Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Chinas Forschung: Weltweit erste Zeitmessungssoftware für den Mond

China hat ein einfaches Tool entworfen, das die genaue Zeit des Mondes berechnet. Die USA haben so etwas bislang nicht.
/ Patrick Klapetz
6 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Symbolbild für die Zeitmessung auf dem Mond (Collage) (Bild: Pixabay, golem.de)
Symbolbild für die Zeitmessung auf dem Mond (Collage) Bild: Pixabay, golem.de

Eine chinesische Forschungsgruppe hat die weltweit erste Software für Zeitmessung auf dem Mond(öffnet im neuen Fenster) vorgestellt. Sie soll präzise Navigation und Landungen unterstützen, denn aufgrund der geringeren Schwerkraft ticken Uhren auf dem Mond schneller als auf der Erde.

Zwar sind das nur ungefähr 56 Millionstel Sekunden pro Tag, doch dieser Zeitunterschied könnte dafür ausreichen, dass beim Landemanöver nicht alles nach Plan läuft. Außerdem summiert sich dieser Effekt über die Zeit, wodurch die Erdzeit für Mondoperationen zunehmend unzuverlässig wird. Das ist wiederum ein Problem bei angestrebten Langzeitmissionen auf dem Trabanten.

"Wenn man auf dem Mond etwas Ähnliches wie GPS verwenden möchte – was wir wahrscheinlich in wenigen Jahren tun werden, insbesondere für präzise Landungen -, muss man dieses Problem irgendwie lösen" , teilte Jonathan McDowell(öffnet im neuen Fenster) , Astronom und Weltraumhistoriker in Harvard, der aber nicht an der Studie beteiligt ist, mit.

Ein Tool zur Zeitmessung auf dem Mond

Das chinesische Team des Purple Mountain Observatory in Nanjing entwickelte zur Lösung des Problems ein Modell, das sowohl die schwächere Schwerkraft des Mondes als auch seine Bewegung durch den Weltraum berücksichtigt. Dadurch können Ereignisse auf dem Mond mit den auf der Erde verwendeten Uhren genau synchronisiert werden.

In der Vergangenheit spielte die Differenz keine Rolle, da es nur wenige Mondmissionen gab. Die Missionsingenieure verwendeten einfach die Erdzeit und nahmen bei Bedarf für jede Mission Korrekturen vor. Doch Missionen zum Mond nehmen seit Jahren zu und dürften noch häufiger stattfinden, da mehrere Nationen Basen auf der Mondoberfläche anstreben – dazu gehören die USA , China und Russland sowie Indien und Südkorea .

Ein kleiner wissenschaftlicher Vorsprung

Die chinesischen Forscher berichteten, dass ihre Methode in dem Modell selbst über einen Zeitraum von 1.000 Jahren auf wenige zehn Nanosekunden genau geblieben sei. Sie integrierten das Modell in eine gebrauchsfertige Software, mit der Benutzer die Mond- und Erdzeit in einem einzigen Schritt vergleichen können – anstatt sich auf komplexe Berechnungen verlassen zu müssen.

Auch in den USA arbeitet man an ähnlichen Modellen. McDowell sei jedoch kein anderes, leicht verfügbares Tool wie die Software LTE440 (Lunar Time Ephemeris, die Mondzeit-Ephemeride) bekannt: "Dies unterstreicht, dass China es mit dem Mond ernst meint und seine mondbezogenen Forschungsergebnisse recht offen teilt." Die chinesischen Wissenschaftler weisen aber auch darauf hin, dass dies ein erster Schritt sei und die Software erweitert werden müsse, um Echtzeitnavigation und zukünftige Monduhrnetzwerke zu unterstützen.

Zur Studie

Die dazugehörige Studie wurde am 8. Dezember 2025 in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht: Lunar time ephemeris LTE440: Definitions, algorithm, and performance(öffnet im neuen Fenster) (Mondzeit-Ephemeride LTE440: Definitionen, Algorithmus und Leistung).


Relevante Themen