Chatkontrolle: Welche Messenger (noch) sicher sind und welche nicht
Trotz massiver Kritik und eines unlauteren Verfahrens hat das EU-Parlament am 9. Juli 2026 die Fortführung der Ausnahmeregelung vom Datenschutz für Anbieter von Messengerdiensten beschlossen. Diese sollen dadurch auch weiterhin Nachrichten ihrer Nutzer automatisiert auf Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch scannen dürfen.
Davon betroffen sind alle Anbieter großer E-Mail-, Cloud- und Messengerdienste. Der entscheidende Punkt ist, dass Ende-zu-Ende-verschlüsselte (E2EE) Nachrichten von der aktuellen Regelung ausgenommen sind. Den Inhalt derartiger Nachrichten zu scannen, ist technisch ohnehin nicht möglich, ohne den passenden Schlüssel zu kennen. In einem Vorschlag für die sogenannte Chatkontrolle 2.0 wurde allerdings bereits eine Lösung dafür diskutiert. Aber dazu später mehr.
Messengerdienste wie Signal, Whatsapp, Threema, iMessage (zwischen Apple-Geräten und bei RCS-Nachrichten, nicht bei SMS und MMS) und Wire haben die E2E-Verschlüsselung standardmäßig aktiviert. Auch Programme wie Session, Wickr und Element bzw. Matrix gelten als sicher. Das Gleiche gilt für den Facebook Messenger, der E2EE mittlerweile ebenfalls zum Standard gemacht hat.
Telegram, Instagram und SMS
Anders sieht das etwa bei Telegram und Google Messages aus. Letzteres ist in erster Linie zum Versenden von SMS-, MMS- und RCS-Nachrichten gedacht, die auf Infrastrukturdiensten des Mobilfunknetzbetreibers basieren. Nur bei RCS-Nachrichten ist eine E2E-Verschlüsselung aktiv. Spezielle Messenger wie Briar oder Bitchat, erfordern gar keine Internetverbindung und verschlüsseln Nachrichten ebenfalls Ende-zu-Ende.
Bei Telegram hingegen werden nur explizit als geheim eröffnete Chats E2E-verschlüsselt. Standardmäßig werden Chats lediglich mit Telegrams Verschlüsselungsprotokoll MTProto versehen und auf den Servern des Unternehmens gespeichert, etwa in den USA, Singapur oder den Niederlanden.
Öffentliche Beiträge auf Social-Media-Plattformen sind ohnehin für alle einsehbar. Auf Instagram schaltete Meta allerdings am 8. Mai 2026 E2EE für Direktnachrichten zwischen Nutzern ab(öffnet im neuen Fenster) und kann somit theoretisch Einblick in die Nachrichtenverläufe nehmen.
Angaben von X fragwürdig
Beim Kurznachrichtendienst X werden private Chatnachrichten ebenfalls nur auf dem Transportweg verschlüsselt. Der Anbieter spricht dabei zwar von einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, da die privaten Schlüssel aber auf den Servern des Unternehmens gespeichert werden, ist diese Angabe sehr fragwürdig.
Auf Mastodon sollen Privatnachrichten bis Ende des Jahres 2027 E2EE erhalten. Für Bluesky sind bislang keine Pläne für die Einführung von E2EE bekannt. Bei beiden Diensten haben Anwender aber die Möglichkeit, Instanzen auf eigenen Servern zu betreiben und damit zumindest die Kontrolle über ihre Daten zu behalten.
Politischer Angriff auf die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
In den bislang nur diskutierten Plänen für die Chatkontrolle 2.0 war zunächst ein verpflichtendes clientseitiges Scannen von Nachrichten im Gespräch. Hierbei sollte eine Software auf Smartphone, PC oder Notebook Nachrichten vor dem Abschicken auf ihren Inhalt überprüfen und sie erst anschließend Ende-zu-Ende-verschlüsseln.
Anbieter wie Whatsapp, Signal oder Threema wären dadurch verpflichtet worden, anlasslos die privaten Nachrichten ihrer Nutzer zu scannen. Der als Begründung für die Chatkontrolle herangezogene Kampf gegen die Verbreitung von Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern rechtfertigt für Befürworter ein derartiges Vorgehen.
Datenschützer und Bürgerrechtler sehen dies hingegen als einen Schritt zu einer lückenlosen Massenüberwachung. Bislang scheiterten derartige Vorstöße am Widerstand der EU-Mitgliedstaaten.
Wie die Geschehnisse um die Ausnahmeregelung der Chatkontrolle 1.0 zeigen, schrecken einige Politiker aber nicht vor Alleingängen und Tricks zurück, um gescheiterte Vorschläge zu einem für sie günstigeren Zeitpunkt und unter Umgehung von Vorschriften erneut einzubringen und durchzudrücken.
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