegen die Pläne, eine neue, chinesische Suchmaschine einzurichten. Das Angebot widerspreche ihrer Auffassung von Googles Firmenphilosophie.

Artikel veröffentlicht am ,
Demonstration gegen Google und Dragonfly in Madrid: "Wir lehnen Technik ab, die den Mächtigen hilft".
Demonstration gegen Google und Dragonfly in Madrid: "Wir lehnen Technik ab, die den Mächtigen hilft". (Bild: Oscar del PozoO/AFP/Getty Image)

Proteste aus den eigenen Reihen: Google-Angestellte haben die Geschäftsführung aufgerufen, das umstrittene Projekt Dragonfly zu beenden. Dragonfly ist eine Suchmaschine für China, die mit Zensurmechanismen ausgestattet ist. Sie befürchten, Google schaffe damit einen Präzedenzfall für andere autoritäre Staaten.

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"Viele von uns haben eine Arbeit bei Google mit Blick auf die Werte des Unternehmens angenommen, einschließlich seiner einstigen Position zur chinesischen Zensur und Überwachung, und der Abmachung, dass Google ein Unternehmen war, das bereit war, seine Werte über seine Gewinne zu stellen", schreiben die Google-Mitarbeiter. Nach einem Jahr der Enttäuschungen glaubten sie aber nicht mehr, dass das weiterhin gelte. "Deshalb beziehen wir Stellung."

Dragonfly komme zu einem Zeitpunkt, da die chinesische Regierung die Überwachung des Volkes weiter ausbaue, und das mit Einsatz moderner Technik. Indirekt werfen sie Google damit vor, dabei zu helfen: Dragonfly ermögliche Zensur des Internets und staatlich gelenkte Desinformation.

Was sagen wir anderen autoritären Regierungen?

Den Protestierenden geht es aber um mehr: "Bei unserer Ablehnung von Dragonfly geht es nicht um China", heißt es in dem Schreiben. "Wir lehnen Technik ab, die den Mächtigen hilft, die Schwachen zu unterdrücken, wo auch immer." Die chinesische Regierung sei bei weitem nicht die einzige, die die Meinungsfreiheit beschneide und ihre Bürger überwache. Mit Dragonfly könnte das Unternehmen demnach einen Präzedenzfall schaffen, "der es Google schwer machen würde, anderen Ländern ähnliche Zugeständnisse zu verweigern."

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Der offene Brief, der auf der Plattform Medium.com erschienen ist, ist von über 300 Mitarbeitern unterzeichnet worden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International unterstützt den Aufruf, Dragonfly einzustellen.

2010 wollte Google nicht mehr filtern

2010 hatte das Unternehmen sein chinesisches Angebot abgeschaltet, weil es Suchergebnisse nicht mehr filtern wollte. Anfang August wurde bekannt, dass Google eine neue Suchmaschine für China plant. Das Unternehmen soll auch bereits mit Regierungsvertretern über Filtermechanismen verhandelt haben. Die für Mobilgeräte entwickelte Suche Dragonfly soll sogar eine Suchanfrage mit der Telefonnummer des Nutzers verknüpfen. Über Details zu Dragonfly schweigt Google beharrlich.

Die chinesische Regierung hingegen geht nicht davon aus, dass Google Dragonfly einstellt. Es gebe keine entsprechenden Hinweise von dem Internetkonzern, sagte ein Mitarbeiter des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie der britischen Nachrichtenagentur Reuters. Einen Start des Angebots im kommenden Jahr hielt er jedoch für unrealistisch.

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hG0815 29. Nov 2018

Ja genau die. Das sind die, welche heute schon unsere Suchergebnisse nach Lust und Laune...

hG0815 29. Nov 2018

@andiskater: Haha der war gut! :D @Umaru: Ganz genau. Find es immer wieder lustig wie...

Mixermachine 28. Nov 2018

Denke mal das handhaben die Chinesen recht einfach. Nach dem x-ten (wobei ich x < 5...

neocron 28. Nov 2018

richtig, auch Google ist nicht gezwungen sich eine Firmenphilosophie auf die Fahnen zu...



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