Chinesische Raumfahrt: Langer Marsch 5 abgestürzt

Der zweite Start von Chinas neuer Schwerlastrakete Changzheng-5 (Langer Marsch 5) ist fehlgeschlagen.(öffnet im neuen Fenster) Sie sollte am Sonntagabend Chinas größten und leistungsstärksten Nachrichtensatelliten Shijian-18 (Probekörper-18) in einen Orbit befördern. Beim Flug versagte aber ein Triebwerk der ersten Stufe, woraufhin die Rakete in den Pazifik stürzte. Der erste Flug(öffnet im neuen Fenster) war im November 2016 bis auf kleinere Probleme in der zweiten Stufe erfolgreich verlaufen.
Die Changzheng-5 ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Chinas Raumfahrtplänen. Sie sollte noch in diesem Jahr die nach einer chinesischen Mondgöttin benannte Mondmission Chang'e 5 starten, mit der eine Sonde auf dem Mond landen und Bodenproben zur Erde zurückschicken soll. Außerdem wird sie als einzige chinesische Rakete in der Lage sein, die schweren Module für die neue internationale Raumstation Tiangong-3 (Himmelspalast-3) in den Orbit zu bringen. Eine Kommission soll nun die Ursache des Fehlstarts finden.
Die Rakete startete vom neuen chinesischen Raketenstartplatz Wenchang auf der chinesischen Insel Hainan. Es ist der einzige zivile Startplatz Chinas. Alle anderen Startplätze befinden sich auf Militärbasen im Landesinneren. Der Start der Rakete wurde live in Internetstreams und im Fernsehen übertragen. Auf Bildschirmen in der Missionskontrolle konnte die Abweichung der Flugbahn zwar erkannt werden, der Fehlschlag wurde aber erst später bekanntgegeben.
Stichflamme deutete Fehlfunktion an
Die Fehlfunktion zeigte sich auf den Livebildern der Rakete erstmals nach der Abtrennung der kerosinbetriebenen Boosterraketen. Eine Stichflamme trat seitlich von einem der wasserstoffbetriebenen YF-77 Triebwerke der Rakete aus und entwickelte sich später zu einer Dampffahne. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Rakete am Nachthimmel über den Philippinen beobachtet werden, sie zeigte dabei deutlich einen schräg austretenden zweiten Schweif.
Zur Ursache ist noch nichts bekannt geworden. Möglich wäre etwa ein Versagen der Kühlung der Raketendüse wie beim ersten Start der Ariane 5 ECA Variante(öffnet im neuen Fenster) im Jahr 2002. Dabei schmolz ein Teil der Düse, wodurch ein Teil der Triebwerksabgase seitlich austrat. Aber auch andere Ursachen sind denkbar, etwa ein Platzen der Turbinen zum Antrieb der Treibstoffpumpen. In dem Fall würde das heiße Abgas der Gasgeneratoren austreten, das normalerweise die Turbinen antreibt. Diese Gasgeneratoren sind selbst aufgebaut wie ein kleines Raketentriebwerk und hätten einen ähnlichen Effekt.
Mondmission könnte verschoben werden
Der Ausfall der Changzheng-5 bedeutet einen Rückschlag für die chinesische Raumfahrt, zumal schon zwei Wochen zuvor der Start eines Satelliten mit einer Rakete älterer Bauart scheiterte. China entwickelte in den vergangenen Jahren drei neue Raketen, die auf gemeinsamer Technik aufbauen. Von einer Fehlfunktion der YF-77 Triebwerke sollten aber keine anderen Raketen betroffen sein, da sie speziell für die Changzheng-5 entwickelt wurden.
Die vier Boosterraketen der Changzheng-5 mit je zwei kerosinbetriebenen YF-100 Triebwerken kommen in ähnlicher Bauform als erste Stufe der mittelgroßen Rakete Changzheng-7 zum Einsatz. Die Booster der Changzheng-7 haben nur ein YF-100 Triebwerk, dienen aber gleichzeitig auch als erste Stufe der kleinen Changzheng-6. Ein Versagen dieses Triebwerks hätte also weitreichende Konsequenzen.
Es war erst der zweite Start einer Changzheng-5 Rakete. Technische Probleme sind in diesem Entwicklungsstadium noch relativ häufig. Es hängt nun vom Ergebnis der Untersuchung der Ursache ab, ob der weitere Zeitplan des ehrgeizigen chinesischen Weltraumprogramms gehalten werden kann.



