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Chemiepark Leuna: Sicherheitsvorfälle bremsen grünen Wasserstoff aus

Umbauten aus Sicherheitsgründen und ein Unfall haben die Produktion von grünem Wasserstoff von Linde in Sachsen-Anhalt um Jahre verzögert. Die Öffentlichkeit hat davon bislang nichts erfahren.
/ Hanno Böck
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Bisher nur fossil: die Wasserstoffproduktion von Linde im Chemiepark Leuna. (Bild: Hanno Böck)
Bisher nur fossil: die Wasserstoffproduktion von Linde im Chemiepark Leuna. Bild: Hanno Böck
Inhalt
  1. Chemiepark Leuna: Sicherheitsvorfälle bremsen grünen Wasserstoff aus
  2. Teure Umbauarbeiten und ein Brand
  3. Wasserstoff: ein explosives Gas
  4. Zwei Projekte setzen künftig auf alkalische Elektrolyse
  5. Die schwierige Partnerschaft zwischen Linde und ITM Power
  6. Fazit: fehlende Transparenz

Es sollte der größte PEM-Elektrolyseur der Welt werden: Im Januar 2021 hat die Firma Linde angekündigt(öffnet im neuen Fenster), im Chemiepark Leuna in Sachsen-Anhalt ab 2022 grünen Wasserstoff zu produzieren. Die Elektrolysetechnologie sollte vom britischen Unternehmen ITM Power kommen.

Doch bis heute, vier Jahre nach der angekündigten Inbetriebnahme, wurde in Leuna nahezu kein grüner Wasserstoff produziert. Recherchen von Golem zeigen nun erstmals, dass diese jahrelangen Verzögerungen aus Sicherheitsgründen erfolgten.

Schon lange ist die Produktion von Wasserstoff ein wichtiger Geschäftszweig von Linde, doch sie erfolgt bislang fast ausschließlich aus fossilen Rohstoffen. Im Chemiepark Leuna betreibt Linde hierzu Dampfreformer, in denen aus Erdgas Wasserstoff hergestellt wird. Wasserstoff wird oft als Klimaschutzlösung diskutiert, doch diese Produktion von fossilem Wasserstoff, der oft als grauer Wasserstoff bezeichnet wird, ist mit ganz erheblichen CO2-Emissionen verbunden.

Demgegenüber steht grüner Wasserstoff, der mithilfe erneuerbaren Stroms durch Elektrolyse, also der Spaltung von Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff, hergestellt wird.

Grün statt Grau: 2021 kündigte Linde Bau eines Elektrolyseurs in Leuna an

Linde beliefert verschiedene Abnehmer im Chemiepark Leuna sowie die naheliegende Raffinerie von Totalenergies mit grauem Wasserstoff. Noch vor wenigen Jahren hatte der Konzern sogar Pläne, diese klimaschädliche Wasserstoffproduktion in Leuna deutlich auszubauen. Doch von Plänen für einen weiteren Dampfreformer verabschiedete sich Linde und kündigte stattdessen 2021 den Bau des Elektrolyseurs an.

Nach Lindes Angaben könnte der Elektrolyseur etwa 3.200 Tonnen Wasserstoff pro Jahr produzieren. Zum Vergleich: Lindes bisherige fossile Wasserstoffproduktion hat eine Kapazität von etwa 55.000 Tonnen pro Jahr. Die Elektrolyseanlage könnte demnach etwa sechs Prozent der bisher fossil hergestellten Wasserstoffmenge produzieren.

Seit der Ankündigung im Jahr 2021 war öffentlich von dem Projekt nur noch wenig zu hören. Im Juni 2023 berichtete der MDR(öffnet im neuen Fenster), dass sich die Inbetriebnahme verzögern werde, allerdings wollte sich von Linde damals niemand zu den Gründen äußern. Bestätigt wurde die Verzögerung durch einen Geschäftsbericht von ITM Power(öffnet im neuen Fenster), dem Hersteller der Elektrolysezellen.

Linde hatte bereits früh öffentlichkeitswirksam zumindest einem Kunden die Lieferung von verflüssigtem grünen Wasserstoff zugesagt(öffnet im neuen Fenster). Eine Fähre in Norwegen, die MF Hydra, sollte Passagiere nahe der Stadt Stavanger mit grünem Wasserstoff transportieren. Die MF Hydra startete ihren Betrieb, doch ihr Treibstoff kann mit Sicherheit nicht aus einer Elektrolyseanlage kommen, die noch nicht in Betrieb ist. Golem berichtete bereits im vergangenen Jahr darüber. Der Fährbetreiber Norled äußert sich nicht dazu, wo der Wasserstoff für seine Fähre produziert wird.

Für den Bau der Elektrolyseanlage erhielt Linde erhebliche Subventionen. Etwa 15 Millionen Euro steuerten der Bund und das Land Sachsen-Anhalt für den Bau bei. Bereits bei der Recherche zur MF Hydra versuchten wir, vom Land Sachsen-Anhalt Informationen zum Stand des Projekts in Leuna zu bekommen, doch unsere Fragen konnte oder wollte man dort nicht beantworten.

Nachdem wir im Frühjahr dieses Jahres bei einer Messe in Leuna erneut Hinweise erhalten hatten, dass es zu weiteren Verzögerungen bei Lindes Elektrolyseprojekt gekommen war, recherchierten wir weiter. Aufgrund unserer Hinweise stellte die Landtagsabgeordnete Kerstin Eisenreich von der Partei Die Linke eine Kleine Anfrage an die Landesregierung zum Wasserstoff-Projekt in Leuna.

Die Antworten des SPD-geführten Ministeriums für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt haben es in sich: Die jahrelangen Verzögerungen erfolgten demnach wegen umfangreicher Umbauarbeiten und Neuplanungen wegen Sicherheitsbedenken. Zudem kam es Ende 2025 zu einem Unfall.


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