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China: Tesla-Käufer wütend über weitere Preissenkungen

Wegen rückläufiger Nachfrage hat Tesla innerhalb weniger Monate die Neuwagenpreise um bis zu einem Viertel gesenkt.
/ Friedhelm Greis
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Proteste von Tesla-Käufern in Chengdu (Bild: Reuters)
Proteste von Tesla-Käufern in Chengdu Bild: Reuters

Eine weitere Preissenkung für seine Elektroautos in China hat zu Protesten von früheren Käufern geführt. Rund 200 Käufer eines Model 3 oder Model Y hätten sich am vergangenen Samstag vor Verkaufsräumen in Schanghai versammelt, um gegen eine Preissenkung vom Freitag zu protestieren, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster) . Die Käufer forderten demnach Rabatte und Gutschriften, weil sie zu viel für ihre früher gekauften Elektroautos bezahlt hätten.

Nach Angaben von Reuters(öffnet im neuen Fenster) reduzierte Tesla am 6. Januar 2023 zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten die Preise in China. Nachlässe habe es zudem in Japan, Südkorea und Australien gegeben. Damit solle der Verkauf der in Schanghai produzierten Modelle angekurbelt werden. Nach Berichten über einen weiteren Produktionsstopp in Schanghai war der Kurs der Tesla zum Jahreswechsel stark eingebrochen .

Laut Berechnungen von Reuters summieren sich die Preissenkungen seit September 2022 auf Beträge zwischen 13 und 24 Prozent. Der Einstiegspreis für ein Model 3 liege nun bei umgerechnet 31.600 Euro (229.000 Yuan). In Deutschland kostet ein Model 3 derzeit mindestens 50.000 Euro vor Abzug der Kaufprämie. Unter Berücksichtigung unterschiedlicher Material- und Arbeitskosten sind die chinesischen Modelle laut Reuters zwischen 24 und 32 Prozent günstiger als in den USA.

Dem Bericht zufolge haben die protestierenden Käufer nicht damit gerechnet, dass Tesla innerhalb weniger Wochen ein weiteres Mal die Preise senken würde. Zudem wollten diese beim Kaufzeitpunkt noch von einer staatlichen Förderung profitieren, die Ende 2022 auslief.

Letzteres könnte auch der Grund für den aktuellen Preiskampf auf dem chinesischen Markt sein. "Wir erwarten, dass die neuen Produktionskapazitäten für Elektroautos in China die neue Nachfrage im Jahr 2023 übersteigen werden" , sagte Shi Ji, Analyst der China Merchants Bank International (CMBI) laut Reuters. Tesla müsse die Preise weiter senken und sein Vertriebsnetz in kleineren chinesischen Städten ausbauen, während die Modelle veraltet seien.

Drei-Schicht-Betrieb angelaufen

In Deutschland soll ein Überangebot von Tesla-Modellen in den vergangenen Monaten ebenfalls zu Rabatten geführt haben, von denen Vermieter und Auto-Abo-Anbieter profitierten. "Die steigenden Vermieterzulassungen sind ein deutliches Zeichen für Preisnachlässe, mit denen Tesla im Markt eingreift" , sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer der Wirtschaftswoche (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) .

Dennoch stellt Tesla seine Fabrik im brandenburgischen Grünheide derzeit auf einen Drei-Schicht-Betrieb um. Nach Informationen von Golem.de lief die erste Nachtschicht am Abend des 8. Januar 2023 an. Allerdings sollen zunächst nur 80 Fahrzeuge pro Schicht produziert werden. Das Unternehmen sucht weiterhin händeringend nach Mitarbeitern .

Im vergangenen Dezember wurden erstmals 3.000 Model Y in einer Woche in Grünheide hergestellt . Dennoch soll es im Werk nicht unproblematisch zugehen, berichtete der Tagesspiegel unter Berufung auf einen Insider. Ein Tesla-naher Insider bestätigte demnach, dass es zu "knallharter Ausbeutung" und "Zwangsverpflichtungen" komme, weil viele Kollegen ausgefallen seien. Es sei nicht erkennbar, dass die Werksleitung die Arbeitsbedingungen verbessern wolle, was zu großer Unzufriedenheit bei der Belegschaft führe.


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