Zum Hauptinhalt Zur Navigation

ChatGPT und Co.: Chatbots können problematisch in Schulen und Unis werden

Chatroboter wie ChatGPT könnten unbemerkt für Hausaufgaben verwendet werden. Fachleute wollen diskutieren, wie man mit den KI-Helfern umgehen sollte.
/ Tobias Költzsch , dpa
101 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Vor allem bei Literaturinterpretationen könnten Chatbots überzeugende Texte abliefern. (Bild: Pixabay)
Vor allem bei Literaturinterpretationen könnten Chatbots überzeugende Texte abliefern. Bild: Pixabay / Pixabay-Lizenz

Die Entwicklungen im Bereich der KI-Chatbots werden die Schule verändern, wie die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Berlins Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD), jüngst dem Informationsdienst Table.Bildung(öffnet im neuen Fenster) sagte. Dienste wie ChatGPT seien zwar noch sehr neu. "Aber das ist jetzt in meinem Fokus ganz, ganz vorne." Noch im Januar 2023 will sich eine KMK-Kommission nach Angaben eines Sprechers mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen.

Auch der Deutsche Hochschulverband verfolgt die Fortschritte bei ChatGPT und anderen KI-Anwendungen genau. Erkenntnisse, ob und in welchem Ausmaß Studierende schon heute mit dem Textgenerator arbeiteten, lägen zwar nicht vor, sagt Sprecher Matthias Jaroch. "Es wäre jedoch lebensfremd, nicht davon auszugehen, dass Studierende ChatGPT nutzen oder nutzen werden."

Der bayerische Realschullehrerverband sieht das ähnlich: "Dass diese Entwicklungen Schülerinnen und Schülern verborgen bleiben, ist ein Irrglaube" , meint der Digitalbeauftragte Ferdinand Stipberger. Es liege auf der Hand, dass Chatbots wie ChatGPT bei den Hausaufgaben verwendet werden. Die Expertin Anja Bensinger-Stolze von der Schulgewerkschaft GEW sieht darin eine große Gefahr: Schülerinnen und Schüler lernten nicht mehr, Bezüge herzustellen, wenn sie KI-generierte Texte einfach abtippten, um die Hausaufgabe abhaken zu können, meint sie.

Chatbots liegen nicht immer richtig

Kreativität und kritisches Denken - das könnte nach Ansicht von Bildungsfachleuten auf der Strecke bleiben - und gerade letzteres ist auch beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz wie ChatGPT wichtig. "Auch wenn das Modell bereits sehr gut funktioniert, gibt es noch immer des Öfteren falsche Antworten, die gleichzeitig allerdings sehr überzeugend klingen" , erläutert die Informatikprofessorin Iryna Gurevych von der Technischen Universität Darmstadt.

Fragt man ChatGPT zum Beispiel nach Olaf Scholz heißt es: "Er ist der Bundesfinanzminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Merkel IV." Und Bundeskanzlerin ist demnach immer noch Angela Merkel.

Woran das liegt, kann ChatGPT auf Nachfrage selbst erklären: "Mein Wissensstand bezieht sich auf die Zeit bis zu September 2021, daher kann ich nicht auf aktuelle Entwicklungen nach diesem Datum eingehen" , erläutert der Chatbot und gibt gleich einen Tipp: "Es ist wichtig zu beachten, dass es immer möglich ist, dass meine Antworten nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind, und es ist ratsam, diese Informationen zu überprüfen und zu verifizieren."

ChatGPT wird sich verbessern

Doch eins steht fest: ChatGPT wird mit der Zeit besser werden. "Das ist ein lernendes System" , sagt Informatikprofessorin Katharina Morik von der Technischen Universität Dortmund. Künftig wird es bessere Versionen und auch andere sprachgewandte KI geben, die Anwendungsmöglichkeiten werden also steigen. Und darauf werden die Lehrenden reagieren müssen, glaubt Morik. "Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass wenn jemand einen schönen Text als Zusammenfassung für die Literatur schreibt, er die Literatur verstanden hat."

Müsste man Studierenden, Schülerinnen und Schülern also verbieten, sich von Künstlicher Intelligenz helfen zu lassen? Die Schulbehörde von New York habe ChatGPT zum Beispiel auf ihren Servern sperren lassen, erzählt GEW-Expertin Bensinger-Stolze. KMK-Präsidentin Busse hält Verbote dagegen nicht für sinnvoll. "Die Frage muss doch eher sein, welche Kompetenzen braucht es, um Künstliche Intelligenz sinnvoll nutzen zu können" , sagte sie Table.Bildung.

"Wir dürfen solche technologischen Innovationen weder kategorisch ablehnen noch verbieten. Viel wichtiger sind klare Regeln und ein sinnvoller, gezielter Umgang mit KI" , findet auch Stipberger vom bayerischen Realschullehrerverband. Damit Schülerinnen und Schüler das lernen könnten, müssten aber auch die Lehrkräfte entsprechende Fortbildungen erhalten.

Vielleicht müssen die Prüfungsmethoden überdacht werden

Vielleicht biete die Debatte um ChatGPT auch die Chance, neue Prüfungsmethoden in den Schulen auszuprobieren, sagt Bensinger-Stolze. Mehr kritische Reflexion und Interpretation, weniger reines Abfragen von Wissen. Auch an den Hochschulen werde es künftig mehr darum gehen, gelerntes Wissen auf andere Aufgaben zu übertragen, prognostiziert Morik. "Und wir müssen mündliche Prüfungen machen."


Relevante Themen