Abo
  • IT-Karriere:

Chinesische Raumfahrt: Langer Marsch 5 abgestürzt

Eine chinesische Schwerlastrakete hat durch eine Fehlfunktion keinen Orbit erreicht. Der Fehlstart gefährdet den Zeitplan des chinesischen Raumfahrtprogramms.

Artikel veröffentlicht am ,
Diese Stichflamme kündigte das Versagen der Rakete an.
Diese Stichflamme kündigte das Versagen der Rakete an. (Bild: CCTV13)

Der zweite Start von Chinas neuer Schwerlastrakete Changzheng-5 (Langer Marsch 5) ist fehlgeschlagen. Sie sollte am Sonntagabend Chinas größten und leistungsstärksten Nachrichtensatelliten Shijian-18 (Probekörper-18) in einen Orbit befördern. Beim Flug versagte aber ein Triebwerk der ersten Stufe, woraufhin die Rakete in den Pazifik stürzte. Der erste Flug war im November 2016 bis auf kleinere Probleme in der zweiten Stufe erfolgreich verlaufen.

Stellenmarkt
  1. assona GmbH, Berlin
  2. Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Campus Nord, Eggenstein-Leopoldshafen

Die Changzheng-5 ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Chinas Raumfahrtplänen. Sie sollte noch in diesem Jahr die nach einer chinesischen Mondgöttin benannte Mondmission Chang'e 5 starten, mit der eine Sonde auf dem Mond landen und Bodenproben zur Erde zurückschicken soll. Außerdem wird sie als einzige chinesische Rakete in der Lage sein, die schweren Module für die neue internationale Raumstation Tiangong-3 (Himmelspalast-3) in den Orbit zu bringen. Eine Kommission soll nun die Ursache des Fehlstarts finden.

Die Rakete startete vom neuen chinesischen Raketenstartplatz Wenchang auf der chinesischen Insel Hainan. Es ist der einzige zivile Startplatz Chinas. Alle anderen Startplätze befinden sich auf Militärbasen im Landesinneren. Der Start der Rakete wurde live in Internetstreams und im Fernsehen übertragen. Auf Bildschirmen in der Missionskontrolle konnte die Abweichung der Flugbahn zwar erkannt werden, der Fehlschlag wurde aber erst später bekanntgegeben.

Stichflamme deutete Fehlfunktion an

Die Fehlfunktion zeigte sich auf den Livebildern der Rakete erstmals nach der Abtrennung der kerosinbetriebenen Boosterraketen. Eine Stichflamme trat seitlich von einem der wasserstoffbetriebenen YF-77 Triebwerke der Rakete aus und entwickelte sich später zu einer Dampffahne. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Rakete am Nachthimmel über den Philippinen beobachtet werden, sie zeigte dabei deutlich einen schräg austretenden zweiten Schweif.

Zur Ursache ist noch nichts bekannt geworden. Möglich wäre etwa ein Versagen der Kühlung der Raketendüse wie beim ersten Start der Ariane 5 ECA Variante im Jahr 2002. Dabei schmolz ein Teil der Düse, wodurch ein Teil der Triebwerksabgase seitlich austrat. Aber auch andere Ursachen sind denkbar, etwa ein Platzen der Turbinen zum Antrieb der Treibstoffpumpen. In dem Fall würde das heiße Abgas der Gasgeneratoren austreten, das normalerweise die Turbinen antreibt. Diese Gasgeneratoren sind selbst aufgebaut wie ein kleines Raketentriebwerk und hätten einen ähnlichen Effekt.

Mondmission könnte verschoben werden

Der Ausfall der Changzheng-5 bedeutet einen Rückschlag für die chinesische Raumfahrt, zumal schon zwei Wochen zuvor der Start eines Satelliten mit einer Rakete älterer Bauart scheiterte. China entwickelte in den vergangenen Jahren drei neue Raketen, die auf gemeinsamer Technik aufbauen. Von einer Fehlfunktion der YF-77 Triebwerke sollten aber keine anderen Raketen betroffen sein, da sie speziell für die Changzheng-5 entwickelt wurden.

