Die Herausforderungen beim Bau des Mega-Tunnels
Der Bau war jedoch nicht einfach: Im April 2020 starteten die Arbeiten, die teilweise in einer Höhe von fast 3.000 m erfolgten und bei Temperaturen, die bis minus 42 Grad Celsius erreichten. Zudem gehört das Gebirge zu einer seismisch aktiven Zone.
Für den Bau musste auch ein senkrechter Schacht gegraben werden, der 700 m in die Tiefe reicht. Der tiefste Punkt des Tianshan-Shengli-Tunnels reicht 1.112 m unter den Gebirgskamm.
Ein 116 km langer Abschnitt der Autobahn führt zudem durch ein Gebiet mit hoher Biodiversität. Um den Naturschutz zu unterstützen, wurden 36 große Brücken und 17 weitere Tunnel gebaut, damit die Lebensräume der dort ansässigen Tierarten weiterhin geschützt bleiben.
Um die Auswirkungen des Megaprojekts für die Bevölkerung und die Natur so gering wie möglich zu halten, wurden weitere Umweltmaßnahmen umgesetzt – besonders in Wald- und Wasserschutzgebieten. Und für die lokalen Landwirte und Viehtreiber wurden zusätzliche Unterführungen gebaut.
Die Gesamtkosten des Bauprojekts liegen bei etwa 5,7 Milliarden Euro, beziehungsweise 46,7 Milliarden Yuan. Seit dem 1. Januar 2026 ist die Schnellstraße für den Probebetrieb freigegeben. Zuvor durften nur öffentliche Fahrzeuge – mit Ausnahme von mittelschweren und schweren Lkw – die Strecke nutzen.
Rekordhalter im Tunnelbau
Mit seinen über 22 km Länge ist der Tianshan-Shengli-Tunnel der längste Autobahntunnel der Welt, jedoch nicht der weltweit längste Tunnel. Rekordhalter ist hier der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz, ein 57,1 km langer Eisenbahntunnel. Dieser soll in den kommenden Jahren allerdings vom Brenner-Basistunnel übertroffen werden, ein italienisch-österreichischer Eisenbahntunnel, der nach seiner Fertigstellung eine Strecke von 64 km umfassen soll. Der weltweit längste Straßentunnel befindet sich in Norwegen und ist mit 24,5 km Länge der Lærdalstunnel.