China GaN-Konkurrent: Infineon setzt Verbot von Innoscience in Deutschland durch
Das Landgericht München I hat in einer Serie von Patentverletzungsverfahren zwischen den Konkurrenten Infineon Technologies und Innoscience aus China erneut zugunsten des deutschen Konzerns entschieden. Das gab der Chiphersteller am 3. Juli 2026 in München bekannt(öffnet im neuen Fenster). Es wird Innoscience untersagt, weitere GaN-Produkte nach Deutschland einzuführen sowie sie in Deutschland zu verkaufen und zu vermarkten.
Ebenso verpflichtet das Gericht Innoscience zur Zahlung von Schadenersatz an Infineon, dessen Höhe nicht genauer spezifiziert wurde. Bereits in mehreren Prozessen zuvor setzte Infineon gegen den Konkurrenten aus China durch, dass Produkte von Innoscience geistige Eigentumsrechte von Infineon verletzen würden. Die Prozessserie begann im August 2025.
Juristische Vernichtungsschlacht statt Wettbewerb: Infineon und Innoscience
Innoscience wirbelte den Markt für Galliumnitrid-Leistungshalbleiter in den vergangenen Jahren mit aggressiven Preisen und hohen Produktionskapazitäten bei 8-Zoll-Wafern auf und nahm Infineon, die kurz zuvor GaN Systems für 830 Millionen US-Dollar gekauft hatten, Marktanteile ab. Wichtiger war noch der Kauf von International Rectifier im Jahr 2015 für 3 Milliarden US-Dollar: Die Firma verfügte über jahrelange Grundlagenforschung in GaN-on-Silicon und ein großes Patentpaket.
Infineon bündelt seine Galliumnitrid-Produkte unter dem Markennamen CoolGaN. Während der Konkurrent Innoscience vor allem auf dem Consumer-Markt für Smartphone-Netzteile stark ist, setzt Infineon auf Produkte im Bereich Rechenzentren, Industrieautomatisierung und Elektrofahrzeuge. Diskrete GaN-Transistoren (GaN-HEMTs) reduzieren die Schaltverluste im Vergleich zu herkömmlichem Silizium erheblich. Sie kommen in Hochleistungsnetzteilen, Servern und Telco-Basisstationen zum Einsatz.
Innoscience hatte Ende 2024 in Suzhou geklagt, weil Infineon seinerseits zwei Kernpatente von Innoscience verletzt habe. Im Mai 2026 gab das Gericht Innoscience recht und verhängte ein Vertriebsverbot gegen Infineon-GaN-Produkte in China.
Der oberste Gerichtshof in China bestätigte die einstweilige Verfügung im Juni letztinstanzlich. Da Infineon die betroffenen GaN-Chips dennoch am 1. Juli 2026 auf der Messe Electronica China in Shanghai ausstellte, schaltete Innoscience die dortige Messe-Schiedsstelle für geistiges Eigentum ein. Infineon musste die betroffenen Produkte von seinem Stand entfernen.