Die schwierige Partnerschaft zwischen Linde und ITM Power
Das britische Unternehmen ITM Power wurde bereits im Jahr 2001 gegründet und entwickelt schon lange Wasserstofftechnologien. In den Anfangsjahren konzentrierte sich das Unternehmen auf die Produktion von Wasserstoff-Brennstoffzellen. Später erfolgte der Einstieg in die Produktion von Elektrolyseuren, also die Herstellung von Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff.
Seit 2004 ist ITM Power ein börsennotiertes Unternehmen. Der Aktienkurs von ITM Power(öffnet im neuen Fenster) erzählt dabei gewissermaßen auch die Geschichte der Hypes um Wasserstoff. Bereits in den Anfangsjahren konnte die Aktie zunächst deutlich zulegen, denn auch Mitte der Nullerjahre gab es einen inzwischen fast vergessenen Hype um Wasserstoff(öffnet im neuen Fenster). Doch nach einem Hoch im Jahr 2006 verlor die Aktie von ITM Power deutlich – von knapp drei britischen Pfund im Jahr 2006 zu einem Tiefpunkt von zehn Penny im Jahr 2009.
Als in den Jahren 2020 und 2021 Wasserstoff politisch wieder ein großes Thema war, stieg der Aktienkurs von ITM Power in ungeahnte Höhen. Die PEM-Elektrolysetechnologie galt als vielversprechend, und ITM Power war einer der wenigen Hersteller, die entsprechende Elektrolyseure liefern konnten.
Doch nachdem die Aktie Anfang 2021 kurzzeitig für über fünf britische Pfund gehandelt wurde, folgte mit der Ernüchterung im Wasserstoffsektor der Abstieg und die Aktie war Anfang 2023 weniger als ein Pfund wert. Zuletzt sah es bei ITM Power wieder etwas positiver aus, ausgelöst durch Förderzusagen der britischen Regierung und neue Projekte mit den Elektrolyseuren der Firma.
Linde ist der größte Aktionär von ITM Power
Linde ist ein Chemiekonzern und Anlagenbauer, der vor allem in der Produktion und im Verkauf von Gasen sowie der dafür nötigen Technologie aktiv ist. Wie bereits erwähnt, ist Linde auch ein wichtiger Produzent von Wasserstoff aus fossilen Quellen.
Im Oktober 2019, noch vor der Kursrally der Aktie, gab Linde bekannt, dass das Unternehmen Anteile an ITM Power erworben hatte(öffnet im neuen Fenster). Linde ist noch heute der größte Aktionär von ITM Power(öffnet im neuen Fenster).
Neben dem direkten Investment von Linde kündigten beide Unternehmen eine direkte Partnerschaft für den Bau von Wasserstoff-Produktionsanlagen an. Dafür wurde ein gemeinsames Tochterunternehmen gegründet, die ITM Linde Electrolysis GmbH mit Sitz in Dresden.
Zahlreiche Gemeinschaftsprojekte folgten. Ob bei Shell in Wesseling, bei RWE in Lingen, oder bei Yara in Norwegen: ITM Power lieferte die Elektroylseure; überall waren Linde und ITM Power gemeinsam am Aufbau der Wasserstoff-Produktionsanlagen beteiligt.
Doch das Verhältnis zwischen beiden Unternehmen wurde schwieriger, wie sich durch zahlreiche Hinweise in Geschäftsberichten von ITM Power rekonstruieren lässt. Im August 2024 gab ITM Power in einem Zwischenbericht erstmals bekannt(öffnet im neuen Fenster), dass sich das Unternehmen in einem "kommerziellen Disput" mit einem anderen Unternehmen befinde. In einem einige Monate später veröffentlichten Zwischenbericht ist nachzulesen(öffnet im neuen Fenster), dass es sich bei dem Unternehmen um Linde handelt und dass sich beide Unternehmen auf einen Vergleich und eine Zahlung von 13 Millionen Pfund von ITM Power an Linde geeinigt haben.
Gemeinschaftsunternehmen ITM Linde Electrolysis nimmt keine neuen Aufträge an
Im Geschäftsbericht 2024 von ITM Power (PDF)(öffnet im neuen Fenster) erfährt man zudem, dass das Gemeinschaftsunternehmen ITM Linde Electrolysis künftig zwar bestehende Verträge weiter erfüllen soll, es jedoch keine neuen Aufträge annehmen werde. Die ehemalige Webseite von ITM Linde Electrolysis ist inzwischen offline(öffnet im neuen Fenster).
Auch entfernte Linde Erwähnungen von ITM Power und dem Gemeinschaftsunternehmen ITM Linde Electrolysis von der eigenen Webseite. Auf einer Übersichtsseite über Elektrolysetechnologie wird Lindes Projekt in Leuna erwähnt. Anfang 2024 fand sich dort noch ein inzwischen entfernter Hinweis(öffnet im neuen Fenster), dass es sich um ein Gemeinschaftsprojekt mit ITM Power handle.
Eine Pressemitteilung von Linde im Jahr 2025 zur Inbetriebnahme eines kleineren Elektrolyseprojekts in Österreich beim Chiphersteller Infineon(öffnet im neuen Fenster) verzichtet ebenfalls auf die Erwähnung von ITM Power, obwohl das britische Unternehmen auch hier beteiligt war.
Die Geschäftsberichte enthalten keine Details über die Hintergründe des "kommerziellen Disputs" zwischen Linde und ITM Power. Auch die Entscheidung, dass das Gemeinschaftsunternehmen ITM Linde Electrolysis keine weiteren Aufträge annimmt, wird nicht im Detail erläutert. Ob ein direkter Zusammenhang mit den Verzögerungen in Leuna und den Sicherheitsvorfällen besteht, bleibt unklar.
Wir hatten sowohl Linde als auch ITM Power kontaktiert, sie mit unseren Recherchen konfrontiert und eine Reihe von Fragen gestellt. Wir erhielten von keinem der beiden Unternehmen eine Antwort.
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