Wettkampf um den Mond
Dennoch flog Chandrayaan-3 viel weiter südlich als jedes andere Raumfahrzeug. Die chinesische Chang'e-4-Mission landete in einem Bereich von 45 Grad südlich – also weitaus nördlicher als die indische Mission. Die Rivalität zwischen den beiden größten Ländern Asiens hat sich somit auf den Weltraum ausgedehnt. Es herrscht damit offenbar nicht nur ein Wettrennen zwischen China und den USA zum Mond, sondern auch ein Machtkampf zwischen China und Indien im Weltall.
Der Südpol ist für alle Weltraumnationen ein begehrtes Ziel am Mond. Denn hier werden große gefrorene Wasservorkommen erwartet. Auch die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und ihre internationalen Partner wie die Europäer (Esa) wollen in Zukunft eine bewohnbare Station auf dem Mond errichten. China plant ebenfalls an einer festen Mondbasis auf der Mondoberfläche – vielleicht sogar eine zweite Mondstation in den Lavaröhren auf dem Mond.
Russland will ebenfalls eine Station auf dem Mond errichten, wird sich dafür jedoch mehr Zeit lassen, als es die Konkurrenz gerade macht. Damit ist Russland diesmal nur indirekt am Rennen zum Mond beteiligt.
Zwar kann laut dem international anerkannten Weltraumvertrag kein Land der Welt den Mond oder Gebiete auf dem Trabanten für sich beanspruchen. Wer jedoch zuerst dort ist, kann auch als erstes Ressourcen schürfen. Wassereis oder gespeichertes Wasser in Glaskugeln kann nicht nur als Trinkwasser für Astronauten aufbereitet werden.
Es kann auch in Sauerstoff – damit in Atemluft – und Wasserstoff aufgespalten werden. Beides zusammen bildet den Treibstoff für Raketen, die zukünftig zum Mars und darüber hinaus aufbrechen können. Der Mondsüdpol ist somit der nächste Ausgangspunkt für die Vorherrschaft im Weltall.