Die vier Boosterraketen der Changzheng-5 mit je zwei kerosinbetriebenen YF-100 Triebwerken kommen in ähnlicher Bauform als erste Stufe der mittelgroßen Rakete Changzheng-7 zum Einsatz. Die Booster der Changzheng-7 haben nur ein YF-100 Triebwerk, dienen aber gleichzeitig auch als erste Stufe der kleinen Changzheng-6. Ein Versagen dieses Triebwerks hätte also weitreichende Konsequenzen.

Es war erst der zweite Start einer Changzheng-5 Rakete. Technische Probleme sind in diesem Entwicklungsstadium noch relativ häufig. Es hängt nun vom Ergebnis der Untersuchung der Ursache ab, ob der weitere Zeitplan des ehrgeizigen chinesischen Weltraumprogramms gehalten werden kann.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

Sharra 04. Jul 2017

Das ist so nicht ganz richtig. Zum einen sind die Chefs zum Teil extrem nationalistisch...

M.P. 04. Jul 2017

Naja, wenn man sich auf die offiziell verlauteten Fehlschläge bezieht, sieht es...

Muhaha 04. Jul 2017

Das Zentralkomitee der KP Chinas ist schlau genug um zu wissen, dass man mit Mao zwar...

Frank... 03. Jul 2017

Die Auffächerung des Triebwerksstrahls sieht man im Hintergrund, hat damit aber nichts zu...

Frank... 03. Jul 2017

Also auf eine Langer Marsch 6 wird man nicht warten müssen, die gibt es schon...


Folgen Sie uns
       


AMD Ryzen 9 3900X und Ryzen 7 3700X - Test

Wir testen den Ryzen 9 3900X mit zwölf Kernen und den Ryzen 7 3700X mit acht Kernen. Beide passen in den Sockel AM4, nutzen DDR4-3200-Speicher und basieren auf der Zen-2-Architektur mit 7-nm-Fertigung.

AMD Ryzen 9 3900X und Ryzen 7 3700X - Test Video aufrufen
In eigener Sache: Golem.de bietet Seminar zu TLS an
In eigener Sache
Golem.de bietet Seminar zu TLS an

Der Verschlüsselungsexperte und Golem.de-Redakteur Hanno Böck gibt einen Workshop zum wichtigsten Verschlüsselungsprotokoll im Netz. Am 24. und 25. September klärt er Admins, Pentester und IT-Sicherheitsexperten in Berlin über Funktionsweisen und Gefahren von TLS auf.

  1. In eigener Sache Zweiter Termin für Kubernetes-Seminar
  2. Leserumfrage Wie können wir dich unterstützen?
  3. In eigener Sache Was du schon immer über Kubernetes wissen wolltest

LEDs: Schlimmes Flimmern
LEDs
Schlimmes Flimmern

LED-Licht zu Hause oder im Auto leuchtet nur selten völlig konstant. Je nach Frequenz und Intensität kann das Flimmern der Leuchtmittel problematisch sein, für manche Menschen sogar gesundheitsschädlich.
Von Wolfgang Messer

  1. Wissenschaft Schadet LED-Licht unseren Augen?
  2. Straßenbeleuchtung Detroit kämpft mit LED-Ausfällen und der Hersteller schweigt
  3. ULED Ubiquitis Netzwerkleuchten bieten Wechselstromversorgung

Forschung: Mehr Elektronen sollen Photovoltaik effizienter machen
Forschung
Mehr Elektronen sollen Photovoltaik effizienter machen

Zwei dünne Schichten auf einer Silizium-Solarzelle könnten ihre Effizienz erhöhen. Grünes und blaues Licht kann darin gleich zwei Elektronen statt nur eines freisetzen.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. ISS Tierbeobachtungssystem Icarus startet
  2. Sun To Liquid Solaranlage erzeugt Kerosin aus Sonnenlicht, Wasser und CO2
  3. Shell Ocean Discovery X Prize X-Prize für unbemannte Systeme zur Meereskartierung vergeben

    •  /