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China: KI für militärische Zwecke

Chinesische Forscher nutzen Metas KI -Modell Llama, um mögliche militärische und nachrichtendienstliche Anwendungen zu entwickeln.
/ Mike Faust
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Das Meta-Rechenzentrum in Odense, Dänemark (Bild: Meta)
Das Meta-Rechenzentrum in Odense, Dänemark Bild: Meta

Das öffentlich verfügbare KI-Modell Llama ist von chinesischen Forschungsinstituten verwendet worden, um ein KI-Tool für potenziell militärische Anwendungen zu entwickeln, berichtete Reuters exklusiv(öffnet im neuen Fenster) am 1. November 2024.

Aus von Reuters eingesehenen Dokumenten geht hervor, dass sechs chinesische Forscher, von denen zwei an der führenden Forschungsakademie der Volksbefreiungsarmee arbeiten, eine frühe Version von Metas Llama verwendeten, um das KI-Tool Chatbit zu entwickeln.

Chatbit wurde konstruiert, um nachrichtendienstliche Informationen zu sammeln, zu verarbeiten und eine zuverlässige Grundlage für operative Entscheidungen zu liefern. In dem Papier heißt es laut Reuters, dass Chatbit "für Dialog- und Fragebeantwortungsaufgaben im militärischen Bereich optimiert" wurde.

Nutzungsbedingungen lassen sich kaum durchsetzen

Ohne auf die genaue Methode der Bewertung einzugehen, behaupten die Forscher, dass es mindestens 90 Prozent der Leistung von OpenAIs ChatGPT-4 erreichen soll. Auch wurde nicht erwähnt, ob das KI-Modell bereits in Betrieb genommen wurde.

Dies sei der erste Beweis dafür, dass Forscher der Volksbefreiungsarmee in China systematisch die Leistung von Open-Source-KI-Modellen für militärische Zwecke erforschen, heißt es im Reuters-Bericht weiter.

Zwar verbieten die Nutzungsbedingungen von Llama und anderen KI-Modellen die Verwendung für Militär, Kriegsführung und Spionage, da sie jedoch öffentlich verfügbar sind, haben die Unternehmen nur begrenzte Möglichkeiten, diese Bedingungen durchzusetzen.

Nur wenige Datensätze zum Training verwendet

In einem Telefoninterview mit Reuters sagte Molly Montgomery, Director of Public Policy bei Meta: "Jegliche Nutzung unserer Modelle durch die Volksbefreiungsarmee ist nicht autorisiert und verstößt gegen unsere Nutzungsbedingungen." Meta fügte in einer Stellungnahme hinzu: "Im globalen Wettbewerb um KI ist die angebliche Rolle einer einzigen und veralteten Version eines amerikanischen Open-Source-Modells irrelevant, wenn wir wissen, dass China bereits mehr als eine Billion Dollar investiert, um die USA in Sachen KI zu übertreffen"

Aus dem Reuters vorliegendem Papier geht zudem hervor, dass die chinesischen Forscher Chatbit mit lediglich 100.000 militärischen Dialogdatensätzen trainiert haben, was im Vergleich mit anderen Large-Language-Modellen (LLMs) eine sehr geringe Zahl ist.

Der Einsatz von im Westen entwickelter KI in China bestätigt sich durch weitere Forschungsarbeiten, die Reuters vorlagen. So beschreiben Forscher der Aviation Industry Corporation of China (Avic), wie Llama 2 für das Strategietraining zur Störung der elektronischen Kriegsführung aus der Luft eingesetzt werden kann. Auch wurde in China daran gearbeitet, wie sich Llama für die nachrichtendienstliche Polizeiarbeit einsetzen lässt.

KI wird bereits militärisch eingesetzt

William Hannas, leitender Analyst am Center for Security and Emerging Technology (Cset) der Georgetown University, sagte gegenüber Reuters: "Es gibt zu viel Zusammenarbeit zwischen Chinas besten Wissenschaftlern und den besten KI-Wissenschaftlern der USA, als dass sie von den Entwicklungen ausgeschlossen werden könnten. – Kann man sie (China) aus der Keksdose heraushalten? Nein, ich wüsste nicht, wie."

KI wird bereits in vielen militärischen Bereichen entwickelt und genutzt. Zum Beispiel verwendet das US-Militär künstliche Intelligenz, um mögliche Ziele zu identifizieren und automatisiert zu erfassen . Aber auch bei der Bundeswehr kommt KI zum Beispiel für Gefechtssimulationen zum Einsatz.


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