China & Taiwan: Taiwan dringt auf weitere Sanktionen gegen China

Die USA sollen sie bereits vorbereiten, Taiwan will mehr Länder überzeugen: Neue Sanktionen sollen China von einem Einmarsch auf der Insel abschrecken.

Artikel veröffentlicht am , Johannes Hiltscher
Die Twin Oaks genannte Villa ist die inoffizielle Botschaft Taiwans in den USA - hier fand das Gespräch mit Parlamentariern aus aller Welt statt. Taiwan versucht, sie zu Sanktionen gegen Peking zu bewegen.
Die Twin Oaks genannte Villa ist die inoffizielle Botschaft Taiwans in den USA - hier fand das Gespräch mit Parlamentariern aus aller Welt statt. Taiwan versucht, sie zu Sanktionen gegen Peking zu bewegen. (Bild: Wikimedia Commons/CC-BY 2.0)

Nachdem die US-Regierung zuletzt mehrere kleine Schritte gegen die Halbleiterfertigung in der Volksrepublik in China unternahm, deuten sich nun umfassendere Sanktionen an: Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Hsiao Bi-khim, Vertreterin Taiwans – offiziell die Republik China – in den USA, "dutzende internationale Abgeordnete" empfing. Ziel des Treffens sei gewesen, die Gäste dazu zu bewegen, sich bei ihren Regierungen für Sanktionen gegen die Volksrepublik China einzusetzen.

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Sie sollen der Regierung in Peking das Signal senden, dass das Land eine Invasion Taiwans "teuer bezahlen" werde, so zitiert Reuters den Entwurf einer Erklärung der Inter-Parliamentary Alliance on China (IPAC). Der internationalen Gruppe gehören aus Deutschland neben dem Europaparlamentarier Reinhard Bütikofer (Grüne) die Bundestagsabgeordneten Michael Brand (CDU) und Boris Mijatović (Grüne) an. Die US-Regierung erarbeite bereits Sanktionen, berichtet Reuters unter Berufung auf vertrauliche Quellen. Ob auch die EU den Wünschen Taiwans folgt, ist bislang offen.

Sanktionen treffen nicht nur China

Schärfere Sanktionen sind allerdings problematisch: Für die Volksrepublik spürbare Handelsbeschränkungen werden für die Sanktionierenden ebenso schmerzhaft. China ist noch immer die Werkbank der Welt, ein Großteil der Konsumgüter wird hier produziert. Gleichzeitig ist es aufgrund des steigenden Wohlstands der Bevölkerung zu einem wichtigen Absatzmarkt für europäische und US-Konzerne geworden – vom Smartphone über Autos bis zu Maschinen.

Ein größerer Handelskonflikt würde weltweit zu einem ernsten Problem, zumal die Volksrepublik einige Märkte dominiert. So wurden Metalle der Seltenen Erden 2021 zu 60 Prozent in China gefördert (PDF), sie sind in vielen Anwendungsfällen unverzichtbar. Neodym beispielsweise steckt in den Magneten von Elektromotoren und Windkraftwerken.

Hintergrund der Bemühungen Taiwans

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Taiwan bemüht sich angesichts steigender Sorgen vor einer chinesischen Invasion um stärkere Sanktionen. Der Konflikt zwischen den beiden Chinas schwelt seit der Abspaltung der Republik China auf Taiwan vom kommunistisch regierten Festland am Ende des chinesischen Bürgerkriegs. Die Führung der Volksrepublik um Präsident Xi Jinping strebt eine Wiedervereinigung des Landes spätestens bis zum 100. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik an – das wäre 2049. Da Taiwan hieran kein Interesse zeigt, schließt die Führung der Volksrepublik auch eine gewaltsame Wiedervereinigung nicht aus.

Lange wurde der Konflikt nur rhetorisch und politisch geführt, die Volksrepublik ließ Taiwan in Ruhe, im Gegenzug wurde Taiwan vom Großteil der übrigen Welt nicht als eigener Staat anerkannt. Zuletzt wuchs jedoch die Sorge vor einer Invasion, nachdem die Volksbefreiungsarmee als Reaktion auf den Besuch von Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Manöver vor der Küste Taiwans durchführte. Dabei wurde erstmals eine Rakete über die Insel geschossen – eine neue Stufe der Eskalation, bereits zuvor drangen chinesische Kampfjets mehrfach in den Luftraum Taiwans ein.

Dass bei einem militärischen Konflikt allerdings alle Seiten verlieren, betonte unlängst Mark Liu, Vorstandsvorsitzender von TSMC, im Interview mit CNN: Der bedeutendste Halbleiterfertiger der Welt werde sich nicht mit Gewalt kontrollieren lassen. Auch käme die Produktion in den Chip-Fabriken zum Stillstand, da sie wirtschaftlich global vernetzt und TSMC auf Partner angewiesen sei. Liu betonte, es sei wichtig, sich international auf Regeln zu einigen.

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irrelevant_ 15. Sep 2022 / Themenstart

Tatsache ist: Taiwan war nie Teil der Volksrepublik China. 1945 wurde die Insel Taiwan...

irrelevant_ 15. Sep 2022 / Themenstart

Es hat sehr wohl etwas mit Recht und Unrecht zu tun. Ich weiß - man kann sich sehr...

jonasz 15. Sep 2022 / Themenstart

Ich glaube kaum, dass die Europäer weiterhin die Amerikaner brauchen, es zeigt doch...

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